Vor einigen Wochen ist mit Booklamp eine amerikanische Webseite gestartet, die uns Lesern in den nächsten Jahren viel Freude machen könnte, von der ich aber auch hoffe, dass sie nicht zu einflussvoll wird. Die Rede ist von Booklamp, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Art, wie wir neue Bücher entdecken, zu verändern.

Es gibt im Netz schon einige Seiten, die einem Leser Buchempfehlungen anbieten, die auf seinen persönlichen Geschmack abgestimmt sind. Diese setzen in erster Linie auf das von Amazon bekannte Prinzip „Kunden, die X kauften, kauften auch Y“ und damit auf einen sozialen Ansatz. Bei Amazon funktioniert das über das gerade angeschaute Buch oder im Rahmen der persönlichen Empfehlungen auf der Grundlage der eigenen Surf- und Kauf-Geschichte und auf Community-Seiten wie Lovelybooks oder Goodreads über die Übereinstimmung von Bücherregalen.

Booklamp setzt hier auf einen komplett anderen Ansatz, der eher dem des Musik-Empfehlungsdienstes Pandora (in Deutschland leider nicht mehr verfügbar, wie so oft) entspricht: Mithilfe umfassener Algorithmen analysiert das zugrundeliegende Book Genome Project den Inhalt von Romanen und berechnet daraus die sogenannte BookDNA. Diese besteht auf der einen Seite aus der StoryDNA, mit der Elemente der Geschichte erfasst werden. Also ob Medizin vorkommt, epische Schlachten oder Liebeskummer. Auf der anderen Seite steht die LanguageDNA, die sich mit sprachlichen Eigenschaften des Romans befasst: wie schnell die Handlung fortschreitet, wie dicht er geschrieben ist, wieviele Beschreibungen vorkommen und so weiter. Dabei unterscheidet die BookDNA beispielsweise knapp 550 unterschiedliche Elemente der StoryDNA und umfasst mittlerweile knapp 640 Millionen Datenpunkte von gut 20.000 Büchern, was 30.000 Datenpunkten pro Buch entspricht.

Aktuell kann man sich mit Booklamp nur anzeigen lassen, welche Bücher eine ähnliche StoryDNA haben, wie ein ausgewähltes Buch oder sich Bücher mit einem besonders hohen Anteil eines bestimmten Story-Elements heraussuchen. Außerdem ist die Datenbank bislang auf 20.000 englischsprachige Bücher beschränkt. Mehr Funktionalität und mehr Bücher sollen aber in den nächsten Wochen und Monaten folgen. Dabei hat Booklamp nicht den Anspruch, die perfekte Lese-Empfehlung zu geben, sondern will das Regal zur Auswahl mit Büchern bestücken, die einem gefallen werden, wenn man sie mit nach Hause nimmt. Es blendet dabei Popularitätswerte und andere soziale Faktoren bewusst aus und orientiert sich nur am Inhalt der Romane.

Booklamp ist (und bleibt) kostenlos, da es für die Macher in erster Linie als Demonstration der Fähigkeiten des zugrundeliegenden Book Genome Projects fungiert, das das Startup wiederum an Verlage lizensieren will, um die Marktfähigkeit von Büchern besser einschätzen zu können. Und genau hier kommen wir zu dem Punkt, wo ich hoffe, dass dieses ambitionierte Projekt nicht zuviel Erfolg hat: Falls sich die Verlage in einer fernen Zukunft bei ihren Entscheidungen, ob sie ein Buch veröffentlichen oder nicht, sehr stark an den entsprechenden marktgängigen Sory- oder Sprach-Elementen orientieren, würde dies den Buchmarkt noch weiter einengen und auf einen angenommenen Mainstream hin ausrichten. Aktuell wünsche ich den Machern in den USA aber noch viel Erfolg und freue mich über eine neue Art, spannenden Lesestoff zu entdecken.

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