Alle Kritiken aus dem Genre Science-Fiction

A
Der elektrische Mönch (Dirk Gently's Holistic Detective Agency)
& Raumschiff Titanic (Starship Titanic)
& Weißer Mars (White Mars or The Mind Set Free)
& Der positronische Mann (The Positronic Man)
 Einbruch der Nacht (Nightfall)
B
Zeitschiffe (The Timeships)
Heimat Mars (Movin Mars)
Der brennende Mann (The Stars My Destination)
Mars (Mars)
 Rückkehr zum Mars (Return to Mars)
; & The Web (The Web)
Cordelias Ehre (Cordelia's Honor)
C
Sprecher für die Toten (Speaker for the Dead)
 Xenozid (Xenocide)
 Enders Kinder (Children of the Mind)
Die Vereinigung jiddischer Polizisten (The Yiddish Policemen’s Union)
D
Diktatur der Stille (Stolen Voices)
E
Qual (Distress)
 Teranesia (Teranesia)
Blind Faith (Blind Faith)
Die Haarteppichknüpfer (The Carpet Makers)
 Eine Trillion Euro
 Perfect Copy
 Quest
 Solarstation
 Das ferne Leuchten
F
Die Flusswelt der Zeit (To Your Scattered Bodies Go)
Grüße vom Sternenbiest
H
Der Neutronium-Alchemist (The Neutronium Alchmist, Part 2)
 Die Besessenen (The Naked God, Part 1)
 Der nackte Gott (The Naked God, Part 2)
& Die Turing Option (The turing Option)
MAK
K
Kontakt (Crossfire)
 Feuerprobe (Crucible)
L
42
Die Hoffnung (The Hope)
Hüter der Erinnerung (The Giver)
Hörbuch: Sternenspiel (Звезды - холодные игрушки)
 Sternenschatten (Звездная тень)
M
Lord Gamma
Die ewige Straße (Eternity Road)
Kirinja (Kirinya)
Marys Land (Mary's Country)
Die Falter (Perdido Street Station, Part 1-4)
Das Unsterblichkeitsprogramm (Altered Carbon)
Das Gottesmahl (Towing Jehovah)
N
Die Flucht (The Knife of Never Letting Go)
O
Who Fears Death? von Nnedi Okorafor (Who Fears Death?)
Die DEUS-Maschine (The DEUS Machine)
R
Der Zusammenbruch (There Will Be Dragons)
Galileo’s Dream von Kim Stanley Robinson (Galileo's Dream)
 Roter Mars (Red Mars)
Perludrom
Sperling (The Sparrow)
S
Die Neanderthal-Parallaxe (Hominids)
Der Schwarm
Der heiße Himmel um Mitternacht (Hot Sky at Midnight)
 Die Seelenbank (To Live Again)
Zeitschichten (Redshift Rendevouz)
Du bist tot (Halting State)
T
Toleranz (Sideshow)
Rattentanz
V
Planet der Ausgestoßenen (The Big Planet)
& Fathomless
W
Abgrund (Starfish)
Hospital Station (Hospital Station)
Der Fall der Muschel (The Fall of the Shell)
 Der Hinterhalt der Schatten (An Ambush of Shadows)
 Das Lied der Axt (The Song of the Axe)
 Das Schwert der Geduld (The Sword of Forbearance)
Die Farben der Zeit (To Say Nothing of the Dog)
Zufällige Akte sinnloser Gewalt (Random Acts of Senseless Violence)

Alle Berichte zum Genre Science-Fiction

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Irgendwo zwischen Steampunk, Biopunk und klassischer Science-Fiction Beeindruckende und bedrückende Welt Langsame Handlung und blasse Figuren

New Crobuzon ist sicherlich keine Stadt, in der ich gerne leben würde: Hier leben knapp 100 Millionen Einwohner in einem historisch gewachsenen Moloch. Die Menschen teilen sich die Stadt mit zahlreichen anderen Völkern, wie den Kaktusmenschen oder den käferartigen Kephri, deren Weibchen einen menschlichen Körper besitzen, aber anstelle des Kopfes einen Käferleib. Dann sind da auch noch die Remade, chirurgisch und thaumaturgisch veränderte Menschen, die entweder für eine bestimmte Aufgabe optimiert oder für Verbrechen grausam bestraft wurden.

Normalerweise fasse ich ja an dieser Stelle die Handlung des Romans zusammen und nicht seine Welt, aber in Die Falter gibt es nur einen Hauptdarsteller: New Crobuzon. So spannend und faszinierend diese Stadt ist, vernachlässigt Miéville vor lauter Beschreibungen und atmosphärischer Ausführungen die Handlung und die Charaktere sträflich. Während der Moloch und die steampunk-inspirierte Welt den Leser fesseln können, schleppt sich die Handlung langsam vor sich hin und gewinnt erst gegen Ende der gut 550 Seiten an Spannung, die sich dann jedoch nicht in einem großen Showdown entladen kann.

Dies liegt in erster Linie daran, dass Die Falter lediglich der erste Teil des Romans Perdido Street Station ist, der in der deutschen Übersetzung zweigeteilt wurde und erst mit Der Weber seinen Abschluss findet. Aber wer ein halbes Buch veröffentlicht, sollte sich nicht beschweren, wenn es dann auch als solches bewertet wird. Dem Autor bleibt jedoch in meinen Augen immer noch vorzuwerfen, dass er sich zu viele Gedanken um seine Welt und zu wenige um die Handlung und seine Figuren gemacht hat. Auch die Sprache ist in der Übersetzung sehr verschwurbelt und nicht immer einfach zu lesen, ich weiß aber nicht, ob das für die englische Version genauso gilt. Schade, diese Welt hätte mehr verdient gehabt.

Das ferne Leuchten

, Teil 1

(Bastei Lübbe 2004, 297 Seiten, 9783404243327)

TKKG im Weltall
Spannende Geschichte mit Anspruch (auch für Erwachsene)
Etwas oberflächliche Charaktere
Handlung zum Ende hin etwas unlogisch

Da es wohl noch bis zum Herbst dauert, bis endlich der neue Roman von Andreas Eschbach erscheint, habe ich mir jetzt einfach mal seine Jugenbuchreihe Das Marsprojekt vorgenommen.

Deren erster Band Das blaue Leuchten handelt von den vier Jugendlichen, die auf einer irdischen Marssiedlung geboren wurden und aufgewachsen sind. Der staubige und kahle Planet ist ihre einzige Heimat und so sind sie erschüttert, als eine Nachricht von der Erde verkündet, die Siedlung werde geschlossen und die Sieder müssten zu Erde zurückkehren. Die Kinder wollen den Verlust ihrer Heimat jedoch nicht hinnehmen und versuchen, die Schließung mit allen Mitteln zu verhindern. Als dann klar wird, dass eine von ihnen, Elinn, auf der Erde nicht überleben könnte, setzen sie alles auf eine Karte.

Das blaue Leuchen scheint nicht nur auf den ersten Blick ein wenig wie TKKG im Weltraum: Die vier Jugendlichen wollen sich nicht wie die Erwachsenen in ihr Schicksal ergeben, sondern ermitteln die Hintergründe der Schließung der Siedlung und versuchen sie mit allen Mitteln zu verhindern. Während sich der ferne Gegner in der Figur des Stationsvorstehers materialisiert, stehen ihnen andere Erwachsene wie ein irdischer Journalist, ein Medizin-Nobelpreisträger und der Stationsarzt helfend zur Seite.

Die Erzählung ist, wie von Eschbach nicht anders gewohnt, stringent und schnell. Dabei vergisst er aber nicht, der Handlung auch Anspruch und eine gewisse Tiefe zu verpassen. Leider bleibt die Schilderung der Figuren – ihrer Gefühle und Gedanken – ein wenig auf der Strecke. Untypischerweise wird auch die Handlung gegen Ende des Romans ein wenig unlogisch, hier hätte ich mir mehr Feinschliff gewünscht.

Who Fears Death?

(DAW 2010, 304 Seiten, 075640617X)

Ein äußerst innovatives, spannendes und auch lesenswertes Buch, das viele aktuelle Themen aufgreift, dem aber ein wenig die erzählerische Dichte und Atmosphäre fehlt.

Onyesonwu ist kein normales Mädchen. Sie ist eine Ewu – die Tochter einer Okeke und eines Nuru – und damit das Ergebnis einer Vergewaltigung. Die Nuru sind ein kriegerisches Volk und erfüllen eine im “großen Buch” festgeschriebene Aufgabe: die Vernichtung der Okeke. Und so ziehen sie brandschatzend, mordend und vergewaltigend durch den Westen. Onyesonwus Mutter gelingt es nach der Vergewaltigung, in die Wüste zu fliehen und so wächst das Mädchen in der heißen und wasserlosen Einöde auf. Erst nach einigen Jahren ziehen die beiden nach Jwahir, einer Stadt im Osten, die bislang von den Nuru verschont wurde. Dort ist Onyesonwu jedoch durch ihre Hautfarbe als Ewu stigmatisiert, denen in den Köpfen der Menschen ein Leben voller Gewalt und Grausamkeit vorherbestimmt ist. So findet sie ihre ersten Freunde in Binta, Luyu und Diti, mit denen sie sich dem “Ritual des elften Geburtstags” unterwirft – der weiblichen Beschneidung. In derselben Zeit lernt sie auch Mwita kennen, einen Ewu-Jungen, der sie von Anfang an fasziniert. Doch Onyesonwu ist nicht nur als Ewu anders als die Anderen. Noch vor ihrem elften Geburtstag stellt sie fest, dass sie sich in einen Geier verwandeln kann und auch in einen Spatz. Sie ist eine Gestaltwandlerin. Während ihrer Beschneidung zeigen ihr ihre magischen Kräfte zudem, dass sie von einem mächtigen Zauberer beobachtet wird, der ihr nach dem Leben trachtet. Um sich gegen den Angreifer verteidigen zu können, sucht sie den Zauberer Aro auf und bittet ihn, sie zu unterrichten. Er lehnt dies jedoch zuerst ab, weil er keine Mädchen unterrichtet. Erst später erklärt er sich dazu bereit, ihr dabei zu helfen, die Kontrolle über ihre Kräfte zu gewinnen. Als sie dann feststellt, dass der mächtige Zauberer, der ihr Leben bedroht, ihr leiblicher Vater ist, macht sie sich zusammen mit Luyu, Binta, Diti und Mwita auf den Weg durch die Wüste um ihm entgegenzutreten. Dabei lernt sie immer mehr über die Kräfte, ihre Geschichte und die Geschichte des “großen Buchs”, die nur sie neu schreiben kann.

Von Who Fears Death bin ich hin und her gerissen: Das Buch ähnelt keinem Fantasy- oder Science-Fiction-Buch, das ich bisher gelesen habe. Das Setting in einem dystopischen Afrika der unbestimmten Zukunft ist äußerst ungewöhnlich und Okorafor versteht es hervorragend, es mit einer Mischung aus Fantasy-Elementen und afrikanischer Mythologie zum Leben zu erwecken. Mit der weiblichen Beschneidung, der Stellung der Frau in der afrikanischen Gesellschaft und dem Genozid der Nuru an den Okeke spricht sie zudem drei äußerst aktuelle Themen an, die das Leben in Afrika nach wie vor prägen. Daher wird es nicht umsonst von der amerikanischen Kritik mit Lob überschüttet und ist unter anderem für den Nebula Award 2010 nominiert.

Auf der anderen Seite hat es Okorafor trotz aller Dramatik, Tragik, Aktualität und Brutalität nicht geschafft, mich wirklich in die Geschichte hineinzuziehen. Vielleicht lag es daran, dass 300 Seiten nicht gerade viel dafür sind, den Leser mit einer vollkommen fremden Welt vertraut zu machen, für die Hauptfiguren einzunehmen, drei wichtige aktuelle Probleme aufzugreifen und der Entwicklung der Charaktere und der Handlung genug Platz einzuräumen. Vielleicht aber auch daran, dass mir gerade im ersten Teil das Thema “Stellung der Frau” ein wenig zu offensiv in den Mittelpunkt gerückt wurde. Auch fehlen mir Hinweise auf den weiteren Kontext und die Geschichte der Welt in der sich Onyesonwu und ihre Gefährten bewegen. Man erfährt wenig mehr, als dass es sich um eine Zukunft handelt, in der nur noch wenig Technik existiert.

Mit !t-Sternenschatten-t! gibt es auch den unmittelbaren Nachfolger von !a-Lukianenko-a!s !t-Sternenspiel-t! bei Audible als vollständige und ungekürzte Lesung. Die Handlung schließt unmittelbar an den Vorgänger an und beginnt nach der Rückkehr von Pjotr, seinem Großvater und Mascha auf die Erde. Nachdem sie im ersten Teil den Planeten der Geometer besucht hatten, in der Hoffnung, ...

Mit Sternenschatten gibt es auch den unmittelbaren Nachfolger von Lukianenkos Sternenspiel bei Audible als vollständige und ungekürzte Lesung. Die Handlung schließt unmittelbar an den Vorgänger an und beginnt nach der Rückkehr von Pjotr, seinem Großvater und Mascha auf die Erde. Nachdem sie im ersten Teil den Planeten der Geometer besucht hatten, in der Hoffnung, dort einen Verbündeten im Kampf gegen das Konklave zu finden, das die Menschen und einige andere Rassen unterdrückt, geht es nun auf eine Reise in den “Schatten”. Da die Geometer vor diesem vor langer Zeit geflohen waren, erscheint er den Menschen als ein weiterer potenzieller machtvoller Verbündeter. Als die Truppe nach einigen Hindernissen und einem gewagten Manöver dort eintrifft, landen sie auf einem Planeten, der als Verkehrsknotenpunkt des Schattens zu fungieren scheint. Als sie dann die Tore durchschreiten, von denen sie sich eine Passage erhoffen, werden sie getrennt und landen in unterschiedlichen Welten. So wird Pjotr für einige Zeit zu einem Kampfpiloten im Krieg gegen eine genetisch veränderte menschliche Rasse bevor er den Hintergrund der Tore und ihre Funktion kennenlernt.

Nachdem es in Sternenspiel wie beschrieben um “Glück ohne Freiheit” ging, stellt der Schatten in gewisser Weise das Gegenmodell der Geometer dar. Hier gibt es kein geplantes Glück, keine zentrale Kontrolle, sondern größtmögliche Freiheit – “Freiheit ohne Glück”. Der Schatten ist deswegen so bedrohlich, weil er den Menschen, denen er beim Durchschreiten der Tore ihre tiefsten Wünsche erfüllt. Er macht sie zu Kämpfern, zu Opfern, zu Einsiedlern oder zu Händlern. Er gibt ihnen, was sie brauchen, ohne dass sie selbst dies verstehen oder steuern können. Waren die Geometer Gefangene ihres Systems, so sind die Menschen im Schatten Gefangene ihres Unterbewusstseins – auch wenn sie auf den ersten Blick frei erscheinen.

Lukianenko gelingt es auch in Sternenschatten wieder, seinen überzeugenden Weltentwurf zum Leben zu erwecken. Dabei rücken die Handlung und eine stringente und spannungsgeladene Erzählweise jedoch leider etwas zu häufig hinter seine intellektuellen Gedankenspiele zurück, wodurch das Hören von Zeit zu Zeit doch etwas zäh wurde. Auch das Ende konnte mich nicht vollkommen überzeugen, hier geht mir alles dann doch irgendwie ein wenig zu schnell und auch zu einfach. Ich bleibe jedoch dabei, dass Lukianenko spannende Geschichten erzählen und mit äußerst intelligenten und kritischen Gedanken verbinden kann. Auch seine spezifisch russische Erzählweise, seinen Fokus auf wenige Hauptfiguren, die er insgesamt ein wenig vernachlässigt, und seine lineare Erzählweise behält er in diesem Buch natürlich bei.

Zur Hörbuch-Umsetzung kann ich nichts Negatives sagen und daher allen, denen der erste Band gefallen hat, auch das zweite Buch ans Herz legen. Ansonsten auf jeden Fall mit Sternenspiel anfangen!

Nachdem auf tor.com vor ein paar Wochen die Frage aufkam, wo denn neue anspruchsvolle Science-Fiction-Filme ohne Gewalt bleiben, hat John DeNardo einen spannenden und vielversprechenden Trailer aufgetrieben:

Regie führt Mike Cahill und der Start in den USA ist für den 22. Juli 2011 angekündigt. Mehr Informationen gibt es auf der offiziellen Homepage.

Insgesamt gelingt Lukinanenko mit Sternenspiel der Spagat, anspruchsvolle Themen und Gedanken in einer einfachen Geschichte jedoch ausgesprochen gut. Da mir sein "russischer" Erzählstil zudem sehr gut gefällt, kann ich Buch und Hörbuch guten Gewissens weiterempfehlen.

Die Welt von Pjotr Chrumov ist zwar nicht schön, aber einfach: Als Frachterpilot karrt er Waren für die anderen Rassen des Konklaves durch die Gegend. Damit hat er es sich in der Nische bequem gemacht, die der Menschheit als “schwacher Rasse” im streng organisierten Konklave zugestanden wird — dem Sprung zwischen den Planetensystemen, den die Menschen als einziges Volk überleben können. Entsprechend groß ist seine Überraschung, als er unmittelbar nach einem Sprung Geräusche in seinem Schiff hört: ein Zähler hatte sich hinter einer Verkleidung versteckt und den Sprung offensichtlich überlebt. Er berichtet Pjotr von dem Versuch der Alari und der Zähler, sich gegen die “starken Rassen”, die das Konklave beherrschen, aufzulehnen und dafür Verbündete zu suchen. Dazu sind die beiden Rassen auf die Menschen angewiesen, da nur diese den Sprung durchführen können. Nach einer Bruchlandung außerhalb der irdischen Raumhäfen treffen die beiden auf Pjotrs Großvater und seine Assistentin Mascha, die sich der Mission anschließen — allerdings ohne die Rückendeckung der offiziellen Stellen. Pjotr schließt sich dieser Mission nur widerwillig an, wird jedoch schnell zu ihrer zentralen Figur — als Geheimagent in einem fremden Körper auf einem Planeten, der der Erde gleichzeitig sehr ähnlich und sehr fremd ist.

Berühmt geworden ist Sergej Luikianenko in Deutschland ja für seine Wächter der Nacht-Trilogie, mit der er auch einen Anstoß für die aktuelle Vampir- und Urban-Fantasy-Welle geleistet hat. Mich hat Wächter der Nacht damals nicht wirklich überzeugen können, aber Lukianenkos Science-Fiction-Romane reißen das locker wieder raus. Mit Sternenspiel liegt hier ein früheres Buch von ihm vor, das ich mir in der exzellent umgesetzten Hörbuchversion von Audible zu Gemüte geführt habe. Bevor ich mich mit dem Roman sich befasse daher hier ein paar Worte zur Hörbuchumsetzung: Da mich gekürzte Versionen immer irgendwie abschrecken, freut es mich natürlich, dass sich Audible die Mühe gemacht hat, das gesamte Buch ungekürzt mit einem sehr guten Sprecher — David Nathan — zu vertonen. Hinzu kommt, dass sich Lukianenkos Erzählstruktur sehr gut für die Umsetzung als Hörbuch eignen: eine linear erzählte Geschichte mit relativ wenigen Figuren und Fraktionen, in der man auch dann gut den Überblick behält, wenn man sich mal nicht so genau auf die Geschichte konzentrieren kann, beispielsweise auf Bahnfahrten oder beim Abwaschen. Bei sehr komplexen Büchern verliere ich hier doch immer wieder den Überblick.

Aber nun zurück zum Buch: Mir hat Schattenspiel äußerst gut gefallen, was zum einen an Lukianenkos Sprache liegt, die in einem mal süffisanten, mal sardonischen Ton immer ein wenig Distanz zum Geschehen vermittelt, auch wenn die Geschichte aus der Ich-Perspektive Pjotr Chrumovs erzählt wird. Dabei schwingt immer eine gewisse Melancholie mit, die mir auch in den Büchern von Vladimir Sorokin und der — streng genommen litauischen — Jurga Ivanauskaite bereits aufgefallen ist, und die man vielleicht als “typisch russisch” bezeichnen könnte.

Die Welt, die Lukianenko auf diese Weise schafft ist zwar auf der einen Seite bunt und voll unterschiedlichem Leben, die Ich-Perspektive des Romans verengt den Blick hier jedoch sehr stark und verhindert damit auch, dass Sternenspiel als Space Opera gesehen werden kann. In meinen Augen stellt es vielmehr einen Agentenroman mit Science-Fiction-Hintergrund und starkem sozialphilosophischem Einschlag dar. Wie auch schon in Spektrum desselben Autors geht es dabei um Menschen, die von außen in eine Rolle gedrängt werden, bis sie beginnen, sich dagegen aufzubegehren. So sind es in diesem Roman die Menschen als eine der schwachen Rassen gegen die starken Rassen des Konklaves, aber gleichzeitig auch Pjotr, der sich gegen seinen Großvater auflehnt und Nik Riemer (wer das ist wird an dieser Stelle nicht verraten), der nicht nur seinen Ausbilder, sondern das gesamte Gesellschaftssystem seiner Heimat offen infrage stellt.

Mit der menschenähnlichen Rasse der Geometer, auf die Pjotr im Laufe seiner Reise trifft und auf deren Planeten er sowohl ein Ausbildungscamp als auch ein als “Sanatorium” bezeichnetes Arbeitslager kennenlernt schafft Lukianenko eine spannende negative Dystopie nach dem Motto “Glück ohne Freiheit”: Kinder werden in staatlichen Lagern von Ausbildern erzogen, die die höchste moralische Instanz der Gesellschaft darstellen. Wer sie hinterfragt, oder sich ihnen offen entgegenstellt endet in einem Sanatorium, doch die Indoktrination ist so stark, dass dies nur selten geschieht. Nik Riemers Affront, seinen Ausbilder gar mit einer Ohrfeige körperlich anzugreifen, wird damit bereits zu einer besonders scharfen Form des Widerstands. Nach außen hin verbreiten die Geometer ihr Gesellschaftsmodell, in dem sie andere Völker in ihrer Entwicklung weit zurückwerfen und sie dann nach ihren Grundsätzen neu aufbauen.

Man merkt schon an dieser kurzen Zusammenfassung, dass Sternenspiel viele Ansätze für spannende Gedanken und Diskussionen liefert, die es nur in Ansätzen ausformuliert. Trotzdem war es mir an manchen Stellen schon zu auffallend anspruchs- und inhaltsvoll. Darüber vergisst Lukianenko zudem leider oft, die Figuren auszubauen und ihre Entwicklung nachzuzeichnen — für mich neben der Ähnlichkeiten zu Spektrum aber der einzige wirkliche Schwachpunkt.

Ein besonderes Schmankerl für alle Science-Fiction-Fans hat Ward Shelley geschaffen: Eine Karte der Geschichte der Science-Fiction als eigenständiges Kunstwerk:

historyofscifi (via Tor.com)