Nachdem ich in der ersten Folge meines Podcasts erw√§hnt habe, dass ich auch als Fan mittlerweile zahlreiche √§u√üerst gute Science-Fiction- und Fantasy-Podcasts regelm√§√üig auf meinem Handy habe, will ich euch nat√ľrlich nicht vorenthalten, welche das denn sind. Daher gibt es hier von mir jetzt in unregelm√§√üiger Folge Kurzvorstellungen der verschiedenen Podcasts.

Den Anfang macht meine Einstiegsdroge, also¬† der erste Feed, der es in meinen Podcatcher geschafft hat: Mit seinen mittlerweile sechs Jahren geh√∂rt Escape Pod zu den √§lteren Podcasts, die das Netz regelm√§√üig mit gelesenen Kurzgeschichten begl√ľcken. Die erste der mittlerweile mehr als 300 Folgen ver√∂ffentlichte noch Stephen Eley, der das Zepter mittlerweile jedoch an Mur Lafferty √ľbergeben hat, die jetzt jede Woche eine neue Geschichte von bekannten und unbekannten Autoren pr√§sentiert. Die Geschichten bewegen sich innerhalb der engeren Grenzen der Science-Fiction, da Escape Pod Fantasy- und Horror-Stories in zwei weitere Podcasts ausgelagert hat (Podcastle, Pseudopod). Gelesen werden die Geschichten von verschiedenen englischsprachigen Podcastern, die ihre Sache durch die Bank extrem gut machen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sollte sich einfach in das Abenteuer Podcast st√ľrzen. Escape Pod selbst empfielt zum Einstieg die Folgen:

Nachdem ich gestern Gollancz f√ľr seine aktuellen Projekte in den Himmel gelobt habe, ist heute der amerikanische Verlag Tor an der Reihe – einer der wichtigsten Player im Gebiet der Science-Fiction und Fantasy weltweit. Schon deren Website Tor.com platzt vor lauter Neuigkeiten und Aktionen aus allen N√§hten, aber das war den Frauen und Mannen aus New York wohl nicht genug: Am Dienstag ver√∂ffentlichten sie einen Tor Books Sampler, der nicht nur Artikel von zentralen Autoren aus dem Programm von Tor umfasst, sondern auch Ausschnitte aus zahlreichen Romanen zum Probelesen. Mit dabei sind unter anderem Greg Bear, Orson Scott Card und Carrie Vaughn.

Einfach so. Kostenlos. Als PDF und epub. Der einzige kleine Haken: Man muss sich einen Account auf der Tor.com-Webseite zulegen. Aber den sollte jeder Fan us-amerikanischer Science-Fiction oder Fantasy ohnehin schon l√§ngst haben. Hier geht’s lang: Tor Books Sampler

Bitte, liebe deutsche Verlage, habt doch auch mal solche guten Ideen oder kopiert zumindest die aus dem englischsprachigen Raum. Eure Leser werden es euch danken!

Der britische Verlag Gollancz ist in der englischsprachigen Welt nicht nur daf√ľr bekannt, einige der wichtigsten Autoren des Genres zu verlegen (u.a. Patrick Rothfuss, Alastair Reynolds oder Greg Egan), sondern hat sich auch durch die SF-Masterworks-Reihe einen Namen bei Genre-Fans gemacht.

Dieses Jahr startet Gollancz nun mit zwei Initiativen, die zeigen, dass der Verlag im digitalen Zeitalter angekommen ist. Zum einen k√ľndigte der Verlag schon vor ein paar Wochen an, die klassische Encyclopedia of Science Fiction nicht nur neu aufzulegen, sondern eine aktuelle Version kostenlos im Internet verf√ľgbar zu machen. Der Verlag schreibt hierzu:

The first edition of the Encyclopedia, whose founder and general editor was Peter Nicholls, appeared in 1979, and contained over 700,000 words. A second edition, edited by John Clute and Peter Nicholls, appeared in 1993 and contained over 1.3 million words. Both editions won the Hugo Award from the World Science Fiction Convention, in addition to numerous other honours. The beta version of the third edition will contain some 3 million words, including about 12,000 entries and well over 100,000 internal links. The entries cover every area of science fiction, including authors, illustrators, movies, music, games, and fanzines. The text will be completed, through monthly updates, by the end of 2012. (Quelle)

Am Mittwoch gab es dann gleich den zweiten Hammer: Ende September startet eine neuartige Bibliothek mit klassischen Werken der Science-Fiction als eBook:

It will build to 3,000 titles by the end of 2012, and 5,000 or more by 2014. Gollancz‚Äôs Digital Publisher Darren Nash, who joined the company in September 2010 to spearhead the project said, ‚ÄúThe Masterworks series has been extraordinarily successful in republishing one or two key titles by a wide range of authors, but most of those authors had long careers in which they wrote dozens of novels which had fallen out of print. It seemed to us that eBooks would offer the ideal way to make them available again. This realization was the starting point for the SF Gateway.‚ÄĚ Wherever possible, the SF Gateway will offer the complete backlist of the authors included. (Quelle)

Dar√ľberhinaus soll diese Bibliothek mit der Encyclopedia of Science Fiction verkn√ľpft werden und √ľber umfangreiche Community-Funktionen verf√ľgen. Die Liste der Autoren, die vom Beginn an vertreten sein sollen, liest sich entsprechend eindrucksvoll:

  • !a-Marion Zimmer Bradley‚Äďa!
  • !a-Edgar Rice Burroughs‚Äďa!
  • !a-Arthur C Clarke‚Äďa!
  • !a-Philip K Dick‚Äďa!
  • !a-Frank Herbert‚Äďa!
  • !a-James Tiptree, Jr‚Äďa!
  • !a-Robert Silverberg‚Äďa!
  • !a-Kate Wilhelm‚Äďa!
  • !a-Connie Willis‚Äďa!

WOW, WOW, WOW!

Liebe deutsche Verlage: So geht B√ľcher-Verkaufen im Netz!

For the first time in Vali’s life he felt genuinely angry, violent even, and as that emotion touched him he felt a chill go through him. This wasn’t the sort of rage that explodes in fury but an insidious, crawling thing, as present and real as the smell of smoke across a summer meadow.

Wolfskrieger (Wolfsangel)

, Teil 1

(Heyne 2011, 560 Seiten, 9783453526754)

  • Fantasy in nordischem Setting
  • Faszinierende Charaktere und spannende Ideen
  • Zu viel komplexes mythisches Blabla
  • Haben wir nicht alle die tolkienesken Fantasy-Settings satt, die sich an das kontinentaleurop√§ische Mittelalter anlehnen? Die edlen Ritter, armen Bettler und noblen K√∂nige? Wie w√§re es stattdessen mit der eisigen K√§lte, den brutalen Berserkern und der kriegerischen Mythologie des Nordeuropas um die erste Jahrtausendwende? Denn genau hierhin nimmt uns M.D.Lachlan in seinem ersten Roman Wolfkrieger mit.

    Er erz√§hlt die Geschichte der Zwillinge Vali und Feileg, die kurz nach ihrer Geburt aus den Armen ihrer Mutter geraubt und dann getrennt werden. W√§hrend Vali als Sohn des K√∂nigs Authun in bescheidenem Wohlstand aufw√§chst und zu einem ruchlosen Krieger erzogen werden soll, √ľbergibt Authun Feileg an eine Gruppe Hexen, die den Jungen als Wolfsmensch aufwachsen lassen. Als Vali sich dann wenig standesgem√§√ü in die Bauerntochter Adisla verliebt, wird er, um seine M√§nnlichkeit zu beweisen, auf eine Jagd geschickt, die die beiden Br√ľder wieder zusammen und in ein gemeinsames Abenteuer f√ľhrt.

    Auch wenn in Wolfskrieger ein Werwolf die Hauptrolle spielt, haben wir hier keinen weiteren Vertreter des √ľberstrapazierten Romantasy-Genres, sondern einen Fantasyroman der h√§rteren und dunkleren Sorte. Die Welt ist rau und kalt, beherrscht von dem Glauben an den kriegerischen Gott Odin und seine nicht weniger kriegerischen Verwandten. Die verschiedenen St√§mme befinden sich in einem st√§ndigen Kampf um die Vorherrschaft in ihrer Region. Dabei stellen pl√∂tzliche und brutale √úberf√§lle auf feindliche D√∂rfer mit Hilfe von Berserker-S√∂ldnern das Mittel der Wahl dar.

    In dieser plastischen und glaubw√ľrdigen Welt schafft Lachlan ebensolche Figuren und Charaktere. Dabei arbeitet er insbesondere heraus, wie sich Vali nie so wirklich mit dem Gebaren seiner Leute im Kampf anfreunden kann, bei denen Kraft √ľber geschickte Planung und cleveres Taktieren steht. Er scheint nicht so ganz in seine Welt zu passen. Auch Feileg und Adisla bleiben ambivalente Figuren, die mit ihrer Natur und ihrem gesellschaftlichen Status hadern.

    Diese St√§rken kann der Roman insbesondere in seinem zweiten Viertel ausspielen, in dem der Autor langsam auf einen entscheidenden Wendepunkt in der Handlung zusteuert und die Figuren ausf√ľhrlich einf√ľhrt. Die Hinf√ľhrung zu diesem Abschnitt, das erste Viertel, macht es dem Leser jedoch ein wenig schwer, sich in die Welt einzufinden – zu viele unbekannte Figuren und G√∂tter treten hier auf. Auch die zweite H√§lfte des Romans hat mich nur beschr√§nkt √ľberzeugt: Zwar ist es √§u√üerst spannend, wie Lachlan aus einer mir weitestgehend unbekannten Mythologie eine Handlung entwickelt, jedoch driftet der Roman mir zu oft in komplizierte Erl√§uterung der Zusammenh√§nge zwischen mythischen Wesen und Vali, Feileg sowie Adisla ab. Dabei bleiben nicht nur die Figuren auf der Strecke, sondern leider f√ľr mich auch des √Ėfteren die Spannung.

    Nichtsdestotrotz ist Wolfskrieger meist spannend zu lesen und bietet interessante Einblicke in die nordische Mythologie. Wenn es dem Autor jetzt noch gelingt, die Handlung etwas weltlicher zu entwickeln und seine F√§higkeit, Charaktere und ihre Gef√ľhle zu entwickeln, √ľber das ganze Buch hinweg zu zeigen, freue ich mich auf den Nachfolgeband Fenrir. Dieser spielt einige Zeit sp√§ter, in der die Vikinger Paris belagern und erscheint morgen (21. Juli 2011) als englisches Hardcover .

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich meine Begeisterung √ľber das Buch Die Entdeckung des Hugo Cabret kundgetan habe. Umso mehr habe ich mich gefreut, als mich @Cynx gerade auf den neuen Film von Martin Scorsese aufmerksam gemacht hat: Hugo – wie der Name schon sagt, eine Verfilmung des Buchs von Brian Selznick. Hier ist dann auch gleich der Trailer:

(Via Clockworker)

Nach dem Trailer bin ich ein wenig hin und her gerissen: Einerseits sieht das ganze sehr gut gemacht und sehr eindrucksvoll gefilmt aus, andererseits habe ich ein wenig das Gef√ľhl, das der Film den Charme des Buches nicht ausreichend erfassen kann. Durch seine detaillierten und unglaublich atmosph√§rischen Kohlezeichnungen und deren filmische Dramaturgie war das Buch selbst schon in gewisser Weise ein gedruckter Kinofilm und damit eigentlich auch eine sehr konkrete Vorlage f√ľr einen echten Film, von der sich Scorsese leider deutlich zu entfernen scheint.

Das √§ndert aber nichts daran, dass ich mir den Film auf jeden Fall anschauen werde – zumindest wenn ich ein Kino finde, das diesen 3D-Schei√ü nicht mitmacht…

Mehr √ľber das Buch k√∂nnt ihr auf dessen Homepage erfahren. Mittlerweile gibt es da auch eine Vorschau auf das n√§chste Buch des Autors: Wonderstruck.

Anstatt neue Rezensionen und Artikel zu schreiben, habe ich die letzten beiden Wochen an einer Erweiterung der kritischen Seite gearbeitet: einem begleitenden Podcast. Darin pr√§sentiere ich euch die B√ľcher, die ich auf der Webseite schon vorgestellt habe, noch einmal etwas anders und stelle euch zudem noch einige spannende Kurzgeschichten vor. Sicherlich wird auch mal das ein oder andere Thema seinen Weg in den Podcast finden.

Auch wenn die erste Folge in erster Linie ein Experiment sein soll, hoffe ich doch, euch ab jetzt mehr oder weniger monatlich meine Reiseberichte aus zuk√ľnftigen, vergangenen und fremden Welten pr√§sentieren zu k√∂nnen. Sobald ich das technisch hinbekomme, k√∂nnt ihr diesen dann nat√ľrlich auch abonnieren. Ihr k√∂nnt den Podcast auch abonnieren.

Und da ihr jetzt h√∂ren und nicht lesen sollt: Hier ist der Podcast. F√ľr Anmerkungen, Lob und Kritik nutzt einfach die Kommentare…

Shownotes

Hier sind nochmal alle B√ľcher, Geschichten und Autoren √ľbersichtlich zusammengefasst:

Ein Aerostat brummte in der Ferne, umtanzt von winzigen Punkten, gefl√ľgelten Gestalten, die sich in seinem Kielwasser tummelten, wie Defline um einen Wal, w√§hrend im Vordergrund ein weiterer Zug dahinschoss - unterwegs in das Zentrum von New Crobuzon, den Knoten architektonischen Gewebes, wo die Lebensadern der Stadt sich verkn√ľpften, wo die Gleistrossen der Miliz von dem Spike ausgehend sternf√∂rmig ihr Netz spannten, und die f√ľnf gro√üen Bahnlinien der Stadtan ihrem Dreh- und Angelpunkt zusammenliefen, dem d√ľster gescheckten Bollwerk aus ru√ügeschw√§rztem Backsteinund rauem Beton und Holz und Stahl und Stein, dem mit vielen M√§ulern g√§hnenden Kolossalbau im vulg√§ren Herzen der Stadt: Perdido Street Station.

  • Irgendwo zwischen Steampunk, Biopunk und klassischer Science-Fiction
  • Beeindruckende und bedr√ľckende Welt
  • Langsame Handlung und blasse Figuren

New Crobuzon ist sicherlich keine Stadt, in der ich gerne leben w√ľrde: Hier leben knapp 100 Millionen Einwohner in einem historisch gewachsenen Moloch. Die Menschen teilen sich die Stadt mit zahlreichen anderen V√∂lkern, wie den Kaktusmenschen oder den k√§ferartigen Kephri, deren Weibchen einen menschlichen K√∂rper besitzen, aber anstelle des Kopfes einen K√§ferleib. Dann sind da auch noch die Remade, chirurgisch und thaumaturgisch ver√§nderte Menschen, die entweder f√ľr eine bestimmte Aufgabe optimiert oder f√ľr Verbrechen grausam bestraft wurden.

Normalerweise fasse ich ja an dieser Stelle die Handlung des Romans zusammen und nicht seine Welt, aber in Die Falter gibt es nur einen Hauptdarsteller: New Crobuzon. So spannend und faszinierend diese Stadt ist, vernachl√§ssigt Mi√©ville vor lauter Beschreibungen und atmosph√§rischer Ausf√ľhrungen die Handlung und die Charaktere str√§flich. W√§hrend der Moloch und die steampunk-inspirierte Welt den Leser fesseln k√∂nnen, schleppt sich die Handlung langsam vor sich hin und gewinnt erst gegen Ende der gut 550 Seiten an Spannung, die sich dann jedoch nicht in einem gro√üen Showdown entladen kann.

Dies liegt in erster Linie daran, dass Die Falter lediglich der erste Teil des Romans Perdido Street Station ist, der in der deutschen √úbersetzung zweigeteilt wurde und erst mit Der Weber seinen Abschluss findet. Aber wer ein halbes Buch ver√∂ffentlicht, sollte sich nicht beschweren, wenn es dann auch als solches bewertet wird. Dem Autor bleibt jedoch in meinen Augen immer noch vorzuwerfen, dass er sich zu viele Gedanken um seine Welt und zu wenige um die Handlung und seine Figuren gemacht hat. Auch die Sprache ist in der √úbersetzung sehr verschwurbelt und nicht immer einfach zu lesen, ich wei√ü aber nicht, ob das f√ľr die englische Version genauso gilt. Schade, diese Welt h√§tte mehr verdient gehabt.