Alle Kritiken aus dem Genre Kinder & Jugend

A
& Die Maus im Vogelhaus
B
Dein Start in die 1. Klasse
D
Diktatur der Stille (Stolen Voices)
E
Perfect Copy
K
Das musst du in der 2. Klasse wissen - Schreiben und Lesen
M
Hier bei uns in Ammerlo
N
Das geheimnisvolle Drachentreffen
S
Die Entdeckung des Hugo Cabret (The Invention of Hugo Cabret)

Alle Berichte zum Genre Kinder & Jugend

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Perfect Copy

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(Bastei Lübbe 2002, 221 Seiten, 3404243439)

Lesenswertes und gut geschriebenes Jugendbuch mit einer Fülle wichtiger Themen und spannender Ideen.

Mal wieder ein deutscher Roman, der irgendwo in der schwäbischen Provinz spielt und mal wieder ein Buch, das mich voll und ganz überzeugen konnte. Von Andreas Eschbach hatte ich aber ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet. Allerdings war es der erste Jugendroman, den ich von ihm gelesen hab und daher wusste ich natürlich nicht, ob er die genauso gut drauf hat, wie Erwachsenenbücher. Und jetzt kann ich sagen: hat er.

Wolfgang ist ein ganz normaler Schüler in einer schwäbischen Kleinstadt. Doch vor einigen Wochen hat ein kubanischer Wissenschaftler angekündigt vor 16 Jahren einen Menschen geklont zu haben und daran soll auch ein deutscher Kollege beteiligt gewesen sein. Das ist zwar das Thema im Ort und der Schule, aber es scheint doch alles recht weit entfernt – bis Gerüchte aufkommen, dass Wolfgangs Vater, selbst Mediziner, den kubanischen Wissenschaftler in der fraglichen Zeit gekannt hat. Und dann findet Wolfgang auch noch heraus, dass seine Eltern vor 16 Jahren keineswegs in Spanien im Urlaub waren. Dazu kämpft Wolfgang mit seinem Instrument, dem Cello, und dem Ehrgeiz seiner Eltern.

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Es geht Eschbach um das Klonen von Menschen auf der einen Seite und Außenseitertum und Anders-Sein auf der anderen. So zeigt er sehr plastisch auf, wie Wolfgang ganz schnell durch die Gerüchte zum Paria wird, mit dem niemand zu tun haben will, und wie nur seine Mitschülerin Svenja sich auf seine Seite schlägt. Dabei ist mir allerdings nicht ganz klar geworden, welche Rolle Svenja eigentlich übernehmen sollte, außer dass eine Jugendgeschichte natürlich nicht ohne eine erste Liebe auskommen kann. Davon abgesehen ist der erste Teil ein äußerst gut geschriebenes, aber recht einfaches Jugendbuch, das aber an sich schon die Lektüre wert wäre. Richtig Pfiff bekommt das Buch dann aber ab der Mitte, wo es sich seinem eigentlichen Thema zuwendet: Talent und Leidenschaft. Dazu kann ich hier leider nicht allzu viel sagen, ohne zu spoilern, aber so viel sei gesagt: Der Ehrgeiz von Wolfgangs Eltern bezüglich seines Cellos hat einen ganz besonderen Grund.

Individualität? Bloß nicht!

Erster Satz: “Ich wünschte, Miri wäre hier.”

Aus dem einwöchigen Urlaub an der Nordsee habe ich neben einigen dort gelesenen auch ein dort gekauftes Buch mitgebracht: Die Diktatur der Stille von Ellen Dee Davidson. Darin geht es um die fünfzehnjährige Miri, die in einer “perfekten” Welt lebt. Jeder Einwohner bringt sich seinen Interessen und Fähigkeiten nach in die Gesellschaft ein und wird auf der Grundlage seiner Talente gefördert. Durch das Ritual des “Maskierens” werden die Jugendlichen zu vollständigen Mitgliedern der Gesellschaft, dabei präsentieren sie auch ihr spezielles Talent, das sie von nun an in den Dienst der Gesellschaft stellen. Auch Miris Jahrgang steht kurz vor der Maskierung, doch sie hat ein gewaltiges Problem: Sie hat ihr Talent noch nicht finden können. Als sie dann das Ritual der Maskierung heimlich beobachtet und dabei entdeckt wird, bleibt ihr nur die Wahl, sich ohne Talent als Hausdienerin maskieren zu lassen, oder aus der Stadt zu fliehen.

In meinen Augen spricht es sehr für ein Jugendbuch, wenn man es auf den ersten Blick nicht als solches erkennt. Das sehr schön gestaltete Cover und der Klappentext haben mich einfach überzeugt, und erst nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, habe ich dann bemerkt, dass ich nicht mehr zu der eigentlichen Zielgruppe des Buchs gehören dürfte. Das ändert aber nichts daran, dass mir die Lektüre von Diktatur der Stille sehr viel Freude bereitet hat. Es ist eine kleine Welt, die die Autorin hier beschreibt und von der sie dem Leser auch wiederum nur einen kleinen Ausschnitt präsentiert, aber dieser ist äußerst gut gewählt und spannend und unterhaltsam beschrieben. Dabei steht vor allem Miri im Mittelpunkt, die große Hoffnung der Eltern, die sich jedoch als “schwarzes Schaf entpuppt, weil sie sich nicht in die von der Gesellschaft vorgegebenen Rollenmuster einpassen will. Alle anderen Charaktere bleiben zwar ein wenig blass, sind jedoch glaubwürdig in die Geschichte eingebunden.

Thematisch dreht sich Davidsons Buch um die Erwartungen, die die Gesellschaft und wir Erwachsenen an unsere Kinder stellen: Wir gehen davon aus, dass sie die Welt ebenso verstehen wie wir, dass sie die etablierten Strukturen akzeptieren und sich mit dem Status Quo zufriedengeben. Wir wollen, dass sie ihre Talente entwickeln und sie in den Dienst der Gesellschaft – oder besser unseren Dienst – stellen. Dass dabei Individualität und Kreativität auf der Strecke bleiben und riesige Potenziale ungenutzt bleiben, ist uns egal: Bloß nicht an der Welt rütteln, in der wir es uns so behaglich eingerichtet haben.

Zitat: “Ich verleihe dir diese Maske, damit sich die Stimme deines Talents den Bedürfnissen unserer Gemeinschaft anpasst und nicht so stark wird, dass wir sie nicht mehr ertragen können.”

Bei The Bookseller bin ich über eine interessante Neuigkeit des bekannten Thrillerautors John Grisham gestolpert: Nachdem sich Grisham mit Die Farm oder Das Fest schon häufiger von seinen klassischen Gerichtsthrillern entfernt hat, hat er mit dem Verlag Hodder & Stoughton nun einen Vertrag über zwei Familienromane abgeschlossen, die sich in erster Linie an 9 bis 12-Jährige richten sollen.

Dabei kann er sein Leib und Magen Thema jedoch nicht verleugnen, denn die beiden zusammenhängenden Romane – eine weitere Premiere für Grisham – begleiten den 13-jährigen Theodore Boone, der unfreiwillig in die Gerichtverhandlung eines Mordes verwickelt wird.

Der erste Band ist auf Englisch für den 10. Juni dieses Jahres angekündigt, Teil zwei steht dann im nächsten Jahr auf dem Programm.

(Quelle: Hodder signs “family” series by Grisham)

Das geheimnisvolle Drachentreffen

(Baumhaus 2004, 162 Seiten, 3-833-93531-6)

Ein spannendes Buch für kleine Ritter und echte Drachenfreunde - egal ob Mädchen oder Junge.

Auf der Burg Rülps ist in diesen Tagen so einiges los. Ururgroßtante Cecilia kommt zu Besuch und verschwindet alsbald wieder, weil sich ihre Feuerspinne Edeltraud, kurz Edli genannt, aus dem Staub gemacht hat. Ein ziemlich skurriler Lehrer rezitiert ein Minnegedicht nach dem anderen und schließlich besucht auch noch der eigentümliche Professor Armin Skrump mit seinem merkwürdigen Gefolge die Gemäuer des getreuen Ritters Rülps. Klar, dass dieser erst einmal die Flucht ergreift und seine Tochter Anabel und deren Freund Lorenz allein zurück lässt. Dabei haben die beiden Kinder ganz andere Dinge vor. Anabel nämlich hat sich in den Kopf gesetzt, den Drachen das Sprechen beizubringen, das ist nämlich bislang noch keinem Drachenforscher gelungen. Kaum eine Zeit eignet sich besser für dieses Vorhaben als der Zeitpunkt der großen Drachenversammlung, die Jahr für Jahr im Spinnental stattfindet. Doch nicht nur Anabel und Lorenz sind auf der Suche nach diesem bislang noch unbekannten Treffpunkt der Drachen, sondern auch Professor Skrump. Er möchte ein Ei für „noch geheime Forschungen“ an sich bringen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, und schon auf dem Weg ins Spinnental erleben die beiden Kinder eine Menge Abenteuer. Und wer hätte es gedacht: das geheimnisvolle Treffen der Drachen hat nur einen Sinn. Die großen Ungeheuer tragen Jahr für Jahr einen Dichterwettstreit aus, bei dem übrigens auch der große deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe mit einem, wenn auch arg zusammengeschrumpften Gedichts, zu Worte kommt.

Sehr spannend hat Cornelia Neudert ihre Geschichte von mutigen kleinen Rittern und Drachen, von Spinnen und skrupellosen Forschern erzählt. Besonders interessant ist dabei, dass es ihr gelungen ist, kein reines Mädchenbuch und kein reines Jungenbuch zu schreiben, sondern eine Mischung gefunden hat, die beide Geschlechter ansprechen kann. Geeignet ist das Buch für Kinder ab acht Jahren zum Selberlesen. Vorlesen kann man die 22 Kapitel natürlich auch schon einer jüngeren Kinderschar ab etwa fünf Jahren. Für die bildliche Gestaltung sorgten Karin Schliehe und Bernhard Mark.

Ein hinreißendes Buch über eine richtig freche Kinder-Clique.

Sie sind eine richtig eingeschworene Bande: Luisa, der kleine Lukas, der große Aik und seine Schwester Levke, die nichts weiter im Sinn hat, als überall dort, wo sie geht und steht, Blumen für ihren Garten aus dem Boden zu buddeln. Die Kinder leben auf Ammerlo, einer kleinen Insel, die nicht mehr als drei Straßen hat und eine Brücke, die das Eiland mit dem Festland verbindet. Natürlich kennt auf Ammerlo ein jeder jeden: dort gibt die Brückenwärter Steuerbord und Backbord – haben die überhaupt richtige Namen? – den Griesgram, ein paar Elternteile und natürlich Herrn Moosbach, Luisas Hund. Eines Tages geschieht eine kleine Sensation: Ammerlo bekommt eine neue Bewohnerin. Sie heißt Mandy, ist etwa so alt wie Luisa – und die kann den Neuankömmling anfangs gar nicht leiden. Was soll man auch von einem Mädchen halten, dass nicht auf Bäume klettern kann und keine Fische essen mag!? Wenn man es genau nimmt, dann kann Ammerlo jetzt sogar auf zwei neue Bewohner blicken, denn Mandy, die zuvor in Frankfurt lebte, hat doch tatsächlich noch ihren fetten Hasen Erik mitgebracht, der eigentlich gar kein Hase, sondern ein Kaninchen ist. Nun ja, irgendwann legen die beiden Mädchen ihre Rivalitäten – beinahe – ab und werden Freundinnen, die gemeinsam mit der ganzen Clique auf der Insel so manches Abenteuer zu bestehen haben. Dass so manches Kind dabei einmal ins Wasser fällt, dürfte jeder erahnen, der schon einmal an der Nord- oder Ostsee Urlaub gemacht hat. Immerhin finden die Kinder ein kleines Boot, dass sie auf Vordermann bringen und zu Wasser lassen.

Wer in das kleine Örtchen Ammerlo eintaucht, fühlt sich schnell an Astrid Lindgrens „Ferien auf Saltkrokan” erinnert. Die Abenteuer von Luisa, Mandy, Aik und Lukas sind ähnlich gelagert wie die von Pelle, Tjorven und Stina, die Kindergenerationen glücklich gemacht haben. Und nicht ganz unabsichtlich gibt Antonia Michaelis, die junge Autorin des Ammerlo-Buches, selbst einen Hinweis auf die schwedische Erfolgsstory. Selbst der Hund, bei Lindgren heißt er “Bootsmann”, bei Michaelis “Herr Moosbach”, ist auf Ammerlo immer dabei. „Hier bei uns in Ammerlo” ist ein Buch für Kinder ab acht Jahre, die Lust auf Abenteuer haben und schon selbst lesen können. Es ist aber auch ein Buch, dass beim Vorlesen einer jüngeren Altersgruppe viel Freude bereiten kann. Doch es ist nicht nur der Spaß, der im Vordergrund der Geschichte steht. In einer “Nebenstory” wird die Geschichte des kleinen Lukas erzählt, der von seiner Mutter verlassen wurde und sich von seinem Vater verlassen fühlt. Und dann macht er sich eines Tages ganz alleine auf den Weg, die Mutter zu suchen… Die Schriftstellerin Antonia Michaelis hat ihr neuestes Buch, dass bei Loewe erschienen ist, den Kindern von Wieck gewidmet. Sie selbst wurde in Kiel geboren und schreibt seit frühester Jugend. In Augsburg aufgewachsen lebt Antonia Michaelis heute – nach zahlreichen Auslandsreisen – wieder im Nordosten der Republik und studiert Medizin. Ganz “nebenbei” schreibt sie erfolgreich Kinderbücher. Bei Loewe sind unter anderem erschienen Das Adoptivzimmer, Der kleine Quengel-Engel oder Pizzakrise.

und Die Maus im Vogelhaus

(Kerle bei Herder 2005, 43 Seiten, 3-451-70556-7)

Viele kleine anrühernde Minutengeschichten für das Vorleseritual am Abend.

Keine Zeit zum Vorlesen? Dieses Argument gilt nicht mehr: Christine Merz legt mit ihrem Buch Die Maus im Vogelhaus 18 kleine Geschichten vor, die jeder Erwachsene – und sei er noch so im Stress – kurz vor dem zu Bett gehen seinem Kind vorlesen kann. Geschichten zum Liebhaben hat die Autorin das Buch im Untertitel genannt und es fällt gar nicht schwer die “tierischen” Protagonisten der einzelnen kleinen Erzählungen lieb zu gewinnen. Allzu menschlich sind oft ihre Angewohnheiten: die Ente ist unzufrieden mit ihrem Aussehen, der kleine Elefant fühlt sich groß und stark und der junge Amselmann ist wasserscheu – zumindest so lange bis die schöne Amselfrau in sein Leben tritt.

Keine der Geschichten von Christine Merz ist länger als eine Buchseite. Die Zeichnungen, die jeweils auf der gegenüberliegenden Seite die Geschichte begleiten, sind natürlich inhaltlich auf das Erzählte abgestimmt. Hier hat Anke am Berg viel Liebe zum Detail bewiesen und aus jedem “tierischen Schützling” eine kleine Persönlichkeit gemacht. Genau so stellt man sich die Haselmaus vor, die in der ersten und der letzten Geschichte dieses Buches auf der Suche nach einem Winterquartier ist und als einziges Tier gleich zweimal eine Erwähnung findet – und so den Kreis der Erzählungen schließt.

Schulbegleitend können Kinder vom zweiten Schuljahr an mit diesem Buch ihr Wissen auf spielerische Art und Weise vertiefen.

Einzahl, Mehrzahl, Reime, bestimmter und unbestimmter Artikel, Tunwörter und Namenwörter – Kinder in der zweiten Klasse haben ein großes Lernpensum zu bewältigen. Wer zu Hause als Vater oder Mutter unterstützend helfen möchte, der findet in dem von Peter Kohring zusammen gestellten Arbeitsbuch Fit für die Schule – Das musst du in der 2. Klasse wissen eine hilfreiche Unterstützung. Anhand von ansprechenden Cartoons lernen die Grundschüler übersichtlich nach Themen geordnet den Lernstoff, der nun in der zweiten Klasse verlangt wird. Fehler zu machen ist dabei durchaus erlaubt – und wer sich nicht sicher ist, der schlägt im hinteren Lösungsteil die richtige Antwort einfach nach. Werden die Übungsaufgaben mit Bleistift beantwortet, so kann man ohne Probleme die falsche Antwort ausradieren und es noch einmal versuchen. So kann Lernen richtig Spaß machen und sehr effektiv sein.