Alle Kritiken aus dem Genre Historie

A
Ayla und der Clan des Höhlenbären (The Clan of the Cave Bear)
B
Seeing Further (Seeing Further)
C
Das Mädchen mit dem Perlenohrring (Girl with a Pearl Earring)
Sei geweiht der Hölle (Fortune Like the Moon)
 Wer ohne Schuld ist (Girl in a Red Tunic)
Der große Eisenbahnraub (The Great Train Robbery)
 Schwarze Nebel (Eaters of the Dead)
Die Päpstin (Pope Joan)
E
Baudolino (Baudolino)
 Der Name der Rose (Il nome della rosa)
 Die Insel des vorigen Tages (L'isola del giorno prima)
F
Die Kathedrale des Meeres (La Catedral Del Mar)
Die Leopardin (Jackdaws)
 Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune)
 Die Pfeiler der Macht (A Dangerous Fortune)
 Die Säulen der Erde (The Pillars of the Earth)
 Mitternachtsfalken (Hornet Flight)
 Sturz der Titanen (Fall of Giants)
G
Der Mann, der das Geld erfand (The Moneymaker)
Der Medicus (The Physician)
 Der Schamane (Shaman)
Der weiße Knochen (The White Bone)
Rausch (Signal & Noise)
Das Theorem des Papageis (Le théorème de perroquet)
Der Alchimist des Kaisers
I
Als wir Waisen waren (When We Were Orphans)
J
Der schwarze Pharao (Le Pharaon Noir)
 Der Sohn des Lichts (Le fils de la lumière)
 Der Sohn des Lichts (La fils de la lumière)
 Die Stätte der Wahrheit
Der Rechenmeister
K
Die Farbe Blau
Die Vermessung der Welt
Wahnsinn, der das Herz zerfrisst
Die Wandlungen des Pran Nath (The Impressionist)
L
Wenn die Nacht am tiefsten
M
Die Reisen des Herrn Baldassare (Le périple de Baldassare)
Rungholts Ehre
Die Todgeweihte
N
Das Montglane-Spiel (The Eight)
R
Galileo’s Dream von Kim Stanley Robinson (Galileo's Dream)
S
Tod im Apothekerhaus
Das Rätsel des Philosophen (La caverna de las ideas)
T
Nur der Tod bringt Vergebung (Absolution by Murder)
 Die Tote im Klosterbrunnen (The Subtle Serpent)

Alle Berichte zum Genre Historie

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Sturz der Titanen (Fall of Giants)

, Teil 1

(Lübbe 2010, 1024 Seiten, 978-3-7857-2406-4)

Mehr erzählte Geschichte als historischer Roman, aber die 1000 Seiten lohnen sich auf jeden Fall.

Sturz der Titanen von Ken FollettErster Satz: An dem Tag, als George V. in der Westminster Abbey den Thron bestieg, fuhr Billy Williams zum ersten Mal in die Grube von Aberowen ein.

Ken Follett ist sicherlich einer der großen Unterhaltungsautoren unserer Zeit. Angefangen bei seinen Spionage-Romanen (z.B. Die Nadel oder Die Leopardin) über aktuelle Thriller (Die Kinder von Eden oder Der dritte Zwilling) und natürlich historische Romane (Die Säulen der Erde, Die Pfeiler der Macht) ist er in vielen Genres zuhause. Mein persönlicher Favorit sind jedoch seine historischen Romane und Die Säulen der Erde gehört immer noch zu  meinen absoluten Lieblingsbüchern. Daher war ich sehr froh, als auf der Homepage von Lübbe die Ankündigung seines neuesten Romans auftauchte: Ein farbenprächtiges Porträt der europäischen Geschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Nachdem das Rezensionsexemplar (herzlichen Dank dafür an Lübbe) schon kurz vor dem Erscheinungstermin im Briefkasten lag, hat mich ein spontaner Masernausbruch leider daran gehindert, mich sofort in die Seiten zu vertiefen. Diese Woche war ich dann zwar immer noch krank, aber fit genug, um mich von Follett hundert Jahre in die Vergangenheit entführen zu lassen.

In diesem Wälzer nimmt sich Follett ein paar europäische Familien und Figuren und schickt sie durch die Entstehung, den Verlauf und die Nachwehen des Ersten Weltkriegs. Da er dabei sowohl deutsche, als auch britische, russische und amerikanische Figuren in den Mittelpunkt rückt, kann er den Leser an die Hand nehmen und durch die geschichtlichen Ereignisse dieser Zeit führen: Da ist der britische Earl, für den Krieg eine Frage der britischen Ehre und des Bestandes des Empires ist, der walisische Bergmann, der als Soldat in den Schützengräben Frankreichs und Belgiens kämpft, der russische Arbeiter, der zu einem Vorkämpfer der Oktoberrevolution wird und der deutsche Offizier, der gegen den Willen seines erzpreußischen Vaters eine geheime Beziehung zu einer Engländerin (der Schwester des oben erwähnten Earls) unterhält. Ach ja, nicht zu vergessen, die Schwester des Bergarbeiters, die von besagtem Earl geschwängert wird und beginnt, für die Rechte der Frauen einzutreten, der junge Berater des amerikanischen Präsidenten und der russische Emigrant, der sich in den USA mit einer zwielichtigen Familie einlässt. So hat Follett ein buntes Repertoire an Figuren, die es ihm ermöglichen, den Leser sowohl zu den Friedensverhandlungen in Versailles als auch in die Hinterzimmer der russischen Revolution und die inoffiziellen Empfänge der britischen Aristokratie mitzunehmen.

Trotz dieser vielversprechenden Ausgangsposition und seinen Fähigkeiten, eine Geschichte zu erzählen, hat mich Follett mit Sturz der Titanen nicht restlos überzeugen können: Zu deutlich scheint in dem Roman durch, dass die Figuren in erster Linie dazu da sind, den Leser an die entscheidenden Stellen der Geschichte mitzunehmen. Auf diese Weise wirkt der Roman oft eher wie ein sehr gut und sehr unterhaltsam geschriebenes Geschichtsbuch als wie ein “echter” Roman. Auch dass Follett seine Hintergründe außerordentlich gut recherchiert hat und selbst schreibt: “Entweder ist die Szene so geschehen, oder sie hätte so geschehen können.” weist darauf hin, dass hier wenig dichterische Freiheit zu finden ist. Dadurch wird die Handlung leider sehr vorhersehbar, da sich Follett auf die historischen Ereignisse konzentriert und seine Figuren doch über weite Strecken ein wenig stiefmütterlich behandelt. Auch sind es für meinen Geschmack zu viele Zufälle, die die unterschiedlichen Personen im Laufe des Romans und der Geschichte immer wieder aufeinandertreffen lassen.

Gleichzeitig gelingt es ihm jedoch, die Atmosphäre der Zeit hervorragend einzufangen: Angefangen bei seinem stimmungsvollen Einstieg mit einer Schilderung des Lebens in einer walisischen Bergbausiedlung bis hin zu sprachlichen Besonderheiten, die er seinen Figuren verpasst. Gerade die Zeit, in der sich der Krieg anbahnt, obwohl ihn eigentlich niemand so wirklich will, ist mir in einigen Szenen ein Schauer über den Rücken gelaufen, weil ich eben schon wusste, dass alle Hoffnung auf eine friedliche Lösung vergeblich sein wird. Hier setzt dann der Titanic-Effekt ein: Jeder weiß, wie es ausgeht doch trotzdem – oder gerade deswegen – kann man das Buch kaum aus der Hand legen.

Insgesamt kann ich Sturz der Titanen jedem empfehlen, der sich für Geschichte interessiert und der gerne gut recherchierte historische Romane liest. Das Buch ist jedoch in einen meinen Augen eher eine erzählte Geschichte als ein typischer historischer Roman, liefert aber eine spannende und detaillierte Beschreibung des Ersten Weltkriegs, seiner Entstehung und seiner Konsequenzen.

BC Challenge-Banner Das Buch war für mich gleichzeitig der erste Schritt auf der Challenge Der Geschichte auf der Spur (meine Leseliste) und ich kann damit die Station Erster Weltkrieg abhaken.

Als ich das klassische Werk von Ken Follet vor fast 10 Jahren das erste Mal gelesen habe, haben mich die Geschichte, die Atmosphäre und die Charaktere umgehauen und wie im Nu verflogen die immerhin 983 englischen Seiten. Gerade habe ich gesehen, dass das Mammutwerk in den USA jetzt verfilmt worden ist. Seit dem 23. Juni läuft hier eine achtstündige Miniserie.

Ich hoffe mal, dass die Serie möglichst schnell auch ihren Weg nach Deutschland findet (und sei es als DVD-Import), auch wenn ich nicht verhehlen kann, dass ich skeptisch bin, ob die Verfilmung ihrem genialen Vorbild gerecht werden kann. Auch die kongeniale Hörspielversion des WDR von 1999 hat mich hier wahrscheinlich sehr verwöhnt.

Wenn ihr euch selber ein Bild machen wollt, gibt es natürlich eine aufwändig gestaltete offizielle Homepage und bei BSCReview weitere Ausschnitte.

Rungholts Ehre

, Teil 1

(Blanvalet 2006, 544 Seiten, 798-3-442-36310-0)

Der Roman erweckt das Lübeck der Hansezeit zu prächtigem Leben und entwickelt eine extrem glaubwürdige Atmosphäre.

Nachdem ich letztes Jahr drei Wochen in Lübeck gewohnt habe, konnte ich mir dieses Buch, das die spannende Geschichte dieser Stadt zu neuem Leben erweckt, nicht entgehen lassen:

Zum Ende des 14. Jahrhunderts ist Lübeck eine der wichtigsten Städte Europas. Im Zentrum der Hanse treffen sich die Handelswege aus London, Brügge, Nowgorod und Visby. Rungholt ist ein angesehener Händler Lübecks, dessen Tochter Mirke bald mit dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt verheiratet werden soll. Doch dann taucht ein Toter in der Trave (dem wichtigsten Fluss in Lübeck) auf und Daniel, Rungholts Lehrling und Mirkes Sandkastenfreund, wird verdächtigt, den Unbekannten im Streit nach einem Spiel erschlagen zu haben. Doch Rungholt ist von der Unschuld seines Lehrlings überzeugt und versucht herauszufinden, was in dieser Nacht tatsächlich geschah. Durch seine Ermittlungen löst er dabei nicht nur einen Brandanschlag, sondern auch weitere Morde aus.

Historische Romane stehen bei mir ja schon lange im Regal aber mit historischen Krimis habe ich bislang nicht allzu viel anfangen können. Mit Rungholts Ehre von Derek Meister hat das jetzt definitiv ein Ende gefunden, denn selten habe ich einen geschichtlichen Ort beim Lesen eines Buches dermaßen deutlich vor meinem inneren Auge gesehen. Meister schildert das lebendige und mächtige Lübeck der Hansezeit extrem glaubwürdig und plastisch. Das erreicht er unter anderem dadurch, dass er historisch korrekte Bezeichnungen verwendet und so finden sich die Figuren nicht in einer einfachen “Schreibkammer” wieder, sondern in einer “Dornse” – die Schreibstube in der Diele, die durch die Feuerstelle in der Küche mitgeheizt wird. Hat man die Begriffe einmal im Glossar nachgeschlagen, schaffen sie eine wunderbare Atmosphäre. Auch die Figuren des Romans wissen zu überzeugen: Da sind Rungholt, der seine Tochter liebt, es ihr aber nicht zeigen kann, die junge Mirke, der von der nahenden Hochzeit graut und Daniel, der im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartet. Voller Verzweiflung erleben sie, wie sich Stadt und Schicksal immer mehr gegen sie wenden.

Vor dem Hintergrund dieser dichten Atmosphäre diente die Krimihandlung für mich in erster Linie als Alibi, um den Leser durch die Stadt zu führen, obwohl sie geschickt und überraschen konstruiert ist. Dadurch, dass Meister sie an eine Verschwörung koppelt, die mit den Vitalienbrüdern (im Roman oft “Serovere” genannt) und dem Krieg zwischen Dänemark und Mecklenburg zusammenhängt, erfährt der Leser hier auch einiges über die größeren politischen Zusammenhänge.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die weiteren Bände um Rungholt meine Begeisterung halten können, weil ich nicht weiß, wie viel Neues Meister in den weiteren Romanen noch über Lübeck auspacken kann. Wenn es ihm aber gelingt, mich auch im zweiten und dritten Band weiter so positiv überraschen, kommt diese Reihe sicherlich in die Liste meiner All-Time-Favourites.

Ein herzlicher Dank geht an den Blanvalet-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Schwarze Nebel (Eaters of the Dead)

(Avon 2006, 291 Seiten, 978-0-06-089156-5)

Interessante arabische Reiseberichte aus Skandinavien.

Ahmad Ibn Fadlan wird im Jahr 922 als Gesandter des Kalifen von Bagdad zum König der Bulgaren geschickt. Dort treffen er und seine Begleiter auf eine Gruppe Skandinavier und reisen mit ihnen nach Nordeuropa.

Ahmad schreibt in seinen Reiseberichten über ihre Erlebnisse bei den Nordmännern, deren Sitten und Gebräuche und ihre Angst vor den Monstern aus dem Nebel. Später stellt sich heraus, dass die Skandinavier Ahmad und seine Begleiter mitgenommen haben, weil sie laut einer Weissagung einen dreizehnten fremdländischen Kämpfer brauchten.

Wie Crichton in der Einleitung schreibt, ist Eaters of the Dead entstanden aus der Übersetzung eines bruchstückhaft überlieferten Manuskripts, was man der Sprache auch deutlich anmerkt. Es steht für mich außer Zweifel, dass es sich um spannenden Stoff handelt, der zudem aus einer ungewöhnlichen und äußerst interessanten Perspektive geschrieben ist. Leider ist die Erzählung aber doch recht holprig und teilweise, besonders gegen Ende, etwas zäh. Ein solcher Reisebericht lässt außerdem leider an manchen Stellen etwas wenig Raum für Spannung.

Der Autor schreibt ein erklärendes Vor- und Nachwort sowie viele interessante und erläuternde Fußnoten, wo er sich jedoch nach eigenem Bekunden selbst über den Wahrheitsgehalt nicht immer im Klaren ist.

Eaters of the Dead war 1976 eines der ersten Bücher Crichtons, und wenn es mir auch ganz gut gefallen hat, hat der Autor sich mit späteren Werken noch deutlich gesteigert.

Zum neuen historischen Roman von Titus Müller, Die Jesuitin von Lissabon, gibt es jetzt vom aufbau Verlag einen gut gemachten Trailer:

(Quelle)

(Via: titusmueller.de)

Eine irische Nonne und Rechtsgelehrte ermittelt in einem Mordfall.

Schwester Fidelma von Kildare, irische Nonne und irische Staatsanwältin untersucht im Jahr 666 ein von Mannschaft und Ladung verlassenes gallisches Handelsschiff, das vor der Küste treibt, als sie einen weiteren Fall übertragen bekommt. In der Abtei “Der Lachs aus den drei Quellen” wurde eine junge Frau ermordet am Brunnenseil hängend gefunden. Bei ihren Ermittlungen in und um die Abtei findet Fidelma undurchsichtige Verhältnisse vor, und die Äbtissin wird immer mehr zu ihrer Hauptverdächtigen. Dass Fidelma bei ihren Ermittlungen fast von einem Bogenschützen niedergestreckt wird, macht ihr den Fall auch nicht sympathischer.

In den ersten paar Kapiteln hat mich Die Tote im Klosterbrunnen noch nicht überzeugt, aber dann entwickelt sich doch recht schnell eine spannende und gut erzählte Geschichte. Der Autor hat mit einer sehr intelligenten und sympathischen Hauptfigur eine interessante Erzählperspektive gewählt, eine irische Nonne und Rechtsgelehrte des 7. Jahrhunderts findet man sonst wohl nur selten als Hauptfigur eines Kriminalromans. Mit einer kurzen historischen Einleitung und einer Karte der Region Munster im 7. Jahrhundert gibt der Autor – selbst Historiker – dem Leser eine gute Einordnung der folgenden fiktiven Handlung, deren Hintergründe historisch fundiert scheinen. Gut gefallen hat mir, dass der Autor (und auch der Übersetzer) keltische Begriffe nach einmaliger Erläuterung stehen lässt und nicht auf Biegen und Brechen übersetzt. Insgesamt macht Die Tote im Klosterbrunnen Lust auf mehr Romane aus Tremaynes Reihe über Schwester Fidelma, aus der ich sonst erst Absolution by Murder kenne.

Historischer Kriminalroman über eine irische Nonne und Rechtsgelehrte.

Im Jahr 664 findet ein Treffen zwischen keltischen und römischen Kirchenvertretern statt, wo der König von Northumbria über die religiöse Zukunft seines Volkes entscheiden wil. Das Treffen beginnt mit dem Mord an Äbtissin Étain, eines Mitglieds der keltischen Fraktion. Um den Fall unparteiisch aufklären zu lassen, beauftragt König Oswy die irische Nonne und Rechtsgelehrte Schwester Fidelma von Kildare, zusammen mit Bruder Eadulf aus der römischen Fraktion den Mord aufzuklären. Fidelma hält sich auch in der Fremde an die Grundsätze ihrer Tätigkeit als Advokatin der irischen Gerichtsbarkeit und nimmt mit Eadulf die Ermittlungen auf. Die beiden kommen gut miteinander klar und überwinden die Steine, die ihnen bei den Ermittlungen in den Weg gelegt werden, können aber einen zweiten Mord nicht verhindern.

Mit Schwester Fidelma, einer irischen Nonne und Rechtsgelehrten des 7. Jahrhunderts, hat Tremayne eine sehr interessante Figur geschaffen. Die Hauptfigur hat hier einen spannenden Fall zu lösen, den der Autor in einen interessanten historischen Roman verpackt hat. Da wohl die meisten Leser (mich eingeschlossen) mit dem historischen Hintergrund nicht vertraut sein dürften, stellt der Autor eine kurze Einführung voran, wo er allerdings klarer zwischen historischen Fakten und der Biographie seiner fiktiven Hauptperson hätte trennen können. Absolution by Murder ist mein erste Buch aus der Reihe über Schwester Fildelma, und es macht Lust auf mehr.