Kaum stelle ich mir mal wieder die Frage, ob ich eigentlich in Zukunft eher auf Deutsch oder auf Englisch lesen möchte, liefert Florian Breitsameter ein gewichtiges Argument für die Originalsprache. Vergleicht einfach mal den ersten Abschnitt aus Alfred Besters Der brennende Mann:

This was a Golden Age, a time of high adventure, rich living, and hard dying… but nobody thought so. This was a future of fortune and theft, pillage and rapine, culture and vice… but nobody admitted it. This was an age of extremes, a fascinating century of freaks… but nobody loved it.
Es war ein goldenes Zeitalter. Es war reich an Abenteuern, voll süßen Lebens und bitteren Sterbens – doch niemand erkannte das an. Es förderte Reichtum und Diebstahl, Raub und Plünderung, Kultur und Laster – doch niemand mochte das zugeben. Es war eine Epoche der Extreme, ein Jahrhundert faszinierender Ungeheuer – doch gab es niemand, der es liebte.

Da liegen dann doch ein paar Welten zwischen, selbst wenn die deutsche Übersetzung keineswegs schlecht ist.

Bisher 3 Kommentare zu Englisch oder Deutsch? Ein Argument für das Original

  1. Sebastian sagt:

    Diese Unterschiede sind es, die mich immer vor die Frage stellen: Will ich die Geschichte einfach nur konsumieren oder will ich sie voll erleben? Bei ersterem reicht die Übersetzung, bei letzterem bedarf es des Originals, weil die Sprache ihre eigene Atmosphäre schafft und damit für noch mehr Tiefe sorgt. Aus diesem Grund lese ich z.B. Sherlock Holmes derzeit in der englischen Fassung.

  2. Nils sagt:

    Aber gerade wenn ich die Geschichte voll erleben will, kommt es doch auf die winzigen Nuancen in der Sprache an. Und da ist dann einfach die Frage, ob ich als Leser in einer Fremdsprache mehr von diesen Nuancen mitbekomme, als ein Übersetzer, der diese in meine Sprache überträgt. Und an dieser Stelle bin ich mir nicht mehr hundertpro sicher. Gerade lese ich „Name of the Wind“ von Patrick Rothfuss auf Englisch und es ist so genial und zugänglich geschrieben, dass eine unglaublich dichte Atmosphäre aufkommt. Bei Tad Williams, Neal Stephenson oder George R.R. Martin habe ich auf Englisch aber schon des Öfteren so sehr mit der Sprache zu kämpfen gehabt, dass mich garnicht richtig auf die Geschichte einlassen konnte und mir damit natürlich auch sehr viel Lesespaß entgangen ist.

  3. Soleil sagt:

    Ich finde die Übersetzung ehrlich gesagt gar nicht so gut. Sie verändert alles und übersetzt nicht das, was da steht, sondern das, was der Übersetzer gerne hätte, das da stünde. Zwar lese ich auch viel in Englisch, aber ich bin doch ein Verfechter der deutschen Sprache. Schon allein, weil ich weiß, dass viele Menschen nach wie vor kein Englisch können. Gerade die älteren Genereationen, die eben andere Sprachen in der Schule gelernt haben. Und die lesen auch gerne mal Fantasy oder Scifi oder was auch immer 😉 Letzte Woche habe ich mir, entgegen einiger Ratschläge, ein Buch ertauscht, das zwar eine gute Geschichte, aber eine megamäßig schlechte Übersetzung beinhalten soll. Bin gespannt.

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