Alle Kritiken aus dem Genre Sachbuch

A
Denken hilft zwar, nützt aber nichts (Predictably irrational)
B
Gutenbergs Irrtum und Einsteins Traum (The Pinball Effect)
C
Das Cambridge Quintett (The Cambridge Quintett)
& Erfolgreiche Führung gegen alle Regeln (first, break all the rules)
Die Welt hinter den Dingen (Glass, Paper, Beans. Revelations on the Nature and Value of Ordinary Things)
Im Kreis der Welt (Travel)
D
Freiheit für das Kapital (The Mystery of Capital)
& Allgemeinbildung für Angeber
G
Garantiert erfolgreich lernen
H
Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth. Erwachendes Vilnius
K
Also ich glaube, Strom ist gelb
M
& Die Globalisierungsfalle
N
Genie und Wahnsinn (A Beautiful Mind)
& Der Kodex des Archimedes (The Archimedes Codex)
Die Jagd nach der Wahrheit
O
Jamies 30 Minuten Menüs (Jamie's 30 Minute Meals)
P
Drive. The surprising truth about what motivates us (Drive. The surprising truth about what motivates us)
Lebensmittel: Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn (In Defence of Food)
Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
R
Mein Leben
In meinem Element (The Element)
S
Unser Kosmos (Cosmos)
Payback
Deutsch für Profis
Fermats letzter Satz (Fermat's Last Theorem)
 Geheime Botschaften (The Code Book)
Längengrad (Longitude)
& Die Online-Redaktion
& Nudge (Nudge)
T
Der schwarze Schwan (The Black Swan)
The Creative Habit (The Creative Habit)

Alle Berichte zum Genre Sachbuch

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Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth. Erwachendes Vilnius

(Picus Lesereisen 2009, 132 Seiten, 978-3-85452-951-4)

Atmosphärisches Buch über eine nahezu unbekannte aber absolut faszinierende Stadt.

Während meines Studiums habe ich mich 2003 für zwei Semester in die litauische Hauptstadt Vilnius verabschiedet und mich dort in die Stadt und ihre Geschichte verliebt. Und da es in Deutschland nicht allzu viele Bücher aus oder über Vilnius gibt, konnte ich mir den Reisebericht des Vilnius-Kenners und Litauisch-Übersetzers Cornelius Hell nicht entgehen lassen. Er nimmt den Leser mit auf einen Aufenthalt von ungefähr einer Woche und macht sich auf unterschiedlichen Spaziergängen seine Gedanken über die Stadt, das Land und die Menschen.

Da ich mich in Vilnius mittlerweile doch ganz gut auskenne, konnte ich vor meinem inneren Auge seinen Schritten durch die verwinkelten Gassen und auf die unterschiedlichen Hügel folgen und mich wieder an die schönen Zeiten erinnern, die ich in dieser Stadt gehabt habe. Gleichzeitig liefert Hell zahlreiche Hintergrundinformationen, historische Anekdoten und Eindrücke aus persönlichen Begegnungen. Dabei nimmt er den Leser mit von der Gründungslegende um den eisernen Wolf, über die historische Vergangenheit als Großreich und später Sowjetrepublik bis zum Beitritt Litauens in die Europäische Union. Durch seinen Hintergrund als Übersetzer liegt hier ein leichter Schwerpunkt auf der litauischen Literatur, die hierzulande nahezu unbekannt ist.

Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth wird so zu einem faszinierenden Reisebericht, der die engen Straßen und ganz eigene Atmosphäre dieser Stadt wunderbar einfängt. Es macht einfach Spaß, dem Autor und seinen Gedanken zu folgen und sich nach Vilnius entführen zu lassen. Für Kenner der Stadt bietet das Buch damit eine gute Möglichkeit, sie vom Sessel aus erneut zu erkunden – mit einem kundigen und tiefsinnigen Reiseleiter. Wer noch nicht in Vilnius war, sollte das Buch nur dann lesen, wenn er bereit ist, in der nächsten Zeit nach Litauen zu reisen, denn diese Sehnsucht weckt das Buch garantiert.

In meinem Element (The Element)

(Goldmann 2010, 352 Seiten, 978-3442338788)

Wichtige Ideen in einem Buch, das sich zwischen Analyse und Ratgeber leider nicht ganz entscheiden kann.

Ken Robinson ist aktuell einer der wichtigsten Kritiker des Modernen Verständnis’ von Bildung. Die Schule, wie wir sie heute kennen, ist für ihn ein Relikt aus der Ära des Industriezeitalters und dementsprechend organisiert wie eine Fabrik: In kleinen Schritten wird Stück für Stück aus “ungebildeten” Kindern “gebildete” Erwachsene geformt. Für den Autor ist dieses System jedoch unserer Zeit nicht mehr angemessen: Es zerstört die Kreativität und verhindert systematisch, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihre wahre Leidenschaft finden und entwickeln können.

Mit diesem Buch liefert er ein Mittelding zwischen analytischer Kritik des modernen Bildungssystems und Motivationsgeber für Erwachsene, die bislang noch nicht die Gelegenheit hatten, ihr “Element” zu entdecken und zu leben. Dabei beruft er sich in erster Linie auf zahlreiche Erfolgsgeschichten aus ganz unterschiedlichen kreativen Bereichen und zeigt anhand der Lebensgeschichten auf, wie auch Menschen, die im Bildungssystem weniger erfolgreich waren, zu Meistern ihres Fachs wurden. Dabei lässt sich das Buch locker lesen und bot mir immer wieder Gelegenheit, auch mein eigenes Leben zu reflektieren.

Dadurch, dass es sowohl objektiv als auch inspirierend sein will, kann es jedoch in beiden Bereichen nicht vollkommen überzeugen: Für eine analytische Betrachtung ist die empirische Fundierung durch einzelne Geschichten sehr erfolgreicher Menschen ein wenig zu einseitig und unbefriedigend. Gleichzeitig hindert die recht nüchterne Sprache und sachliche Perspektive das Buch daran, mich wirklich zu fesseln und ernsthaft zum Denken zu bringen. In der direkten Ansprache an den Leser fehlt Robinson in meinen Augen ein wenig die Leidenschaft, die er aufbringt, wenn er unser Bildungsverständnis im Allgemeinen kritisiert.

In meinem Element bleibt damit ein wirklich lesenswertes Buch, ist jedoch eher eine Kritik am Bildungssystem, als ein Ratgeber zur Persönlichkeitsentwicklung. Da Ken Robinson aber wichtige Dinge über Bildung und Kreativität zu sagen hat, sollte es trotzdem eine Pflichtlektüre für jeden sein, der mit Kindern oder Jugendlichen arbeitet. Wer sich dafür nicht durch ein ganzes Buch arbeiten will, kann sich auch mit den folgenden Vorträgen von ihm einen ersten Eindruck verschaffen:

Ken Robinson says schools kill creativity

Bring on the learning revolution!

Changing Education Paradigms

Jamies 30 Minuten Menüs (Jamie's 30 Minute Meals)

(Dorling Kindersley 2010, 288 Seiten, 9783831018345)

Erfahrene Köche lernen hier, sich besser zu organisieren. Nicht für die schnelle und einfache Küche.

In den letzten vier Wochen habe ich mich mit meiner Freundin durch das neue Buch von Jamie​ Oliver gekocht. Freundlicherweise von Lovelybooks und​ Dorling Kindersley zu Verfügung ​gestellt, ​bietet das Buch, ganz wie es das Cover verspricht, Jamies 30 Minuten Menüs. Der Anspruch ist einfach gestellt aber nicht leicht einzulösen: Komplette Menüfolgen mit meistens zwei Gängen, die nach dem Bereitstellen der Zutaten und dem Vorheizen des Ofens innerhalb von 30 Minuten servierfertig ​sein sollen. Dabei spannt Olilver ein weites Spektrum von einer “Schnellen Hackfleischpfanne” über “Kalbsleber mit Speck” bis hin zu ​”Rotem Thai-Curry mit Riesengarnelen”. Er präsentiert die diese Menüs nicht wie klassische Rezepte, sondern eher in Form einer Küchenchoreografie, in der man immer mal wieder an unterschiedlichen Komponenten arbeitet und dadurch die Zeit optimal nutzen kann. ​Wir haben von den 50 Rezepten fol​gende vier ausprobiert: ​”Hähnchenspieße, besondere Erdnusssauce, scharfer Nudelsalat und Obst mit Minzzucker“, “​Scharfe Salamipizza, dreierlei Salate, Kirschen- und Vanille-Mascarponecreme“, “Hähnchen und Tomaten aus dem Ofen, zerdrückte Bratkartoffeln, Rahmspinat und Erdbeer-Slush” und dann noch “Superschnelle Hackfleischpfanne, ​Ofenkartoffeln, ein Traum von Salat und weiße Bohnen mit Speck“. Alle waren tatsächlich zu zweit relativ schnell zu schaffen, auch wenn wir die 30 Minuten nicht ganz erreicht haben, und bis auf die Salamipizza waren wir beide auch mit dem Geschmack sehr zufrieden.

Den Anspruch, relativ schnelle Menüs zu präsentieren, kann das ​Buch also auf jeden Fall erfüllen. Dabei sind diese Menüs jedoch keineswegs zwangsläufig leicht zu kochen oder mit einfachen, überall erhältlichen Zutaten zuzubereiten. Vielmehr schleichen sich ab und an richtiggehend Nobelzutaten in die Rezepte, die es schwierig machen, sie in den normalen Alltag einzubauen. Das sind dann trotz aller Geschwindigkeit eher vollwertige Festtagsmenüs. ​Die Menüs wirken jedoch allesamt clever zusammengesetzt und – wenn man alle Zutaten mögen würde – extrem appetitlich. Auch die Präsentation gelingt Jamie Oliver äußerst gut: Die Beschreibungen sind knapp aber präzise und beinhalten alles Nötige, während die Fotos einem so richtig das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Zusammen mit den Videos auf Jamies Homepage, ergibt sich ein lohnenswertes Gesamtpaket für Köche mit einer gewissen Erfahrung, die mal einen Eindruck davon bekommen möchten, wie sich auch umfangereichere Menüs durch eine gute Planung der Arbeit in kurzer Zeit zubereiten lassen. Es ist jedoch kein Buch für die “schnelle und einfache Küche”, wie man bei dem Titel eventuell auch vermuten könnte.

und Nudge (Nudge)

(Penguin 2009, 306 Seiten, 978-0-141-04001-1)

Eine Idee, die die Welt verbessern könnte, verpackt in einem etwas zu langen Buch.

Wir haben gerne die Wahl. Viele Möglichkeiten und unterschiedliche Varianten verschaffen uns die Illusion eines freien Willens, denn nur so können wir wirklich die Dinge finden, die unseren Interessen und Bedürfnissen am besten entsprechen. Doch die Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahre sprechen hier eine andere Sprache. Das, was wir freien Willen nennen, ist allerdings wenig mehr als Wunschdenken (siehe dazu auch Denken hilft zwar, nützt aber nichts). Wir lassen uns von der Anordnung der Waren im Supermarkt beeinflussen, verpassen Zinsen, weil wir in die offensichtlich falschen Fonds investieren, und zerstören unsere Umwelt, ohne es zu merken und das nur aus einem Grund: Falsche Voreinstellungen.

Thaler und Sunstein argumentieren, dass wir Menschen stark dazu neigen, bei einmal getroffenen Entscheidungen zu bleiben und sie nur selten zu überdenken. So stellen sie am Beispiel des schwedischen und amerikanischen Rentenversicherungssystems, Organspendeausweisen und anderen Themen dar, wie geeignete Voreinstellungen in der Lage sind, uns zu besseren Entscheidungen zu helfen und unser Leben besser zu machen. Dabei plädieren sie nicht für eine Bevormundung und staatliche Planung, sondern für ein Konzept, das sie “libertärer Paternalismus” nennen. So sollen die Standardwerte und Auswahlmöglichkeiten auf der oberflächlichsten Ebene so beschaffen sein, dass sie es der Mehrheit der Menschen ermöglichen, gute Entscheidungen zu treffen, auch ohne sich in dem spezifischen Bereich besonders gut auszukennen. Für die, die tatsächlich selbstständig komplexe Entscheidungen treffen möchte, solle dies jedoch weiterhin so einfach wie möglich möglich sein. So könnten bei Rentenanlagen drei Fonds mit den Eigenschaften “konservativ”, “ausgeglichen” und “riskant” vorgegeben sein, aber gleichzeitig die Möglichkeit bestehen aus 500 Anlagemöglichkeiten eine eigene Kombination auszuwählen. Diejenigen, die überhaupt keine Entscheidung treffen wollen, könnte dann der “ausgeglichene” Fonds voreingestellt sein. Auf diese Weise bleibt jede Freiheit erhalten, denen, die nicht in der Lage oder Willens sind, eine eigene fundierte Entscheidung zu treffen, bestehen jedoch ebenfalls sinnvolle Auswahlmöglichkeiten.

Wie man vielleicht schon merkt, bin ich von nudge äußerst begeistert. Die Idee der beiden Autoren ist fundiert und überzeugend vorgebracht und spontan fällt mir kein Argument gegen ihren Vorschlag ein. Zudem schreiben sie unterhaltsam, wenn auch ab und an ein wenig trocken. Für den deutschen Leser ist es jedoch schade, dass sich die Beispiele der Autoren verständlicherweise auf die Vereinigten Staaten beziehen. So wird das Buch nach dem extrem spannenden ersten Teil etwas langweiliger, weil die Fallstudien nur illustrativen Charakter haben und sich nicht auf unseren Alltag beziehen. Es bleibt eine extrem gute und überzeugend vorgebrachte Idee, unser Leben besser zu machen.

Unterhaltsame Schilderung der wichtigsten Experimente zu menschlicher Rationalität - allerdings ohne übergreifenden Rahmen.

Wir Menschen haben ein ziemlich positives Bild von uns selber: Wir glauben, dass wir wissen, was wir wollen, dass wir so Leben, wie es unseren Wünschen entspricht und das wir in der Lage sind, objektiv zwischen Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Entscheidungsmöglichkeiten abzuwägen. Mit seinem Buch Denken hilft zwar, nützt aber nichts schickt sich Dan Ariely an, dieses Menschenbild zu erschüttern. Auf knapp 300 Seiten schildert er zahlreiche Mechanismen, die eben dafür sorgen, dass wir (objektiv gesehen) schlechte Entscheidungen treffen, uns von irrelevanten Kleinigkeiten beeinflussen lassen und ganz allgemein nicht sonderlich gut darin sind, unsere Entscheidungsmöglichkeiten einzuschätzen.

Dazu hat Ariely alle wichtigen Experimente, die zu diesem Thema in den letzten Jahren und Jahrzehnten durchgeführt worden sind, zusammengetragen. Er beschreibt sie locker und unterhaltsam und hat damit ein Sachbuch geschaffen, das sich entspannt und schnell durchlesen lässt. Leider macht Ariely in dem Buch nicht viel mehr, als eben diese Experimente locker und unterhaltsam darzustellen. So erfährt man als Leser zwar viel über unsere vorhersagbare Irrationalität, das Wissen bleibt aber irgendwie fragmentarisch und anekdotisch. Es fehlt ein übergeordneter Rahmen, mit dem der Autor diese Einzelerkenntnisse zusammenführen und strukturieren könnte. Und so fehlt für diejenigen, die sich schon etwas länger mit dem Thema beschäftigen, eine neue Idee oder kreative Herangehensweise.

Für alle, die sich in diesem Bereich nicht auskennen, bieten sich die folgenden Vorträge von Dan Ariely als Einstieg in dieses spannende Gebiet an:

Jeder der gerne isst, sollte dieses Buch lesen.

Essen. Obwohl wir Menschen uns noch zu keiner Zeit so viele Gedanken über unser Essen gemacht haben wie heute, gab es noch nie so viele Krankheiten aufgrund falscher und ungesunder Ernährung. Wegweiser und Ratgeber, wie wir uns richtig zu ernähren haben, gibt es heute an jeder Ecke und es gibt wohl kaum eine Zutat oder einen Nährstoff, der noch nicht in den Verdacht geraten ist, krebserregend, fett machend oder entschlackend zu wirken. Michael Pollan schlägt in seinem In Defence of Food einen anderen Weg ein und verspricht einfache Regeln, die unsere Ernährung von dem Problem, das sie für uns aktuell darstellt, wieder zu einer Freunde und einem Genuss zu machen, bei dem Wir uns über Nährstoffe, Vitamine, Kohlenhydrate und Fette keine Gedanken machen müssen und trotzdem unserem Körper genau das geben, was er braucht.

Dabei geht Pollan von einer Beobachtung aus, die dem aktuellen Stand der Ernährungswissenschaft zu widersprechen scheint: Es gibt keine eine perfekte Ernährung. Vielmehr zeigen Untersuchungen der Essensgewohnheiten traditionalen Gesellschaften und von Naturvölkern, dass es eine Unzahl vollkommen verschiedener Ernährungsweisen gibt, die den menschlichen Köper mit allem Notwendigen versorgen: Sei es eine nur auf Fleisch und Tierblut basierende Ernährung oder eine rein pflanzliche. Nur das typisch amerikanische Essen scheint für den Menschen nicht wirklich geeignet zu sein. Er stellt dann auch eine glaubwürdige Argumentation auf, warum wir trotz einer fortschreitenden Wissenschaft und eines immer größeren Ernährungsbewusstseins nicht in der Lage sind, uns vernünftig zu ernähren: So führt der wissenschaftliche Fokus auf einzelne Nährstoffe dazu, dass wir den Blick auf das große Ganze unserer Essgewohnheiten verlieren: Wir ignorieren das komplexe Zusammenwirken verschiedener Stoffe innerhalb der Pflanzen und Früchte, lassen das Zusammenwirken unterschiedlicher Komponenten einer Mahlzeit außer Acht und haben schließlich auch vergessen, dass Ernährung keineswegs ein Problem darstellt, das gelöst werden muss, sondern vielmehr ein Ausdruck von Kultur und Lebensfreude sein kann.

Dabei bringt er einige erschreckende Beispiele, die sich zwar nur auf die USA beziehen, die sich in abgeschwächter Form aber sicher auch auf Europa und Deutschland übertragen lassen. Am meisten beeindruckt hat mich dabei seine Beschreibung, dass heutzutage in den USA von den täglich konsumierten Kalorien mehr als 1500 auf drei Grundstoffe entfallen: Mais, Soja und Weizen. Diese werden in ihre chemischen Bestandteile zerlegt, mit anderen Nährstoffen angereichert und schließlich als vollwertige Lebensmittel verkauft. (Fleisch ist dabei für Pollan durch Tiere weiter verarbeitetes Getreide.) Diese einseitige Ernährung, die das komplexe Zusammenspiel unzähliger – vielleicht sogar noch unbekannter – Nährstoffe in natürlich gewachsenen Lebensmitteln zerstört ist für ihn die zentrale Ursache der Ernährungsmisere in den USA, die mittlerweile auch zunehmend in Deutschland und Europa um sich greift.

In Defence of Food ist für mich ein äußerst wichtiges Buch, weil es eine Perspektive auf unsere Essgewohnheiten aufzeigt, die auf den ersten Blick selbstverständlich scheint, mir aber bislang noch nicht untergekommen ist. Dabei schreibt der Autor sehr unterhaltsam aber gleichzeitig fundiert. Er nimmt den Leser mit auf eine kurze Rundreise durch die Ernährungswissenschaft und die Lebensmittelfabriken und zeigt schließlich auf, wie wir uns wieder enger an den Ernährungsgewohnheiten unserer Urahnen bzw. der Naturvölker orientieren können, ohne dabei zu sehr auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten zu müssen. Die Quintessenz seines Buches fasst er selbst in folgenden “Richtlinien” für gutes Essen zusammen: “Eat food. Mostly Plants. Not too much.” Was es mit den einzelnen Komponenten dieser Regel genau auf sich hat, könnt ihr in diesem äußerst empfehlenswerten Buch selbst herausfinden.

Drive. The surprising truth about what motivates us

(Canongate 2010, 242 Seiten, 978-1-84767-768-6)

Pflichtlektüre für alle, die sich oder andere motivieren müssen.

Eigentlich ist uns doch allen klar, wie die menschliche Motivation funktioniert, oder? Da wir im Grunde einfach hochkomplexe Tiere sind, funktionieren Zuckerbrot und Peitsche auch bei uns: Wenn wir eine Belohnung wollen oder eine Strafe vermeiden, hängen wir uns rein. Wir sind motiviert und konzentriert und können das, was wir machen müssen und machen wollen, schneller und besser erledigen. Dieser allgemeinen Weisheit stellt Daniel H Pink sein Buch Drive entgegen. So zeigt er anhand aktueller psychologischer Forschung auf 80 Seiten auf, warum Belohnungen der Art “wenn… dann…” uns sogar demotivieren. Anstatt uns schneller und besser werden zu lassen, nehmen sie uns den Spaß an der Sache und lassen die Aufgabe zum Mittel zum Zweck werden. Selbst Dinge, die uns Spaß machen und die wir gerne tun, können uns durch Belohnungen und angedrohte Strafen vergrätzt werden. Pink formuliert es folgendermaßen: “Spaß wird durch Belohnungen zu Arbeit.” Belohnungen von Außen überlagern die Motivation, die wir unserer Aufgabe ohnehin entgegenbringen, und höhlen sie aus. Kurzfristig mag das eine Wirkung erzielen, langfristig verdirbt es und jedoch den Spaß.

Auf den Seiten 85 bis 150 zeigt Pink dann, wie der Dreiklang aus Autonomie, Fähigkeiten und Sinn im Mittelpunkt eines neuen “Betriebssystems” für unsere Gesellschaft und Wirtschaft stehen sollte. Nur dann, wenn wir in der Erledigung einer Aufgabe Freiheiten haben, gefordert werden und sie als sinnvoll erachten, sind wir wirklich nachhaltig motiviert und erbringen langfristig unsere beste Leistung. Externe Anreize – wie beispielsweise das Gehalt -  haben in diesem System nur die Aufgabe, uns von den wichtigsten Sorgen zu befreien und es uns zu ermöglichen in einer Form unserer Arbeit zu widmen, die uns glücklich macht.

Am Ende des Buches folgen dann verschiedene Listen und Zusammenfassungen, die es erleichtern sollen, die Ideen des Autors in den persönlichen und den Arbeitsalltag zu integrieren.

Mit hat Drive sehr gut gefallen, weil es Pink gelingt, seine Idee fundiert und klar zu vermitteln. Er bleibt dabei nicht auf der abstrakt-wissenschaftlichen Ebene stehen, sondern gibt auch praktische Tipps und Hinweise, welche Konsequenzen sich aus den Erkenntnissen ziehen lassen. Dabei schreibt er unterhaltsam und spart nicht mit gut gewählten Beispielen. Wie viele Bücher dieser Art bietet Drive jedoch kaum noch Abwechslung, wenn man seine Ideen einmal verstanden hat. Mit nur 150 Seiten ist der reine Textteil jedoch angenehm kurz, sodass das in diesem Fall kaum ins Gewicht fällt. Inhaltlich hat mich Drive zudem sehr an das ebenso empfehlenswerte first, break all the rules von Curt Coffman und Marcus Buckingham erinnert.