Alle Kritiken aus der Reihe Rifters

1Abgrund (Starfish)

Alle Berichte zu der Reihe Rifters

Bisher noch keine News & Berichte in diesem Bereich.


Abgrund (Starfish)

, Teil 1

(Heyne 2008, 495 Seiten, 978-3-563-52446-0)

Eher schwacher High-Tech-Thriller mit guten Ideen, aber einer überlangen Einführung und blassen Charakteren.

Was passiert, wenn auf der Erde die Energiereserven ausgehen und nun geologische Formationen in der Tiefsee angezapft werden müssen, um den Strombedarf der Menschen zu stillen? Es werden Stationen in der Tiefsee errichtet, die den heutigen Raumstationen nicht unähnlich sind. Dem stetigen starken Druck – psychisch und physisch – kann jedoch nicht jeder standhalten. Nur Menschen, die es bereits seit vielen Jahren gewohnt sind, unter extremem seelischen Stress zu stehen, können dort überleben – und das nur, nachdem sie durch künstliche Implantate angepasst wurden. So finden sich schwer traumatisierte Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht und versuchen, in dieser lebensfeindlichen Umgebung ihre Aufgabe zu erfüllen.

In einer solchen Station spielt der Roman von Peter Watts und beschreibt das Leben einer dieser seelisch geschädigten Besatzungen. Zwischen der ständigen Bedrohung durch kaum erforschte und gefährliche Tiefsee-Lebewesen und den Konflikten, die sich innerhalb der Gruppe bewegen, versuchen sie, die Station am Laufen zu halten. Doch als eines der Besatzungsmitglieder sein künstliches Implantat manipuliert und so seine Empfindungsfähigkeit erhöht, beginnen die Menschen, sich zu verändern und an ihre Umgebung anzupassen.

Im ersten Teil des Romans beschränkt sich Watts darauf, das Leben an Bord der Station Beebe darzustellen. Er bringt die Protagonisten dort zusammen und führt ihren Alltag ein. Dabei streut er immer wieder kleine Horrormomente ein, in denen Tiefseewesen die Menschen angreifen und sie sich meistens in letzter Sekunde retten können. Er schildert dann, wie sie die Möglichkeit entdecken, ihre Empfindungsfähigkeit zu erhöhen und sich so besser an das Leben unter Wasser anzupassen. Dabei schafft es Watts aber in meinen Augen nicht, die Charaktere, tatsächlich zum Leben zu erwecken und mit psychologischer Tiefe auszustatten. Das ist umso überraschender, da die Figuren ja schwer traumatisiert sind und damit eigentlich ein breites Betätigungsfeld für die Schilderung innerer Konflikte böten. So plätschern die ersten 250 bis 300 Seiten vor sich hin und ich habe mich immer wieder gefragt, wo Watts mit seiner Handlung hinwill.

Erst als die Gefahr durch den alternativen DNA-Typ eingeführt wurde, wurde die Handlung dann strukturierter und klarer. Dabei ist die Idee, die Watts hier aufbaut, durchaus spannend und auch die intelligenten Gele, die im ersten Teil des Buches immer wieder am Rande erwähnt wurden, finden nun auch ihren Platz in der Handlung. Dieser Teil erinnerte mich dann eher an den Hightech-Thriller, den das Cover und der Klappentext versprachen. Allerdings bleiben auch hier die Personen, obwohl sie so langwierig eingeführt wurden, merkwürdig blass.

Insgesamt konnte mich Abgrund nur bedingt überzeugen. Dass dem ersten Teil die Spannung fehlte, wäre zu verschmerzen gewesen, wenn er den zweiten Teil gut vorbereitet hätte, aber dieser hätte auch mit einer kürzeren Einleitung funktioniert. War ich damals bei Arthur Hailey von dieser Struktur (langer einleitender Teil mit Hintergrundinformationen und kurzer, knackiger Teil mit einer spannenden Handlung) sehr begeistert, hat Peter Watts es in meinen Augen nicht geschafft, diese Idee erfolgreich umzusetzen.