Alle Kritiken aus dem Genre Sachbuch

A
Denken hilft zwar, nützt aber nichts (Predictably irrational)
B
Gutenbergs Irrtum und Einsteins Traum (The Pinball Effect)
C
Das Cambridge Quintett (The Cambridge Quintett)
& Erfolgreiche Führung gegen alle Regeln (first, break all the rules)
Die Welt hinter den Dingen (Glass, Paper, Beans. Revelations on the Nature and Value of Ordinary Things)
Im Kreis der Welt (Travel)
D
Freiheit für das Kapital (The Mystery of Capital)
& Allgemeinbildung für Angeber
G
Garantiert erfolgreich lernen
H
Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth. Erwachendes Vilnius
K
Also ich glaube, Strom ist gelb
M
& Die Globalisierungsfalle
N
Genie und Wahnsinn (A Beautiful Mind)
& Der Kodex des Archimedes (The Archimedes Codex)
Die Jagd nach der Wahrheit
O
Jamies 30 Minuten Menüs (Jamie's 30 Minute Meals)
P
Drive. The surprising truth about what motivates us (Drive. The surprising truth about what motivates us)
Lebensmittel: Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn (In Defence of Food)
Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
R
Mein Leben
In meinem Element (The Element)
S
Unser Kosmos (Cosmos)
Payback
Deutsch für Profis
Fermats letzter Satz (Fermat's Last Theorem)
 Geheime Botschaften (The Code Book)
Längengrad (Longitude)
& Die Online-Redaktion
& Nudge (Nudge)
T
Der schwarze Schwan (The Black Swan)
The Creative Habit (The Creative Habit)

Alle Berichte zum Genre Sachbuch

Bisher noch keine News & Berichte in diesem Bereich.


Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

(Goldmann 2007, 398 Seiten, 978-3-442-31143-9)

Eine etwas andere Einführung in die Philosophie - gehaltvoll und unterhaltsam.

Obwohl das Buch des Philosophen und Autors Richard David Precht lange auf der Bestsellerlsite stand, ist es irgendwie an mir vorbei gezogen und erst jetzt in meinem Lesesessel gelandet. Precht beschäftigt sich in diesem Buch mit den großen Fragen des Lebens: “Was kann ich wissen?”, “Was soll ich tun?” und “Was darf ich hoffen?” Dazu nimmt er den Leser mit auf eine spannende und unterhaltsam geschriebene Reise durch die Philosophiegeschichte und präsentiert Gedanken aus den letzten zweieinhalbtausend Jahren Ideengeschichte. Dabei spult Precht nicht einfach den theoretischen Kanon Platon, Thomas von Aquin, Kant, Heidegger, Wittgenstein herunter, sondern strukturiert das Buch anhand konkreter Fragen und zeigt so die Zusammenhänge zwischen den Philosophen über die Jahrhunderte hinweg auf. Diese Struktur macht das Buch wesentlich einfacher zu lesen, als andere Einführungen in die Philosophie. Das dies auf Kosten der Vollständigkeit und Präzision geht, stört vielleicht eingefleischte Kenner, macht es dem interessierten Laien jedoch wesentlich einfacher, sich in die Gedankenwelten einzufinden.

Inhaltlich kann ich das Buch mangels Wissens leider nicht bewerten, aber ich hatte den Eindruck, dass es Precht gelingt, die Argumente verschiedener Seiten differenziert darzustellen und gegeneinander abzuwägen. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, mein fragmentarisches Wissen in diesem Bereich mit diesem Buch aufzufrischen und um weitere Fragmente zu erweitern.

The Creative Habit

(Simon & Schuster 2006, 243 Seiten, 978-0-7432-3527-3)

Ein gut zu lesendes und schön gestaltetes Buch, das voller Inspiration steckt.

The Creative Habit ist ein Buch zu einem Thema, das hier in der nächsten Zeit wahrscheinlich eine größere Rolle spielen wird: Kreativität und Produktivität. Hier berichtet die Choreographin Twyla Tharp, wie sie es seit den 1960er Jahren schafft, immer wieder neue und innovative Tänze zu kreieren. Sie nimmt den Leser dabei mit auf eine Reise durch die Welt des Tanzes aber auch durch die der Kreativität: Sie beginnt damit, zu betonen, wie wichtig Rituale und Gewohnheiten für den kreativen Output ist. Nach einem Kapitel über die kreative DNA folgen Teile über die Rolle des Gedächtnisses und ihre Art, Material für ihre Stücke zu sammeln. Danach folgen weitere spannende Kapitel über kleine Ideen, Scheitern, die Wahl eines Themas und viele andere Aspekte des kreativen Schaffens.

Zu dem Buch kann ich eigentlich nicht viel mehr schreiben, als dass es mir wirklich gut gefallen hat und viele Ideen und Konzepte, die sich auch an anderer Stelle finden, aufgreift und lebensnah beschreibt. Dabei versucht Tharp auch über den Tellerrand der Choreographin hinauszuschauen und Beispiele aus anderen Bereichen zu bringen. Allerdings bleibt sie dann doch oft auf ihre persönlichen Erfahrungen fixiert, die sich vielleicht nicht unbedingt so einfach auf andere Bereiche übertragen lassen.

Payback

(Blessing 2009, 240 Seiten, 978-3-89667-336-7)

Das gute Buch regt zum Nachdenken über das allgegenwärtige Netz an.

Das Buch des FAZ-Mitherausgebers hat in den letzten Wochen und Monaten für einigen Wirbel im Netz gesorgt (u.a. bei Carta, dem Spiegelfechter, Spiegel-Online und Sueddeutsche.de). Kein Wunder, setzt sich doch ein Verteidiger der “Holz-Presse” mit dem Internet auseinander und kommt zu Schlüssen, die sich für Internet-Euphoriker rückwärtsgewandt und ewig-gestrig anhören müssen: Das Internet überfordert den Menschen, ja es steuert ihn sogar. Wir seien mittlerweile vollkommen davon abhängig und ließen uns hetzen. Schirrmacher konstatiert sogar, die ständige Ablenkung und das Überangebot ließen unsere Konzentrationsfähigkeit und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden verkümmern.

Egal, ob man Schirrmachers Argumenten zustimmt oder nicht, man kann ihm nicht vorwerfen, sie nicht plausibel und unterhaltsam darzulegen. Er bedient sich aus einer Vielzahl an Studien und stellt diese anschaulich dar, inwieweit diese Zusammenfassungen und Interpretationen den Quellen gerecht werden, kann ich jedoch nicht beurteilen. An einer Stelle lässt mich Schirrmacher jedoch daran zweifeln, dass er sich tatsächlich mit den zitierten Texten auseinandergesetzt hat: So zitiert er den Netzwerkforscher Barabási und die von ihm beschriebenen “Power Laws”, die er jedoch mit “Macht-Gesetzen” anstatt mit “Exponentialgesetzen” übersetzt und liefert damit eine lückenhafte Argumentation. Diese wäre bei korrekter Übersetzung wesentlich aufwändiger gewesen, bliebe aber gültig.

Insgesamt kann ich Payback dennoch jedem empfehlen, der sich mit den Auswirkungen des Internets auseinandersetzen möchte. Schirrmacher regt zum Nachdenken und hat in vielen Punkten in meinen Augen tatsächlich recht.

und Die Online-Redaktion

(Springer 2010, 196 Seiten, 978-3-642-00719-4)

Ultra-kompakte Kurzeinführung in alles, was irgendwie mit Online-Journalismus zu tun hat.

Es klingt zu schön um wahr zu sein: Ein umfassendes Handbuch, das alle Themen umfasst, die für die journalistische Arbeit im Internet relevant sind. Und tatsächlich kann das vorliegende Buch dieses Versprechen auf seinen nur knapp 180 Seiten einhalten. Allerdings mit der Beschränkung, dass den Leser an vielen Stellen eine Informationsflut erwartet und am Ende trotzdem bei weitem nicht alle Fragen beantwortet sind. So jagen die Autoren von den unterschiedlichen Anforderungen an journalistische Texte im Netz und auf Papier über Untersuchungen über die Lesbarkeit von Schriftarten zur Beschreibung der Organisation eines IT-Projekts. Dabei schreiben sie sehr locker, unterhaltsam und gut verständlich und fassen den jeweiligen Inhalt prägnant zusammen.

Ich habe allerdings keine Ahnung, wer eigentlich die Zielgruppe dieser Universal-Einführung sein soll. Als Einstiegslektüre zum Thema erscheint sie mir zu knapp und setzt zu viel Wissen voraus. Für die Vertiefung einzelner Themengebiete eignet sie sich aufgrund der Kürze ebensowenig. Überzeugen kann sie jedoch als Ultra-Kurz-Einführung für jemanden wie mich: Ahnung vom Internet, Interesse am Journalismus aber keine unmittelbare Notwendigkeit, sich intensiv mit Online-Journalismus auseinanderzusetzen.

Geheime Botschaften (The Code Book)

(Hanser 2000, 475 Seiten, 3-446-19873-3)

Insgesamt ist "Geheime Botschaften"ein sehr interessantes, ausführliches und auch spannend geschriebens Buch, das ich jedem empfehlen kann, der etwas über die Kunst der Verschlüsselung und deren Entwicklung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erfahren möchte.

Das Buch Geheime Botschaften gibt einen sehr detaillierten Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Kryptographie. Singh beschreibt jeweils den Wettstreit zwischen Kryptographen, die immer neue und raffiniertere Verfahren entwickelt haben und den Kryptoanalytikern, die darauf aus waren, Schwachstellen zu entdecken und die Verfahren zu knacken. Von der Antike bis zum späten Mittelalter fehlt dabei auch nicht der Bezug zu geschichtlichen Ereignissen – Singh gibt dabei einige interessante Beispiele, wo das Überleben einer einzelnen Person wesentlich davon abhing, ob deren geheime Kommunikation vom Feind entschlüsselt werden konnte oder nicht. Besonders ausführlich und spannend zu lesen ist das Kapitel über den zweiten Weltkrieg, in dem insbesondere die Briten jeden Trick genutzt haben, um jeden großen, aber auch jeden noch so kleinen Fehler der Deutschen bei der Verwendung ihres Verschlüsselungssystems “Enigma”nutzen zu können, um die verschlüsselte Kommunikation der Nazis mitlesen zu können Einen weiteren Akzent legt Singh zum Ende auf die sogenannten “public-key”-Systeme (Stichworte: RSA, PGP), ohne die abhörgeschützte elektronische Kommunikation in der heutigen Zeit – Handy, verschlüsselte Internet-Verbindungen – nicht denkbar wären. Bei der Beschreibung aller kryptographischen Verfahren bleibt natürlich der mathematisch-technische Hintergrund nicht aus. Singh hat sein Buch aber so konzipiert, dass er dabei nicht zu sehr in die Tiefe geht und der Leser die entsprechenden Abschnitte und Anhänge problemlos auslassen kann.

Fermats letzter Satz (Fermat's Last Theorem)

(Fourth Estate 1997, 373 Seiten, 1-85702-521-0)

Fermats letzter Satz handelt von einer unscheinbaren Formel und den Folgen einer kurzen Randnotiz. Der französische Mathematiker Pierre de Fermat beschäftigte sich im 17. Jahrhundert mit der Frage, ob die Gleichung an + bn = cnfür positive ganze Zahlen lösbar sei. Er kam zu dem Ergebnis, dass dies nicht der Fall sei, sobald n ...

Fermats letzter Satz handelt von einer unscheinbaren Formel und den Folgen einer kurzen Randnotiz. Der französische Mathematiker Pierre de Fermat beschäftigte sich im 17. Jahrhundert mit der Frage, ob die Gleichung an + bn = cnfür positive ganze Zahlen lösbar sei. Er kam zu dem Ergebnis, dass dies nicht der Fall sei, sobald n größer als 2 ist. Er habe dafür einen Beweis gefunden, der nur leider nicht auf den Rand seines Buches passe. Dieser auf den ersten Blick unscheinbare Sachverhalt, der auch nur von sehr begrenztem praktischen Nutzen ist, ging als die »Fermatsche Vermutung«in die Geschichte der Mathematik ein. Die Suche nach einem Beweis sollte die Mathematiker noch über 350 Jahre in Atem halten, bis der britische Mathematiker Andrew Wiles nach langen Jahren der Forschung 1995 schließlich einen Beweis fand und man mit Fug und Recht von »Fermats letztem Satz«sprechen konnte.

Simon Singh beschäftigt sich in diesem Buch mit vielen Aspekten aus der Geschichte der Mathematik, die auch nur im Entferntesten etwas mit der Fermatschen Vermutung zu tun haben. Er beschreibt auch, wie berühmte Mathematiker nach Fermat sich die Zähne daran ausbissen, für ein scheinbar so simples Problem eine Lösung zu finden. Für einige Spezialfälle waren sie zwar mit der Zeit erfolgreich, aber ein allgemeiner Beweis – oder ein Gegenbeispiel – fanden selbst die genialsten Köpfe nicht. Erst im 20. Jahrhundert wurden wirkliche Fortschritte gemacht, und auch Wiles stieß auf dieses Problem. Singh beschreibt sehr schön, wie Wiles davon von Kindheit an fast besessen war und welche Anstrengungen er unternahm, um mit Hilfe der neuesten Erkenntnisse endlich einen Beweis verfassen zu können. Fermats letzter Satz richtet sich in erster Linie an mathematische Laien, es geht hauptsächlich um die Geschichte dieses Problems und den damit zusammenhängenden Lebensgeschichten einiger Mathematiker, insbesondere die Andrew Wiles’. Mathematische Einzelheiten finden sich fast nur in einigen Anhängen, und auch diese sind relativ leichtverständlich geschrieben.

Unser Kosmos (Cosmos)

(Knaur 1982, 363 Seiten, 3-426-04053-0)

Sehr schöner Überblick über die Astronomie.

Der Titel Unser Kosmos zusammen mit dem Untertitel “Eine Reise durch das Weltall” beschreibt recht genau, worum es in diesem Buch geht. Gegliedert in 13 Kapitel behandelt der Autor verschiedene Bereiche der Astronomie. Er leitet dabei jedes Kapitel mit diversen Zitaten, unter anderem aus den verschiedensten Schöpfungsmythen und literarischen Werken ein, und gibt dann einen Überblick über den heutigen Wissensstand und wie sich dieser entwickelt hat.

Unser Kosmos hat mir sehr gut gefallen. Der Autor hat es hervorragend hinbekommen, die Inhalte verständlich, aber trotzdem korrekt herüberzubringen, und besonders gelungen sind seine häufigen Vergleiche zwischen heutigem Wissen, früherem Glauben und der Entwicklung dazwischen. Dafür, dass es sich eigentlich um ein populärwissenschaftliches Sachbuch handelt, ist Unser Kosmos erstaunlich spannend geschrieben. Das Kapitel über unser Sonnensystem beispielsweise schreibt Sagan zum Teil als Reisebericht eines imaginären Kapitäns der Voyager-Raumsonden, die in den 1970ern gestartet die äußeren Planeten beobachtet und inzwischen das Sonnensystem verlassen haben. Für nur gut 360 Seiten ist das Buch ausgesprochen umfassend, was aber auch damit zusammenhängt, dass die gebundene Ausgabe sehr großformatig war und das – kleinere – Taschenbuch entsprechend klein gedruckt ist. Wer weiterlesen möchte, für den gibt der Autor eine umfangreiche Liste weiterführender Literatur, wie es sich für ein gutes Sachbuch gehört, wobei er zusätzlich die eher wissenschaftlichen Werke extra gekennzeichnet hat.