bordertown 1986 erschienen mit Borderland und Bordertown zwei Bände, in denen der Grundstein für eine der aktuell spannendsten Welten gelegt, in denen mehrere Autoren ihre Geschichten erzählen: Bordertown ist die Stadt an der Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Elfen. Hier treffen nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander, sondern auch Glücksritter, Flüchtlinge, Geschäftsleute und Abenteurer. Am Dienstag erscheint nun ein neuer Kurzgeschichtenband aus dieser Welt, in dem die Herausgeber Holly Black und Ellen Kushner so illustre Autoren wie Cory Doctorow, Neil Gaiman und die Schöpferin der Welt Terri Arnold versammelt haben.

Einen vielversprechenden Vorgeschmack auf die Sammlung Welcome to Bordertown  bietet die Geschichte von Cory Doctorow, Shannon’s Law, die man bei Tor.com lesen oder sich bei Escape Pod anhören kann.

Entre la lumière from ad on Vimeo.

(Via SF Signal)

Mit Sternenschatten gibt es auch den unmittelbaren Nachfolger von Lukianenkos Sternenspiel bei Audible als vollständige und ungekürzte Lesung. Die Handlung schließt unmittelbar an den Vorgänger an und beginnt nach der Rückkehr von Pjotr, seinem Großvater und Mascha auf die Erde. Nachdem sie im ersten Teil den Planeten der Geometer besucht hatten, in der Hoffnung, dort einen Verbündeten im Kampf gegen das Konklave zu finden, das die Menschen und einige andere Rassen unterdrückt, geht es nun auf eine Reise in den “Schatten”. Da die Geometer vor diesem vor langer Zeit geflohen waren, erscheint er den Menschen als ein weiterer potenzieller machtvoller Verbündeter. Als die Truppe nach einigen Hindernissen und einem gewagten Manöver dort eintrifft, landen sie auf einem Planeten, der als Verkehrsknotenpunkt des Schattens zu fungieren scheint. Als sie dann die Tore durchschreiten, von denen sie sich eine Passage erhoffen, werden sie getrennt und landen in unterschiedlichen Welten. So wird Pjotr für einige Zeit zu einem Kampfpiloten im Krieg gegen eine genetisch veränderte menschliche Rasse bevor er den Hintergrund der Tore und ihre Funktion kennenlernt.

Nachdem es in Sternenspiel wie beschrieben um “Glück ohne Freiheit” ging, stellt der Schatten in gewisser Weise das Gegenmodell der Geometer dar. Hier gibt es kein geplantes Glück, keine zentrale Kontrolle, sondern größtmögliche Freiheit – “Freiheit ohne Glück”. Der Schatten ist deswegen so bedrohlich, weil er den Menschen, denen er beim Durchschreiten der Tore ihre tiefsten Wünsche erfüllt. Er macht sie zu Kämpfern, zu Opfern, zu Einsiedlern oder zu Händlern. Er gibt ihnen, was sie brauchen, ohne dass sie selbst dies verstehen oder steuern können. Waren die Geometer Gefangene ihres Systems, so sind die Menschen im Schatten Gefangene ihres Unterbewusstseins – auch wenn sie auf den ersten Blick frei erscheinen.

Lukianenko gelingt es auch in Sternenschatten wieder, seinen überzeugenden Weltentwurf zum Leben zu erwecken. Dabei rücken die Handlung und eine stringente und spannungsgeladene Erzählweise jedoch leider etwas zu häufig hinter seine intellektuellen Gedankenspiele zurück, wodurch das Hören von Zeit zu Zeit doch etwas zäh wurde. Auch das Ende konnte mich nicht vollkommen überzeugen, hier geht mir alles dann doch irgendwie ein wenig zu schnell und auch zu einfach. Ich bleibe jedoch dabei, dass Lukianenko spannende Geschichten erzählen und mit äußerst intelligenten und kritischen Gedanken verbinden kann. Auch seine spezifisch russische Erzählweise, seinen Fokus auf wenige Hauptfiguren, die er insgesamt ein wenig vernachlässigt, und seine lineare Erzählweise behält er in diesem Buch natürlich bei.

Zur Hörbuch-Umsetzung kann ich nichts Negatives sagen und daher allen, denen der erste Band gefallen hat, auch das zweite Buch ans Herz legen. Ansonsten auf jeden Fall mit Sternenspiel anfangen!

Diese Kinder und deren Nachkommen sahen dich mit anderen Augen. Sie hörten die Geschichte von Nuramon dem Minnekrieger, von Nuramon dem Suchenden, dem ewigen Wanderer. In den Trollkriegen erfuhren sie, dass du einst Gefährte des Alfadas warst. Uns Alten brauchst du nicht zu verzeihen. Viele von uns haben ihre Ansicht nicht geändert, doch diese Elfen hier verehren dich als einen Großen unserer Sippe. Lass sie deine Verachtung für uns nicht spüren.

Die Elfen

, Teil 1

(Heyne 2004, 910 Seiten, 978-3-453-53001-0)

Fantasy-Fressfutter im Stil eines Rollenspiels mit zu viel Handlung und zu wenig Atmosphäre und Tiefgang. Schade, die Elfen hätten Besseres verdient gehabt.

Die Elfen von Bernhard Hennen gehört sicherlich zu den Büchern der deutschen Fantasy, die in den letzten Jahren für das meiste Aufsehen gesorgt haben. Sicherlich auch als Reaktion auf den Erfolg von Stan Nicholls’ Die Orks hat sich Hennen das wohl spannendste und sagenumwobenste klassische Fantasy-Volk ausgeguckt: Er schickt den Jarl eines kleinen Menschendorfs zusammen mit zwei Elfen auf eine Odyssee durch die Menschenwelt, die über das Schicksal der Gemeinschaft, die große Liebe der beiden Elfen und die Zukunft der gesamten Elfenwelt entscheidet.

Alles beginnt mit einer Kreatur, die in der Umgebung Firnstayns wütet und der auch Mardred nur knapp entkommen kann. Als er auf der Flucht schwer verletzt in einem Steinkreis zusammenbricht, wacht er wenig später in einer anderen Welt auf – der Albenmark. Hier wird er von einem alten Baumwesen geheilt und kann so vor die Königin der Elfen treten. Da die schreckliche Kreatur, ein Manneber, nur aus der Albenmark gekommen sein kann, fordert er von Emerelle Hilfe bei der Jagd. Diese wird ihm gewährt – allerdings nur zu einem hohen Preis. Sie stellt ihm die beiden Elfenkrieger Nuramon und Farodin an die Seite und schickt mit ihnen eine der sagenumwobenen Elfenjagden in die Menschenwelt. Nach schweren Verlusten gelingt es ihnen, den Manneber in einer Höhle zu stellen und zu töten, doch er hat sie in eine Falle gelockt und besucht in der Gestalt Nuramons die Geliebte der beiden Elfen – Noroelle – und zeugt mit ihr ein Kind. Zur gleichen Zeit sind Mandred und die beiden Elfen in der Höhle gefangen, während die Zeit außerhalb wie im Zeitraffer vergeht. Erst nach mehreren Jahrzehnten werden sie befreit und von Emerelle auf die Spur von Noroelles Sohn gesetzt, der sich als Halbdämon entpuppt.

Mit dessen Tod endet dieses Buch jedoch keineswegs. Es fängt überhaupt erst wirklich an. Die hier schon sehr verkürzt geschilderte Handlung gibt nämlich erst die ersten 250 Seiten dieses Buchs wieder. Den Rest der Zeit begleitet der Leser die drei Jagdgefährten nicht nur auf einer verworrenen Odyssee durch die Menschenwelt, in der die Elfen eine Spur ihrer verbannten Geliebten suchen, sondern auch durch mehrere Jahrhunderte der Geschichte dieses Landes, da bei der Reise auf den Albenpfaden unter Umständen mehrere Jahrzehnte in Augenblicken an unseren Helden vorbei ziehen. So trifft Mandred auf seine Nachfahren und Nuramon lernt seine Vergangenheit auf eine ganz besondere Weise kennen.

Auch wenn ich Die Elfen in nur ein paar Tagen verschlungen habe (bei mehr als 900 Seiten), hinterlässt der Roman bei mir einen zwiespältigen Eindruck: denn obwohl Hennen hier viele spannende Ideen und ein noch spannenderes Volk präsentiert, bleibt sein Roman sehr oberflächlich. Er hetzt die Figuren von einer Action-Szene oder Quest zur nächsten und nimmt sich wenig Zeit, seine Hauptfiguren zu entwickeln und ihre inneren Konflikte aufzuzeigen: Weder thematisiert er Mandreds Reaktion darauf, einem Nachfahren in elfter Generation zu begegnen noch schildert er Nuramons 50 Jahre in der Menschenstadt Firnstayn. Stattdessen versteckt er Phasen, die für die Entwicklung der Figuren zentral sind, in kurzen Chroniken oder Legendenerzählungen. An sich ein cleverer Schachzug, um nicht jede der langen Reisen durch die Menschenwelt im Detail schildern zu müssen, aber eben auch eine vergebene Chance.

Insgesamt stellen sich die Figuren in meinen Augen zu sehr in den Dienst der Handlung und wollen praktischerweise immer genau das, was sie an den nächsten Ort bringt, den sich Hennen ausgedacht hat. Auch der Weltenbau erstreckt sich selten über mehr, als in der beschriebenen Situation notwendig und erinnert mich damit doch sehr an rollenspiel-basierte Questromane. Und tatsächlich hat Hennen im Rahmen des schwarzen Auges auch bereits einige Rollenspielromane und -abenteuer veröffentlicht.

Mich hat auch sehr gewundert, dass die Elfen zwar dem Titel nach im Zentrum des Romans stehen müssten, dass der Großteil der Handlung sich jedoch in der Menschenwelt abspielt. Auch die Geschichte und Kultur der Elfenwelt schimmert immer nur implizit durch und bleibt damit in weiten Teilen im Verborgenen. Es scheint fast so, als hätte Hennen in erster Linie diese konkrete Geschichte erzählen wollen und sich dann einen Rahmen gesucht, mit dem sie sich besser verkaufen lässt. Ein schönes Indiz für den Feigenblatt-Charakter der Elfen in diesem Roman ist die Karte der Albenmarkt, die auf der ersten Seite des Buchs abgedruckt ist: Sie zeigt die Position der knapp 10 Handlungsorte in der Albenmark, die mehr oder weniger an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Eine Karte der Menschenwelt, in der die Figuren sich hauptsächlich bewegen und von der uns Hennen bestimmt 40 oder 50 Handlungsorte zeigt, findet sich jedoch überhaupt keine Karte. Für Elfen-Fans ist Die Elfen damit leider schon fast eine Mogelpackung.

Ich kann nicht verhehlen, dass ich ein großer Fan von Andreas Eschbachs Büchern bin. Umso mehr freut es mich, dass dieses Jahr nicht nur endlich die Taschenbuch-Ausgabe von Ein König für Deutschland erscheint, sondern am 16. September sein neuer Roman Herr aller Dinge als Hardcover (beide bei Bastei Lübbe). Eine Hörbuchversion, gelesen von Matthias Koeberlin, wird anscheinend zeitgleich erscheinen. Hier ist die Inhaltsangabe des Verlags:

Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters, und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Als er und Charlotte sich Jahre später wieder begegnen, sieht er dies als Zeichen des Himmels, dass sie beide schicksalhaft miteinander verbunden sind. Er beschließt, seine Idee umzusetzen und die Welt in einem Maße zu verändern, wie dies noch nie zuvor jemand versucht hat – denn nur so, sagt er sich, wird er Charlottes Liebe gewinnen. Er ahnt nicht, worauf er sich einlässt. Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn auf die Spur eines uralten Geheimnisses: Es hat schon einmal eine hoch entwickelte Zivilisation gegeben – und sie hat das schrecklichste Verbrechen des Universums begangen …

Auf den ersten Blick klingt das Ganze ein wenig nach Eine Billion Dollar, die letzten Sätze lassen jedoch auch ein wenig Das Jesus Video durchscheinen und vielleicht gibt es ja sogar mal wieder ein wenig mehr Science-Fiction von ihm. Lassen wir uns überraschen.

Bleibt zu hoffen, dass Eschbach sein Versprechen wahr macht, in absehbarer Zeit eine Leseprobe zu veröffentlichen.