Herzlich Willkommen auf der kritischen Seite!
Hier sammle ich Buchkritiken und Berichte aus allen Genres. Wenn dir meine Artikel gefallen, kannst du dich per RSS, E-Mail oder Twitter über neue Beiträge informieren lassen.
Dein Nils
We must go tell our version of it now. Today. When the court goes to bed tonight, it’s our story they have to whisper to their pillows. Wait until opinion is set, and it will be a hundred times harder to change.
- Wirtschaftsleben in einem klassischen Fantasy-Setting
- Extrem realistisch wirkende Welt
- Starke Charaktere
Epische Fantasy spielt normalerweise in einer Welt, die an unser Mittelalter angelehnt ist und auch Daniel Abraham greift im ersten Buch seines neuen Zyklus The Dagger and the Coin viele klassische Elemente auf: Länder, die von Königen regiert werden, Kriege um deren Nachfolge, Intrigen innerhalb des Adels und ein junger Thronfolger. Daneben bindet Abraham jedoch auch ein Thema ein, das mir in dieser Form noch nicht einem Fantasy-Roman untergekommen ist: das Bankwesen. So ist die junge Cithrin eine der Hauptfiguren, die das Vermögen einer Bank vor der nahenden Invasionsarmee aus der Stadt Vanai herausschmuggeln soll. Selbstverständlich erreicht sie ihr Ziel nicht, sie findet jedoch eine clevere aber riskante Möglichkeit, das Geld für die Bank zu sichern.
Abraham erzählt die Geschichte seiner Welt aus der Perspektive von vier Figuren: der Waisen Cithrin und des Söldners Marcus Wester auf der einen Seite, sowie Dawson Kalliams, eines Adeligen des Königreichs Antea, und Geder Palliakos, eines etwas einfältigen Adeligen, Soldaten und Armeeführers auf der anderen. Beide Handlungsstränge entwickeln sich parallel zueinander, vermischen sich jedoch nur an wenigen Stellen. Trotzdem wirken sich die Ereignisse des einen Handlungsstrangs immer wieder auf den anderen aus: insbesondere der anteanische Feldzug gegen die freie Stadt Vanai spielt hier eine wichtige verknüpfende Rolle. Gegen Ende driften beide Stränge dann jedoch ein wenig auseinander.
The Dragon’s Path hat mir außerordentlich gut gefallen. Scheint es auf den ersten Blick klassische epische Fantasy zu sein, bringt der Wirtschaftsaspekt eine ganz neue Seite zum Vorschein. Zudem gelingt es Abraham auf hervorragende Weise, die Welt zum Leben zu erwecken, sodass man phasenweise eher das Gefühl hat, einen historischen Roman zu lesen, als eine Fantasy-Geschichte. Gerade die politischen Intrigen und wirtschaftlichen Überlegungen wirken, als wären sie geradewege der Geschichte entnommen. Sie werden präzise beobachtet und äußerst spannend beschrieben. Auch die Figuren wirken in jeder Situation glaubwürdig und scharf gezeichnet. Lediglich Cithrin scheint mir ein wenig zu schnell zwischen verschüchtertem Mädchen und tougher Geschäftsfrau hin und her zu wechseln.
Für alle, die den Roman schon gelesen haben und bis zum zweiten Teil die Handlung nicht vergessen wollen, habe ich den Handlungsverlauf von The Dragon’s Path mal in einem Diagramm zusammengefasst (Achtung: Spoiler!).
Wirtschaftsleben in einem klassischen Fantasy-Setting
Extrem realistisch wirkende Welt
Starke Charaktere
Im Rahmen ihrer Lesetour durch Deutschland im Juni hatte ich die Gelegenheit, mich mit der autralischen Autorin Trudi Canavan über ihre Bücher und australische Fantasy zu unterhalten. Hier ist der erste Teil unseres Gesprächs:
In Interviews erzählen Sie gerne die Geschichte, wie Sie ein Bericht über die Olympischen Spiele in Barcelona 1992 zu Ihrer ersten Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier inspiriert hat. Was war der Auslöser für den aktuellen Zyklus?
Als ich Die Gilde der schwarzen Magier fertig geschrieben habe, hatte ich zehn Jahre daran gearbeitet: Von der Olympiade 1992 bis ich 2002 das dritte Buch mit den letzten Korrekturen an den Verlag gesandt habe. Danach war ich diese Welt und diese Bücher erstmal leid. Ich wollte auch die Figuren nicht mehr sehen und habe geschworen, niemals wieder über Kyralia zu schreiben. Aber ich hatte mir schon eine kleine Idee für einen möglichen Nachfolger notiert und den Gedanken, dass der sachakanische Krieg und die Entstehung der Gilde wirklich gute Themen für einen Roman bieten würden. Nachdem ich dann vier oder fünf Jahre an Das Zeitalter der Fünf gearbeitet hatte, fand ich den Gedanken, nach Kyralia zurückzukehren nicht mehr so schlimm und hatte eine andere Idee für eine neue Reihe, die aber noch nicht ausgereift genug war. Dann habe ich mir nochmal die Ideen für den Vorgänger und den Nachfolger von Die Gilde der schwarzen Magier angeschaut und mich entschieden, die auszubauen. Den Verlagen hat diese Idee dann sehr gut gefallen.
Was war denn diese erste Idee?
Es war die Idee der Verräter-Gemeinde und von Savara, die Cery besucht – zwar aus Sachaka, aber aus einer anderen, geheimen Gesellschaft. Das war nicht nicht sonderlich ausgearbeitet – so lebten sie beispielsweise noch nicht in den Bergen. Sie waren auch noch keine weiblich dominierte Gesellschaft, das kam erst als ich ein paar Bücher mit weiblich dominierten Gesellschaften gelesen hatte, zum Beispiel von Alistair Reynolds. Das ist für mich auch weder eine utopische noch eine dystopische Idee. Es würde nicht perfekt funktionieren, denn jede Gesellschaft, jedes politische System, jede Kultur hat Mängel. Das macht sie ja überhaupt erst interessant. Für den Vorgänger hatte ich schon einen großen Teil der Geschichte im Kopf und habe dann gemerkt, dass es nicht für drei Bücher reichen würde, wohl aber für ein dickes.
Beim Lesen Ihrer Bücher hatte ich das Gefühl, dass Ihre erste Reihe eher auf jüngere Leser abgezielt hat und erst die anschließenden auf ein älteres Publikum. Steckte da ein Plan hinter?
Ich habe damals auf keinen bestimmten Markt gezielt, bin aber nicht auf die Idee gekommen, dass man die Bücher auch als YA einordnen könnte. Aber als mein britischer Verlag eine YA-Ausgabe herausgegeben hat, war das vollkommen logisch. Da habe ich dann auch gemerkt, dass einige der Dinge, die ich geschrieben hatte, diesen Schluss nahelegen: Ich hatte zum Beispiel keine Sex-Szenen in den Büchern, in erster Linie weil ich mir nicht sicher war, dass ich sie gut hätte schreiben können. Dann wird das automatisch wesentlich zugänglicher für jüngere Leser. Und dann gab es auch noch eine junge Hauptfigur. Ich habe dann entschieden, dass die nächste Serie eher für ältere Leser sein wird. Ich habe mir dann überlegt, was ich dafür tun muss und als erstes eine ältere Hauptfigur genommen, Auraya ist Mitte zwanzig. Dann wollte ich noch einfach ein wenig Sex, Drogen und Gewalt einbauen. Mittlerweile muss man aber so unglaublich brutal sein, um jüngere Leser abzuschrecken, dass ich das dann noch nicht gemacht habe. Drogen hingegen würden das Buch zu einem Problembuch machen, was ich auch nicht wollte. Da blieb dann nur noch Sex und so habe ich in jedes der drei Bücher eine Sex-Szene eingebaut. Nicht besonders detaillierte Szenen, aber sie waren da. Wenn Eltern wissen wollen, ob das Buch für ihre Kinder geeignet ist, sollen sie dann einfach den Anfang von Kapitel 20 des ersten Buches lesen und können das dann selbst einschätzen.
Ist das auch der Grund für die auffallend vielen homosexuellen Figuren in Sonea – Die Heilerin?
Nicht wirklich. Ich musste natürlich Dannyl als bereits bekannte schwule Figur wieder in die Handlung einbeziehen und um ihn in einen Konflikt zu stürzen, brauchte ich mehr schwule Figuren: Das ist auf der einen Seite sein Ex und dann eine neue Figur – und schon haben wir diese interessante Dreiecksgeschichte. Dann haben mich im Laufe der Zeit viele Leser gefragt, warum es denn keine lesbischen Figuren gebe und ich hab mir gedacht “warum nicht?”. Als ich dann eine gute Idee für eine entsprechende Handlung hatte, habe ich das eingebaut und so hat gerade dieses Buch eine recht große Zahl von solchen Figuren. Ich habe darauf auch schon einige spannende Reaktionen bekommen: Einigen Lesern fällt das überhaupt nicht auf, während andere mich fragten, ob ich das wirklich machen wollte. Ich habe mir das dann nochmal angeschaut und gesehen, dass ich es nicht übertrieben habe. Im nächsten Buch wird Lilia auch nicht mehr eine so große Rolle spielen, weil ihre Handlungslinie jetzt weitestgehend abgeschlossen ist. Denn ich vermeide es eigentlich, ein Thema aufzugreifen, nur um das Thema aufzugreifen. Für mich war es an dieser Stelle besonders wichtig, es bewusst nicht groß zu thematisieren (“the point was to not make a point”). Es sollte einfach ein Teil der Welt sein. Wenn die Magie in der Welt zu real wie nur möglich erscheinen soll, muss auch alles andere in der Welt möglichst real erscheinen.
Im zweiten Teil spreche ich mit Trudi Canavan darüber, wie sie den Hintergrund ihrer Welten entwickelt und die australische Fantasy-Landschaft – natürlich mit einigen spannenden Buchtipps.
Im Rahmen ihrer Lesetour durch Deutschland im Juni hatte ich die Gelegenheit, mich mit der autralischen Autorin !a-Trudi Canavan-a! über ihre Bücher und australische Fantasy zu unterhalten. Hier ist der erste Teil unseres Gesprächs:
In Interviews erzählen Sie gerne die Geschichte, wie Sie ein Bericht über die Olympischen Spiele in Barcelona 1992 zu Ihrer ersten ...
"Wenn man in einem abstürzenden Flugzeug sitzt, nützt Anschnallen auch nichts mehr, Herr Komatsu."
"Aber es beruhigt."
1Q84, Teil 1
Sonstige
(Dumont 2010, 1021 Seiten, 9783832195878)
- Typischer Murakami
- Unsere Welt, (fast) wie wir sie kennen
- Lang, aber keineswegs weilig
So einfach kann’s gehen: Da geht man nichts ahnend eine Rettungstreppe von der Stadtautobahn herunter und befindet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Auf den ersten Blick erkennt man den Unterschied zwar nicht, doch die Polizisten sind auf einmal schwer bewaffnet und am der Mond am Himmel hat einen grünlich schimmernden Zwilling bekommen. Gleichzeitig bekommt der talentierte Schriftsteller Tengo ein Manuskript von seinem Verleger, das ihn nahezu magisch anzieht. Es ist die Geschichte einer blinden Ziege, den “little people” und der Puppe aus Luft – erzählt von einer wortkargen und emotionslosen Siebzehnjährigen.
Die Kurzbeschreibung verrät schon, dass 1Q84 mal wieder ein typischer Murakami ist: schräge Figuren und das Unwirkliche, das in ihren Alltag eindringt, sind seit jeher das Metier des japanischen Autors. Er nimmt sich Menschen, die zumeist einsam am Rand der Gesellschaft stehen, und schickt sie von einer Merkwürdigkeit in die nächste. Dabei fragt man sich immer wieder, welchen Sinn das eigentlich haben soll, was Murakami hier gerade verzapft und bleibt dann doch wie gefesselt an den Seiten hängen. Dabei ist sein Schreibstil eigentlich weder besonders einnehmend noch spannungsgeladen oder emotional. Sachlich, nüchtern und mit einem hintergründigen Humor schildert er die seltsamsten Gegebenheiten. Auch seine Figuren nehmen die Merkwürdigkeiten um sich herum erstaunlich gelassen hin und arrangieren sich mit ihnen. Als Leser stockte ich immer wieder überrascht über die Gleichmütigkeit, die die Figuren dem Zusammenbrechen ihrer Welt entgegenbringen.
Da diese Ausgabe nur den ersten und den zweiten Teil einer Trilogie enthält, fällt das Ende entsprechend offen aus.
Typischer Murakami
Unsere Welt, (fast) wie wir sie kennen
Lang, aber keineswegs weilig
Nach einer alten sachakanischen Tradition, an deren Ursprung sich niemand mehr erinnern konnte, galt der Aspekt des Sommers als männlich, der des Winters als weiblich.
- Lebendige und gut ausgestaltete Welt
- Schnell und schnörkellos, aber manchmal etwas oberflächlich
- Für Kenner der Serie recht vorhersehbar und ohne große Überraschungen
Die Welt von Kyralia kennen wir aus den Büchern von Trudi Canavan schon seit einigen Jahren: Mit der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier, der Vorgeschichte in Magie und dem aktuellen Sonea-Zyklus hat die australische Autorin sicherlich eine der aktuell bekanntesten und beliebtesten Fantasy-Welten geschaffen. Auch ich habe mich dem Sog ihrer Bücher nicht verschließen können und mich dementsprechend gefreut, als ich das Rezensionsexemplar zu Sonea – Die Heilerin im Briefkasten hatte. Dann hatte ich letzte Woche auch noch die Gelegenheit, Trudi Canavan nicht nur auf einer Lesung live zu erleben, sondern auch ein ausführliches Interview mit ihr zu führen. Aber zu dem Interview komme ich später, jetzt geht es erstmal um ihr aktuelles Buch:
Keinen Leser des ersten Bandes wird es überraschen, dass Canavan die Handlung nahtlos fortsetzt. Sonea ist in Imardin immer noch auf der Jagd nach dem wilden Magier und Dieb Skellin und kämpft mit den Auswirkungen der beliebten Droge Fäule. Ihr Sohn Lorkin hält sich währenddessen in der geheimen Heimat der abtrünnigen Sachakaner in den Bergen auf und versucht, hinter das Geheimnis der magischen Steine zu kommen. Auch bei ihrem Erzähl- und Schreibstil bleibt sich Canavan treu: schnell und schnörkellos, ohne sich mit langen Erklärungen oder Beschreibungen aufzuhalten. Trotzdem habe ich die Welt schon immer als lebendig und glaubwürdig empfunden – wahrscheinlich ein Resultat der vielen Arbeit, die sich die Autorin hinter den Kulissen mit ihrem Weltenbau macht.
Trotzdem habe ich so langsam das Gefühl, dass sich die Welt Kyralia und der Stil Canavans in diesen Büchern so langsam ein wenig abnutzt. Man kennt die Figuren und die Welt mittlerweile so gut, dass viele Wendungen in der Handlung vorhersehbar werden. Auch reißt Canavan viele spannende Themen zwar an, arbeitet sie dann aber nicht wirklich auf. So böten beispielsweise die moralischen Ambiguitäten der Heilung mit Magie, das Spannungsverhältnis zwischen erlaubtem und verbotenen Wissen oder die in Kyralia anscheinend offen gelebte Homosexualität viele spannende Anknüpfungspunkte für Dialoge, Gedankenspiele oder Handlungsstränge, die die Autorin jedoch nicht weiter verfolgt.
Dabei ist gerade die extrem hohe Anzahl von Figuren mit zumindest homosexuellen Tendenzen oder Gedanken für einen Fantasy-Roman sehr ungewöhnlich: vielleicht ein Drittel der zentralen Charaktere lebt diese an irgendeiner Stelle des Buches auch aus. Nicht, dass es mich stören würde, es wird für mich damit jedoch zu einem wichtigen Element der Handlung, über dessen gesellschaftlichen Kontext man leider zu wenig erfährt. Natürlich habe ich die Autorin darauf in dem Interview auch angesprochen und sie wollte dies als Statement darüber verstanden wissen, dass Homosexualität in Kyralia eben nicht groß thematisiert, sondern einfach gelebt wird. Die hohe Konzentration in ihrer Geschichte ergab sich daraus, dass sie einen als schwul eingeführten Charakter in eine Dreiecksgeschichte laufen lassen wollte und sich einige Leser beschwert hätten, es gäbe nur schwule und keine lesbischen Figuren.
Wie dem auch sei, Sonea – Die Heilerin ist ein weiterer lesenswerter Roman aus Australien und erweitert das Panorama der Welt Kyralia um einige spannende Aspekte.
Lebendige und gut ausgestaltete Welt
Schnell und schnörkellos, aber manchmal etwas oberflächlich
Für Kenner der Serie recht vorhersehbar und ohne große Überraschungen
Elinn konnte mit einem Raumanzug umgehen. Normalerweise. Niemand wurde auf dem Mars geboren und dreizehn Jahre alt, ohne mit einem Raumanzu umgehen zu können. Aber in diesem Moment hatte sie alles vergessen. Alle Vorsicht, und vor allem die Zeit die verging und ihren Sauerstoffvorrat verringerte.
- TKKG im Weltall
- Spannende Geschichte mit Anspruch (auch für Erwachsene)
- Etwas oberflächliche Charaktere
- Handlung zum Ende hin etwas unlogisch
Da es wohl noch bis zum Herbst dauert, bis endlich der neue Roman von Andreas Eschbach erscheint, habe ich mir jetzt einfach mal seine Jugenbuchreihe Das Marsprojekt vorgenommen.
Deren erster Band Das blaue Leuchten handelt von den vier Jugendlichen, die auf einer irdischen Marssiedlung geboren wurden und aufgewachsen sind. Der staubige und kahle Planet ist ihre einzige Heimat und so sind sie erschüttert, als eine Nachricht von der Erde verkündet, die Siedlung werde geschlossen und die Sieder müssten zu Erde zurückkehren. Die Kinder wollen den Verlust ihrer Heimat jedoch nicht hinnehmen und versuchen, die Schließung mit allen Mitteln zu verhindern. Als dann klar wird, dass eine von ihnen, Elinn, auf der Erde nicht überleben könnte, setzen sie alles auf eine Karte.
Das blaue Leuchen scheint nicht nur auf den ersten Blick ein wenig wie TKKG im Weltraum: Die vier Jugendlichen wollen sich nicht wie die Erwachsenen in ihr Schicksal ergeben, sondern ermitteln die Hintergründe der Schließung der Siedlung und versuchen sie mit allen Mitteln zu verhindern. Während sich der ferne Gegner in der Figur des Stationsvorstehers materialisiert, stehen ihnen andere Erwachsene wie ein irdischer Journalist, ein Medizin-Nobelpreisträger und der Stationsarzt helfend zur Seite.
Die Erzählung ist, wie von Eschbach nicht anders gewohnt, stringent und schnell. Dabei vergisst er aber nicht, der Handlung auch Anspruch und eine gewisse Tiefe zu verpassen. Leider bleibt die Schilderung der Figuren – ihrer Gefühle und Gedanken – ein wenig auf der Strecke. Untypischerweise wird auch die Handlung gegen Ende des Romans ein wenig unlogisch, hier hätte ich mir mehr Feinschliff gewünscht.
TKKG im Weltall
Spannende Geschichte mit Anspruch (auch für Erwachsene)
Etwas oberflächliche Charaktere
Handlung zum Ende hin etwas unlogisch
My life fell apart when I was sixteen. Papa died. He had such a strong heart, yet he died. Was it the heat and smoke from his blacksmithing shop? It’s true that nothing could take him from his work, his art. He loved to make the metal bend, to obey him. But his work only seemed to strengthen him; he was so happy in his shop. So what was it that killed him? To this day I can’t be sure. I hope it had nothing to do with me or what I did back then.
Ein äußerst innovatives, spannendes und auch lesenswertes Buch, das viele aktuelle Themen aufgreift, dem aber ein wenig die erzählerische Dichte und Atmosphäre fehlt.
Onyesonwu ist kein normales Mädchen. Sie ist eine Ewu – die Tochter einer Okeke und eines Nuru – und damit das Ergebnis einer Vergewaltigung. Die Nuru sind ein kriegerisches Volk und erfüllen eine im “großen Buch” festgeschriebene Aufgabe: die Vernichtung der Okeke. Und so ziehen sie brandschatzend, mordend und vergewaltigend durch den Westen. Onyesonwus Mutter gelingt es nach der Vergewaltigung, in die Wüste zu fliehen und so wächst das Mädchen in der heißen und wasserlosen Einöde auf. Erst nach einigen Jahren ziehen die beiden nach Jwahir, einer Stadt im Osten, die bislang von den Nuru verschont wurde. Dort ist Onyesonwu jedoch durch ihre Hautfarbe als Ewu stigmatisiert, denen in den Köpfen der Menschen ein Leben voller Gewalt und Grausamkeit vorherbestimmt ist. So findet sie ihre ersten Freunde in Binta, Luyu und Diti, mit denen sie sich dem “Ritual des elften Geburtstags” unterwirft – der weiblichen Beschneidung. In derselben Zeit lernt sie auch Mwita kennen, einen Ewu-Jungen, der sie von Anfang an fasziniert.
Doch Onyesonwu ist nicht nur als Ewu anders als die Anderen. Noch vor ihrem elften Geburtstag stellt sie fest, dass sie sich in einen Geier verwandeln kann und auch in einen Spatz. Sie ist eine Gestaltwandlerin. Während ihrer Beschneidung zeigen ihr ihre magischen Kräfte zudem, dass sie von einem mächtigen Zauberer beobachtet wird, der ihr nach dem Leben trachtet. Um sich gegen den Angreifer verteidigen zu können, sucht sie den Zauberer Aro auf und bittet ihn, sie zu unterrichten. Er lehnt dies jedoch zuerst ab, weil er keine Mädchen unterrichtet. Erst später erklärt er sich dazu bereit, ihr dabei zu helfen, die Kontrolle über ihre Kräfte zu gewinnen. Als sie dann feststellt, dass der mächtige Zauberer, der ihr Leben bedroht, ihr leiblicher Vater ist, macht sie sich zusammen mit Luyu, Binta, Diti und Mwita auf den Weg durch die Wüste um ihm entgegenzutreten. Dabei lernt sie immer mehr über die Kräfte, ihre Geschichte und die Geschichte des “großen Buchs”, die nur sie neu schreiben kann.
Von Who Fears Death bin ich hin und her gerissen: Das Buch ähnelt keinem Fantasy- oder Science-Fiction-Buch, das ich bisher gelesen habe. Das Setting in einem dystopischen Afrika der unbestimmten Zukunft ist äußerst ungewöhnlich und Okorafor versteht es hervorragend, es mit einer Mischung aus Fantasy-Elementen und afrikanischer Mythologie zum Leben zu erwecken. Mit der weiblichen Beschneidung, der Stellung der Frau in der afrikanischen Gesellschaft und dem Genozid der Nuru an den Okeke spricht sie zudem drei äußerst aktuelle Themen an, die das Leben in Afrika nach wie vor prägen. Daher wird es nicht umsonst von der amerikanischen Kritik mit Lob überschüttet und ist unter anderem für den Nebula Award 2010 nominiert.
Auf der anderen Seite hat es Okorafor trotz aller Dramatik, Tragik, Aktualität und Brutalität nicht geschafft, mich wirklich in die Geschichte hineinzuziehen. Vielleicht lag es daran, dass 300 Seiten nicht gerade viel dafür sind, den Leser mit einer vollkommen fremden Welt vertraut zu machen, für die Hauptfiguren einzunehmen, drei wichtige aktuelle Probleme aufzugreifen und der Entwicklung der Charaktere und der Handlung genug Platz einzuräumen. Vielleicht aber auch daran, dass mir gerade im ersten Teil das Thema “Stellung der Frau” ein wenig zu offensiv in den Mittelpunkt gerückt wurde. Auch fehlen mir Hinweise auf den weiteren Kontext und die Geschichte der Welt in der sich Onyesonwu und ihre Gefährten bewegen. Man erfährt wenig mehr, als dass es sich um eine Zukunft handelt, in der nur noch wenig Technik existiert.
Ein äußerst innovatives, spannendes und auch lesenswertes Buch, das viele aktuelle Themen aufgreift, dem aber ein wenig die erzählerische Dichte und Atmosphäre fehlt.
1986 erschienen mit Borderland und Bordertown zwei Bände, in denen der Grundstein für eine der aktuell spannendsten Welten gelegt, in denen mehrere Autoren ihre Geschichten erzählen: Bordertown ist die Stadt an der Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Elfen. Hier treffen nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander, sondern auch Glücksritter, Flüchtlinge, Geschäftsleute und Abenteurer. Am Dienstag erscheint nun ein neuer Kurzgeschichtenband aus dieser Welt, in dem die Herausgeber Holly Black und Ellen Kushner so illustre Autoren wie Cory Doctorow, Neil Gaiman und die Schöpferin der Welt Terri Arnold versammelt haben.
Einen vielversprechenden Vorgeschmack auf die Sammlung Welcome to Bordertown bietet die Geschichte von Cory Doctorow, Shannon’s Law, die man bei Tor.com lesen oder sich bei Escape Pod anhören kann.
1986 erschienen mit !t-Borderland-t! und !t-Bordertown-t! zwei Bände, in denen der Grundstein für eine der aktuell spannendsten Welten gelegt, in denen mehrere Autoren ihre Geschichten erzählen: Bordertown ist die Stadt an der Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Elfen. Hier treffen nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander, sondern auch Glücksritter, Flüchtlinge, Geschäftsleute ...