Alle Kritiken aus der Reihe Mars-Zyklus

1Mars (Mars)
 2Rückkehr zum Mars (Return to Mars)

Alle Berichte zu der Reihe Mars-Zyklus

Bisher noch keine News & Berichte in diesem Bereich.


Return to Mars

, Teil 2

(Heyne 2001, 687 Seiten, 3-453-18769-5)

Beide Bände zusammen habe das Zeug zu absoluten Klassikern! Spannend, eindringlich und tiefgreifend!

Mehrere Jahre nah der ersten bemannten Marsexpedition hat ein privates Konsortium eine Nachfolgemission ausgerüstet und bemannt. Missionsleiter ist der Navajo Jamie Waterman, der schon an der ersten Expedition als Geologe teilnahm. Die erste Expedition entdeckte auf dem Mars lebende Flechten und Jamie war sich sicher in einer Felsspalte ein von intelligenten Wesen gebautes Gebäude gesehen zu haben. Leider ist dieses auf den umfangreichen Filmaufnahmen nicht zu erkennen und so scheint eine weitere Erforschung unwahrscheinlich.
Ein weiterer Teilnehmer ist Dexter Trumball, Sohn des Hauptfinanziers der Expedition, der als Geologe an der Expedition teilnimmt. Sein wichtigstes Anliegen ist es, den Mars wirtschaftlich zu erschießen, um sich so vor seinem Vater beweisen zu können.
Auf dem Mars angekommen beginnen schnell die Revierkämpfe zwischen Jamie und Dex, die jedoch durch die eindeutige Hierarchie im Zaum gehalten werden können. Als dann bei einer Expedition zu dem Canyon, in dem die Flechten gefunden wurden, auch ein verunglückter Marsrover geborgen werden kann, kann der Missionsplan erweitert werden und so kann auch Jamie seine Entdeckung näher untersuchen. Dabei macht er eine unglaubliche Entdeckung…

Rückkehr zum Mars ist die direkte Fortsetzung von Ben Bovas Roman Mars, der dem Leser die Erlebnisse der ersten Mission auf dem roten Planeten schildert. Qualitätsmäßig schafft es Bova jedoch, noch einen Schritt weiter zu gehen.
Der vorliegende Roman ist dermaßen vielschichtig, dass die Inhaltsangabe nur einen Eindruck von der Haupthandlung verschaffen kann. Der Autor webt so viele kleine Geschichten und auch Hintergrundinformationen ein, dass man das Gefühl hat, selber an der Mission teilzunehmen. Man lernt die Wissenschaftler und Astronauten kennen und hat schon nach wenigen Seiten seine Sympathien und Antipathien. Bova beschreibt die Charaktere und insbesondere ihre Entwicklung fern der Erde dermaßen eindringlich und anschaulich, dass man sich kaum mehr von dem Buch lösen kann. Dabei wirkt alles gut nachvollziehbar und nie aufgesetzt.
Rückkehr zum Mars ist aber nicht nur noch charakter-bezogener als sein genialer Vorgänger, sondern auch wesentlich poetischer und nachdenklicher. Der Autor schneidet dabei Fragen wie “Was ist der Mensch?”und “Darf der Mars kolonisiert werden?”an. Durch Jamies Verbundenheit mit der Navajo-Kultur treten hier besonders interessante Sichtweisen zutage.

Mars

, Teil 1

(Heyne 1999, 781 Seiten, 3-453-16174-2)

Klasse Buch, das einen altbekannten Plot neu variiert und das Beste aus ihm heraus holt.

Nach neun monatigem Flug erreichen die ersten beiden menschlichen Raumschiffe den Mars. Finanziert von allen großen Industrienationen, mit der Konstruktion der Russen, der Software der Amerikaner und der Technologie der Japaner erreichen 25 Astronauten den Marsorbit.
Unter den ersten, die die Marsoberfläche betreten, ist auch der Navajo Jamie Waterman. Er ist als Ersatz für den erkrankten Geologen DiNardo an Bord gekommen und zerstört das numerische Geleichgewicht von Amerikanern und Russen. Als er dann als erster Amerikaner auf dem Marsboden nicht die vorbereitete kurze Ansprache hält, sondern in die Sprache seiner Vorfahren zurückfällt, wird er auf der Erde endgültig zum Politikum. Auch eine Teilnehmerin steht von Beginn an im Rampenlicht der Öffentlichkeit: Joanna Burmado, die Tochter des Initiators der Marsmission.
Auf dem Mars angekommen, beginnen die neun Wissenschaftler auf dem Boden mit seiner Erkundung. Bei einer Expedition zum “Grand Canyon des Mars”entdeckt Jamie Nebelschleier und eine seltsame Gesteinsformation in einer Felsspalte, die ihm wie eine Siedlung vorkommt. Doch bevor er sie näher untersuchen kann, müssen sie zur Basisstation zurückkehren. Es gelingt ihm jedoch eine weitere Expedition zu diesem Gebirge genehmigen zu lassen. Gegen Ende ihrer Mission begibt er sich mit Joanna und zwei weiteren Wissenschaftlern wieder dorthin. Sie machen eine sensationelle Entdeckung. Gleichzeitig bricht aber unter den Astronauten eine seltsame Krankheit aus.

Hier liefert jetzt auch Ben Bova seine Vision der Mars-Erforschung ab. Die Thematik ist zwar nicht gerade innvoativ, aber Bova holt das Beste aus der Idee heraus. Er spielt mit verschiedenen Zeitebenen und läßt den Leser an den Vorbereitungen der Mission, dem Flug, der Erkundung und auch dem Geschehen auf der Erde teilhaben und erzählt so eine sehr glaubwürdige Geschichte. Manchmal hatte ich das Gefühl, nicht einen Roman, sondern eine Tatsachenbeschreibung zu lesen.
Dass Bova sich dabei auf wenige Hauptpersonen beschränkt und sich in seinen Charakterisierungen auf diese konzentriert, tut dem Roman gut. So kann er seine Geschichte kontinuierlich voran treiben. Alle anderen Teilnehmer der Expedition bleiben keineswegs blass, sind aber zumeist etwas schablonenhaft. Mit Jamie hat Bova sich zudem einen hoch interessanten Charakter als Identifikationsfigur ausgedacht. Er schildert glaubwürdig, wie der Navajo unfreiwillig zum Politikum und praktisch zum wissenschaftlichen Leiter der Mission wird. Zudem baut der Autor noch eine kleine, unaufdringliche Liebesgeschichte zwischen Jamie und Joanna ein.
Auch seine Beschreibungen des Mars sind faszinierend. Er zeigt dem Lesen die karge Schroffheit und fremdartige Schönheit unseres Nachbarplaneten. Dabei verliert er sich nicht in trockene Beschreibungen, sondern streut wie nebenbei einige wissenschaftliche Fakten ein.