Alle Kritiken aus der Reihe Ender Wiggin

2Sprecher für die Toten (Speaker for the Dead)
 3Xenozid (Xenocide)
 4Enders Kinder (Children of the Mind)

Alle Berichte zu der Reihe Ender Wiggin

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Enders Kinder (Children of the Mind)

, Teil 4

(Tor 1997, 370 Seiten, 978-0-81255-2239-6)

Tiefgründig und spannend. Ein würdiges Ende eines genialen Quartetts.

Nu ist es also vorbei. Nach dem genialen Ender’s Game und den extrem lesenswerten Speaker for the Dead und Xenocide ist Children of the Mind der letzte Band der mittlerweile schon klassischen Kernsaga um Ender Wiggin. Und Orson Scott Card ist es definitiv gelungen, seinen großartigen Zyklus mit einem würdigen Ende auszustatten. Das Buch schließt unmittelbar an die Handlung des Vorgängers an und so schwebt noch immer die Gefahr der vollständigen Zerstörung über dem Planeten Lustania, auf dem die drei intelligenten Rassen der Menschen, der Peguininos und der Bugger zusammenleben. Zwar haben die Menschen auf diesem Planeten eine Möglichkeit gefunden, ohne Zeitverlust das Universum zu bereisen, sie sind dafür aber von dem “Computerwesen” Jane abhängig, das nach und nach vom Kongress abgeschaltet wird. Auch Ender liegt im Sterben, doch da sind ja noch die Reinkarnationen seiner Geschwister Val und Peter…

Ohne die Vorgängerromane vorauszusetzen, ist die Handlung schwer zusammenzufassen, denn Card baut in diesem Buch konsequent und ohne Rücksichtnahme auf dem auf, was der Leser in den ersten drei Romanen gelernt hat. Dabei führt er seine Philosophie der eigenständigen “Seelen” aller Menschen, Lebewesen und Gegenstände fort und entwickelt auf ihr eine Handlung, die sich genauso in der Parallelwelt der “Aiúas” abspielt, wie in unserer realen Welt. Dabei geraten Ender, Peter, Valentine, die junge Valentine, Miro, Wang-mu und Novinha in ein komplexes Geflecht aus Liebe, Tod und – wie immer bei Card – ethischer Dilemmata.

Auch wenn ich mich immer freue, sobald ich ein Buch zu Ende gelesen habe, hätte ich mir gewünscht, hier noch ein paar Seiten mehr zu haben. Aber glücklicherweise gibt es ja noch weitere Bücher von Card, die in Enders Universum spielen und die ich mir sicherlich im Laufe der Zeit noch zu Gemüte führen werde.

Xenozid (Xenocide)

, Teil 3

(Tor 1991, 592 Seiten, 0-8125-0925-0)

Pflichtlektüre für Freunde anspruchsvoller Romane und tiefgründiger Gedanken.

Nachdem Ender Wiggin zwischen den Pequininos und den Menschen auf Lusitania vermitteln konnte und auch der letzten Königin der Bugger eine neue Heimat verschaffen konnte, stellt sich nun das Problem der Flotte, die der Kongress nach Lusitania geschickt hat, um den Planeten und den gefährlichen Virus darauf – die Descolada – zu vernichten. Mithilfe von Jane – einem unabhängigen Wesen, das in den Weiten des interstellaren “Internets” lebt, gelingt es ihnen, die Flotte für den Kongress unsichtbar und unerreichbar zu machen, doch auf dem Planeten Path wird die hochintelligente Qing-Jao damit beauftragt, den Grund für das Verschwinden der Flotte herauszufinden. Doch die Menschen auf Lusitania haben noch ein weiteres Problem: Solange die Descolada aktiv ist, können sie den Planeten nicht verlassen, ohne jeden anzustecken, dem sie begegnen und alle planetaren Ökosysteme zu zerstören. Diese Konflikte führen schließlich auch fast zu einem Krieg zwischen den Menschen und den Pequininos.

Im Zentrum dieses dritten Romans über Ender Wiggin steht der Konflikt zwischen dem eigenen Überleben und der Zerstörung kompletter intelligenter Rassen. Wenn die Menschen den Descolada-Virus zerstören, vernichten sie damit zwangsläufig die Lebensgrundlage der Pequininos, die darauf für ihre Reproduktion angewiesen sind. Vernichten sie ihn nicht, droht dem gesamten Planeten das Aus. So drehen sich auch die meisten der umfangreichen Dialoge um das Thema Intelligenz, Selbsterkenntnis und das Recht auf Leben. Dabei beweist Card mal wieder sein gesamtes Talent, dem Leser mit komplexen ethisch-moralischen Dilemmata in die komplexe Handlung hineinzuziehen. Auch das Thema Religion und blinder Glaube spricht er auf seine unnachahmliche Weise an: Auf dem Planeten Path gibt es eine Gruppe, die sich als die von Gott Auserwählten sieht, und von ihnen zu zwanghaften Reinigungsritualen aufgefordert werden. Auch Qing-Jao gehört den Auserwählten an und wird von ihnen gezwungen, die Maserung im Holz ihres Fußbodens zu beobachten. Als es Ender mit Hilfe von Jane gelingt, mit ihrer Kammerdame Wang-mu und ihrem Vater Han Fei-tsu aufzunehmen, finden sie heraus, was hinter diesem unbändigen Zwang steckt und entwickeln eine Möglichkeit, ihn zu heilen.

Xenocide ist mal wieder ein unglaublich faszinierender Roman von Orson Scott Card. Durch seinen Stil, moralische Dilemmata zum Zentrum der Handlung zu machen, erzeugt er gleichzeitig eine unglaubliche Spannung und bringt den Leser auf jeder Seite erneut dazu, sich über die Frage nach der Natur des Menschen, seinem Verhältnis zur Natur und die Bewertung der Intelligenz fremder Rassen Gedanken zu machen.


Extrem lesenswert und eine absolute Bereicherung für jedes Bücherregal.

Nachdem der Vorgänger Ender’s Game mich auf der knapp 30-stündigen Zugfahrt von Brisbane nach Melbourne bestens unterhalten hatte, habe ich jetzt endlich die Zeit gefunden, mit auch mit Speaker for the Dead etwas ausführlicher zu beschäftigen. Orson Scott Card setzt darin zwar die Geschichte von Ender Wiggins fort, verlegt seine Handlung jedoch immerhin 3000 Jahre in die Zukunft. Aus dem militärischen Genie ist mittlerweile ein Sprecher für die Toten geworden, der durch die Galaxis reist und die wahre Geschichte und den Charakter von Toten erkundet und der Öffentlichkeit präsentiert. Als er auf die Koloniewelt Lusitania gerufen wird, sieht er sich dort nicht nur mit einer komplizierten Familiengeschichte konfrontiert, sondern trifft auch auf die Piggies, die einzige außerirdische Rasse, mit der die Menschen Kontakt haben. Dieser Kontakt ist jedoch streng reglementiert und nur dem örtlichen Xenologen erlaubt. Im Laufe seiner Recherche dringt Ender immer weiter in das komplexe Geflecht aus Familiengeheimnissen und die Kultur der Piggies vor und entdeckt einiges, was den Menschen um ihn herum unbegreiflich scheint. Und natürlich wartet Card gegen Ende des Buches auch wieder mit einer Überraschung auf, auch wenn diese nicht ganz so groß ausfällt, wie in Ender’s Game

Wie auch der Vorgänger hat mir Speaker for the Dead ausnehmend gut gefallen. Mit Ender Wiggin hat Card eine Figur erschaffen, wie ich sie noch in keinem anderen Buch erlebt habe und auch die Welt ist extrem glaubwürdig und faszinierend geschildert. Mithilfe dieser beiden Bestandteile schneidet der Autor in diesem Buch mal wieder viele Themen an und gibt dem Leser unzählige Denkanstöße. Da geht es beispielsweise um Daten, die so geheim gehalten werden, dass dafür geliebte Menschen sterben, es geht darum, wie Religion und blinder Glaube unser Denken einschränken und um unseren Umgang mit dem Fremden. Was passiert mit uns, wenn andere voller Überzeugung in einer Gesellschaftsform leben, die für uns absolut unverständlich erscheint und in vielem unseren Moralvorstellungen widerspricht? Wie geht man damit um, wenn für die einen etwas höflich ist, was für uns abgrundtief böse ist? Card setzt sich mit diesen Themen auf eine sehr ernste aber sehr unterhaltsame Weise auseinander. Um solche Konflikte glaubwürdig auflösen zu können, braucht es dann wahrscheinlich auch einen so überragend guten Charakter wie Ender Wiggin, der mir aber an vielen Stellen schon fast zu perfekt erschien. Leider vernachlässigt Card an manchen Stellen die Handlung ein wenig und erzeugt soch doch leider einige Längen in diesem ansonsten nahezu perfekten Buch.