Alle Kritiken aus dem Genre Fantasy

A
The Dragon’s Path von Daniel Abraham (The Dragon's Path)
B
Die Sonate des Einhorns (The Unicorn Sonata)
Das Orakel von Oonagh (La Prophétie des Pierres)
C
Sonea - Die Hüterin (The Ambassador's Mission)
 Sonea – Die Heilerin (The Rogue)
F
Der unsterbliche Prinz (The Immortal Prince)
G
& Ein gutes Omen (Good Omens)
Ein Magier in Nöten (Malady of Magicks)
Barry Trotter und die schamlose Parodie (Barry Trotter and the Shameless Parody)
H
Die Elfen
Wolfsherz
 Wolfsherz
I
Die Träume des Jonathan Jabbok
K
Der Wanderer von Deverry (Daggerspell)
 Die Ausgestoßenen von Deverry (Darkspell)
 Dämmerung über Deverry (The Bristling Wood)
 Der Magier von Deverry (The Dragon Revenant)
 Zeit der Verbannung (A Time of Exile)
 Zeit der Omen (A Time of Omens)
Als die Gletscher schmolzen
L
Wolfskrieger (Wolfsangel)
Wächter der Nacht (Ночной Дозор)
M
Im Namen der Götter (The Gods and Their Machines)
Tristopolis (Bone Song)
Königsmacher (The Innocent Mage)
König Ratte (King Rat)
P
Flügel (Wings)
 Das Erbe des Zauberers (Equal Rites)
 Die Nachtwächter (Nightwatch)
R
Der Name des Windes (The Name of the Wind)
 The Wise Man’s Fear von Patrick Rothfuss (The Wise Man's Fear)
Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire)
 Harry Potter und der Orden des Phönix (Harry Potter and the Order of the Phoenix)
 Harry Potter und der Halbblutprinz (Harry Potter and the Half-Blood Prince)
S
König der Erinnerungen (Sorcerers of Majipoor)
 Lord Prestimion (Lord Prestimion)
 König der Träume (The King of Dreams)
Komet (The Year of Our War)
W
& Drachenzwielicht (Dragons of Autumn Twilight)
Der Fall der Muschel (The Fall of the Shell)

Alle Berichte zum Genre Fantasy

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Im Rahmen ihrer Lesetour durch Deutschland im Juni hatte ich die Gelegenheit, mich mit der autralischen Autorin Trudi Canavan über ihre Bücher und australische Fantasy zu unterhalten. Hier ist der erste Teil unseres Gesprächs:

In Interviews erzählen Sie gerne die Geschichte, wie Sie ein Bericht über die Olympischen Spiele in Barcelona 1992 zu Ihrer ersten Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier inspiriert hat. Was war der Auslöser für den aktuellen Zyklus?

Als ich Die Gilde der schwarzen Magier fertig geschrieben habe, hatte ich zehn Jahre daran gearbeitet: Von der Olympiade 1992 bis ich 2002 das dritte Buch mit den letzten Korrekturen an den Verlag gesandt habe. Danach war ich diese Welt und diese Bücher erstmal leid. Ich wollte auch die Figuren nicht mehr sehen und habe geschworen, niemals wieder über Kyralia zu schreiben. Aber ich hatte mir schon eine kleine Idee für einen möglichen Nachfolger notiert und den Gedanken, dass der sachakanische Krieg und die Entstehung der Gilde wirklich gute Themen für einen Roman bieten würden. Nachdem ich dann vier oder fünf Jahre an Das Zeitalter der Fünf gearbeitet hatte, fand ich den Gedanken, nach Kyralia zurückzukehren nicht mehr so schlimm und hatte eine andere Idee für eine neue Reihe, die aber noch nicht ausgereift genug war. Dann habe ich mir nochmal die Ideen für den Vorgänger und den Nachfolger von Die Gilde der schwarzen Magier angeschaut und mich entschieden, die auszubauen. Den Verlagen hat diese Idee dann sehr gut gefallen.

Was war denn diese erste Idee?

Es war die Idee der Verräter-Gemeinde und von Savara, die Cery besucht – zwar aus Sachaka, aber aus einer anderen, geheimen Gesellschaft. Das war nicht nicht sonderlich ausgearbeitet – so lebten sie beispielsweise noch nicht in den Bergen. Sie waren auch noch keine weiblich dominierte Gesellschaft, das kam erst als ich ein paar Bücher mit weiblich dominierten Gesellschaften gelesen hatte, zum Beispiel von Alistair Reynolds. Das ist für mich auch weder eine utopische noch eine dystopische Idee. Es würde nicht perfekt funktionieren, denn jede Gesellschaft, jedes politische System, jede Kultur hat Mängel. Das macht sie ja überhaupt erst interessant. Für den Vorgänger hatte ich schon einen großen Teil der Geschichte im Kopf und habe dann gemerkt, dass es nicht für drei Bücher reichen würde, wohl aber für ein dickes.

Beim Lesen Ihrer Bücher hatte ich das Gefühl, dass Ihre erste Reihe eher auf jüngere Leser abgezielt hat und erst die anschließenden auf ein älteres Publikum. Steckte da ein Plan hinter?

Ich habe damals auf keinen bestimmten Markt gezielt, bin aber nicht auf die Idee gekommen, dass man die Bücher auch als YA einordnen könnte. Aber als mein britischer Verlag eine YA-Ausgabe herausgegeben hat, war das vollkommen logisch. Da habe ich dann auch gemerkt, dass einige der Dinge, die ich geschrieben hatte, diesen Schluss nahelegen: Ich hatte zum Beispiel keine Sex-Szenen in den Büchern, in erster Linie weil ich mir nicht sicher war, dass ich sie gut hätte schreiben können. Dann wird das automatisch wesentlich zugänglicher für jüngere Leser. Und dann gab es auch noch eine junge Hauptfigur. Ich habe dann entschieden, dass die nächste Serie eher für ältere Leser sein wird. Ich habe mir dann überlegt, was ich dafür tun muss und als erstes eine ältere Hauptfigur genommen, Auraya ist Mitte zwanzig. Dann wollte ich noch einfach ein wenig Sex, Drogen und Gewalt einbauen. Mittlerweile muss man aber so unglaublich brutal sein, um jüngere Leser abzuschrecken, dass ich das dann noch nicht gemacht habe. Drogen hingegen würden das Buch zu einem Problembuch machen, was ich auch nicht wollte. Da blieb dann nur noch Sex und so habe ich in jedes der drei Bücher eine Sex-Szene eingebaut. Nicht besonders detaillierte Szenen, aber sie waren da. Wenn Eltern wissen wollen, ob das Buch für ihre Kinder geeignet ist, sollen sie dann einfach den Anfang von Kapitel 20 des ersten Buches lesen und können das dann selbst einschätzen.

Ist das auch der Grund für die auffallend vielen homosexuellen Figuren in Sonea – Die Heilerin?

Nicht wirklich. Ich musste natürlich Dannyl als bereits bekannte schwule Figur wieder in die Handlung einbeziehen und um ihn in einen Konflikt zu stürzen, brauchte ich mehr schwule Figuren: Das ist auf der einen Seite sein Ex und dann eine neue Figur – und schon haben wir diese interessante Dreiecksgeschichte. Dann haben mich im Laufe der Zeit viele Leser gefragt, warum es denn keine lesbischen Figuren gebe und ich hab mir gedacht “warum nicht?”. Als ich dann eine gute Idee für eine entsprechende Handlung hatte, habe ich das eingebaut und so hat gerade dieses Buch eine recht große Zahl von solchen Figuren. Ich habe darauf auch schon einige spannende Reaktionen bekommen: Einigen Lesern fällt das überhaupt nicht auf, während andere mich fragten, ob ich das wirklich machen wollte. Ich habe mir das dann nochmal angeschaut und gesehen, dass ich es nicht übertrieben habe. Im nächsten Buch wird Lilia auch nicht mehr eine so große Rolle spielen, weil ihre Handlungslinie jetzt weitestgehend abgeschlossen ist. Denn ich vermeide es eigentlich, ein Thema aufzugreifen, nur um das Thema aufzugreifen. Für mich war es an dieser Stelle besonders wichtig, es bewusst nicht groß zu thematisieren (“the point was to not make a point”). Es sollte einfach ein Teil der Welt sein. Wenn die Magie in der Welt zu real wie nur möglich erscheinen soll, muss auch alles andere in der Welt möglichst real erscheinen.

Im zweiten Teil spreche ich mit Trudi Canavan darüber, wie sie den Hintergrund ihrer Welten entwickelt und die australische Fantasy-Landschaft – natürlich mit einigen spannenden Buchtipps.

Sonea – Die Heilerin (The Rogue)

, Teil 2

(Penhaligon 2011, 573 Seiten, 9783764530426)

Lebendige und gut ausgestaltete Welt Schnell und schnörkellos, aber manchmal etwas oberflächlich Für Kenner der Serie recht vorhersehbar und ohne große Überraschungen

Die Welt von Kyralia kennen wir aus den Büchern von Trudi Canavan schon seit einigen Jahren: Mit der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier, der Vorgeschichte in Magie und dem aktuellen Sonea-Zyklus hat die australische Autorin sicherlich eine der aktuell bekanntesten und beliebtesten Fantasy-Welten geschaffen. Auch ich habe mich dem Sog ihrer Bücher nicht verschließen können und mich dementsprechend gefreut, als ich das Rezensionsexemplar zu Sonea – Die Heilerin im Briefkasten hatte. Dann hatte ich letzte Woche auch noch die Gelegenheit, Trudi Canavan nicht nur auf einer Lesung live zu erleben, sondern auch ein ausführliches Interview mit ihr zu führen. Aber zu dem Interview komme ich später, jetzt geht es erstmal um ihr aktuelles Buch:

Keinen Leser des ersten Bandes wird es überraschen, dass Canavan die Handlung nahtlos fortsetzt. Sonea ist in Imardin immer noch auf der Jagd nach dem wilden Magier und Dieb Skellin und kämpft mit den Auswirkungen der beliebten Droge Fäule. Ihr Sohn Lorkin hält sich währenddessen in der geheimen Heimat der abtrünnigen Sachakaner in den Bergen auf und versucht, hinter das Geheimnis der magischen Steine zu kommen. Auch bei ihrem Erzähl- und Schreibstil bleibt sich Canavan treu: schnell und schnörkellos, ohne sich mit langen Erklärungen oder Beschreibungen aufzuhalten. Trotzdem habe ich die Welt schon immer als lebendig und glaubwürdig empfunden – wahrscheinlich ein Resultat der vielen Arbeit, die sich die Autorin hinter den Kulissen mit ihrem Weltenbau macht.

Trotzdem habe ich so langsam das Gefühl, dass sich die Welt Kyralia und der Stil Canavans in diesen Büchern so langsam ein wenig abnutzt. Man kennt die Figuren und die Welt mittlerweile so gut, dass viele Wendungen in der Handlung vorhersehbar werden. Auch reißt Canavan viele spannende Themen zwar an, arbeitet sie dann aber nicht wirklich auf. So böten beispielsweise die moralischen Ambiguitäten der Heilung mit Magie, das Spannungsverhältnis zwischen erlaubtem und verbotenen Wissen oder die in Kyralia anscheinend offen gelebte Homosexualität viele spannende Anknüpfungspunkte für Dialoge, Gedankenspiele oder Handlungsstränge, die die Autorin jedoch nicht weiter verfolgt.

Dabei ist gerade die extrem hohe Anzahl von Figuren mit zumindest homosexuellen Tendenzen oder Gedanken für einen Fantasy-Roman sehr ungewöhnlich: vielleicht ein Drittel der zentralen Charaktere lebt diese an irgendeiner Stelle des Buches auch aus. Nicht, dass es mich stören würde, es wird für mich damit jedoch zu einem wichtigen Element der Handlung, über dessen gesellschaftlichen Kontext man leider zu wenig erfährt. Natürlich habe ich die Autorin darauf in dem Interview auch angesprochen und sie wollte dies als Statement darüber verstanden wissen, dass Homosexualität in Kyralia eben nicht groß thematisiert, sondern einfach gelebt wird. Die hohe Konzentration in ihrer Geschichte ergab sich daraus, dass sie einen als schwul eingeführten Charakter in eine Dreiecksgeschichte laufen lassen wollte und sich einige Leser beschwert hätten, es gäbe nur schwule und keine lesbischen Figuren.

Wie dem auch sei, Sonea – Die Heilerin ist ein weiterer lesenswerter Roman aus Australien und erweitert das Panorama der Welt Kyralia um einige spannende Aspekte.

bordertown 1986 erschienen mit Borderland und Bordertown zwei Bände, in denen der Grundstein für eine der aktuell spannendsten Welten gelegt, in denen mehrere Autoren ihre Geschichten erzählen: Bordertown ist die Stadt an der Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Elfen. Hier treffen nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander, sondern auch Glücksritter, Flüchtlinge, Geschäftsleute und Abenteurer. Am Dienstag erscheint nun ein neuer Kurzgeschichtenband aus dieser Welt, in dem die Herausgeber Holly Black und Ellen Kushner so illustre Autoren wie Cory Doctorow, Neil Gaiman und die Schöpferin der Welt Terri Arnold versammelt haben.

Einen vielversprechenden Vorgeschmack auf die Sammlung Welcome to Bordertown  bietet die Geschichte von Cory Doctorow, Shannon’s Law, die man bei Tor.com lesen oder sich bei Escape Pod anhören kann.

Die Elfen

, Teil 1

(Heyne 2004, 910 Seiten, 978-3-453-53001-0)

Fantasy-Fressfutter im Stil eines Rollenspiels mit zu viel Handlung und zu wenig Atmosphäre und Tiefgang. Schade, die Elfen hätten Besseres verdient gehabt.

Die Elfen von Bernhard Hennen gehört sicherlich zu den Büchern der deutschen Fantasy, die in den letzten Jahren für das meiste Aufsehen gesorgt haben. Sicherlich auch als Reaktion auf den Erfolg von Stan Nicholls’ Die Orks hat sich Hennen das wohl spannendste und sagenumwobenste klassische Fantasy-Volk ausgeguckt: Er schickt den Jarl eines kleinen Menschendorfs zusammen mit zwei Elfen auf eine Odyssee durch die Menschenwelt, die über das Schicksal der Gemeinschaft, die große Liebe der beiden Elfen und die Zukunft der gesamten Elfenwelt entscheidet.

Alles beginnt mit einer Kreatur, die in der Umgebung Firnstayns wütet und der auch Mardred nur knapp entkommen kann. Als er auf der Flucht schwer verletzt in einem Steinkreis zusammenbricht, wacht er wenig später in einer anderen Welt auf – der Albenmark. Hier wird er von einem alten Baumwesen geheilt und kann so vor die Königin der Elfen treten. Da die schreckliche Kreatur, ein Manneber, nur aus der Albenmark gekommen sein kann, fordert er von Emerelle Hilfe bei der Jagd. Diese wird ihm gewährt – allerdings nur zu einem hohen Preis. Sie stellt ihm die beiden Elfenkrieger Nuramon und Farodin an die Seite und schickt mit ihnen eine der sagenumwobenen Elfenjagden in die Menschenwelt. Nach schweren Verlusten gelingt es ihnen, den Manneber in einer Höhle zu stellen und zu töten, doch er hat sie in eine Falle gelockt und besucht in der Gestalt Nuramons die Geliebte der beiden Elfen – Noroelle – und zeugt mit ihr ein Kind. Zur gleichen Zeit sind Mandred und die beiden Elfen in der Höhle gefangen, während die Zeit außerhalb wie im Zeitraffer vergeht. Erst nach mehreren Jahrzehnten werden sie befreit und von Emerelle auf die Spur von Noroelles Sohn gesetzt, der sich als Halbdämon entpuppt.

Mit dessen Tod endet dieses Buch jedoch keineswegs. Es fängt überhaupt erst wirklich an. Die hier schon sehr verkürzt geschilderte Handlung gibt nämlich erst die ersten 250 Seiten dieses Buchs wieder. Den Rest der Zeit begleitet der Leser die drei Jagdgefährten nicht nur auf einer verworrenen Odyssee durch die Menschenwelt, in der die Elfen eine Spur ihrer verbannten Geliebten suchen, sondern auch durch mehrere Jahrhunderte der Geschichte dieses Landes, da bei der Reise auf den Albenpfaden unter Umständen mehrere Jahrzehnte in Augenblicken an unseren Helden vorbei ziehen. So trifft Mandred auf seine Nachfahren und Nuramon lernt seine Vergangenheit auf eine ganz besondere Weise kennen.

Auch wenn ich Die Elfen in nur ein paar Tagen verschlungen habe (bei mehr als 900 Seiten), hinterlässt der Roman bei mir einen zwiespältigen Eindruck: denn obwohl Hennen hier viele spannende Ideen und ein noch spannenderes Volk präsentiert, bleibt sein Roman sehr oberflächlich. Er hetzt die Figuren von einer Action-Szene oder Quest zur nächsten und nimmt sich wenig Zeit, seine Hauptfiguren zu entwickeln und ihre inneren Konflikte aufzuzeigen: Weder thematisiert er Mandreds Reaktion darauf, einem Nachfahren in elfter Generation zu begegnen noch schildert er Nuramons 50 Jahre in der Menschenstadt Firnstayn. Stattdessen versteckt er Phasen, die für die Entwicklung der Figuren zentral sind, in kurzen Chroniken oder Legendenerzählungen. An sich ein cleverer Schachzug, um nicht jede der langen Reisen durch die Menschenwelt im Detail schildern zu müssen, aber eben auch eine vergebene Chance.

Insgesamt stellen sich die Figuren in meinen Augen zu sehr in den Dienst der Handlung und wollen praktischerweise immer genau das, was sie an den nächsten Ort bringt, den sich Hennen ausgedacht hat. Auch der Weltenbau erstreckt sich selten über mehr, als in der beschriebenen Situation notwendig und erinnert mich damit doch sehr an rollenspiel-basierte Questromane. Und tatsächlich hat Hennen im Rahmen des schwarzen Auges auch bereits einige Rollenspielromane und -abenteuer veröffentlicht.

Mich hat auch sehr gewundert, dass die Elfen zwar dem Titel nach im Zentrum des Romans stehen müssten, dass der Großteil der Handlung sich jedoch in der Menschenwelt abspielt. Auch die Geschichte und Kultur der Elfenwelt schimmert immer nur implizit durch und bleibt damit in weiten Teilen im Verborgenen. Es scheint fast so, als hätte Hennen in erster Linie diese konkrete Geschichte erzählen wollen und sich dann einen Rahmen gesucht, mit dem sie sich besser verkaufen lässt. Ein schönes Indiz für den Feigenblatt-Charakter der Elfen in diesem Roman ist die Karte der Albenmarkt, die auf der ersten Seite des Buchs abgedruckt ist: Sie zeigt die Position der knapp 10 Handlungsorte in der Albenmark, die mehr oder weniger an einer Perlenschnur aufgereiht sind. Eine Karte der Menschenwelt, in der die Figuren sich hauptsächlich bewegen und von der uns Hennen bestimmt 40 oder 50 Handlungsorte zeigt, findet sich jedoch überhaupt keine Karte. Für Elfen-Fans ist Die Elfen damit leider schon fast eine Mogelpackung.

The Wise Man's Fear

, Teil 2

(DAW Books 2011, 1008 Seiten, 9780756404734)

Rothfuss zeigt auch hier wieder, dass er ein großer Erzähler ist, der es versteht, eine Figur und eine Welt zu entwickeln. Aber unbedingt vorher den ersten Band lesen!

Manchmal hat es doch seine Vorteile, den neuesten Hit nicht gleich beim Erscheinen zu lesen. Denn so musste ich nach dem genialen Der Name des Windes nicht ein paar Jahre darauf warten, endlich den Nachfolger The Wise Man’s Fear in den Händen zu halten. Ich konnte mich einfach zwei Wochen, nachdem ich durch Rothfuss’ Erstling durch war, voller Vorfreude und Erinnerungen an den ersten Band auf Buch Nummer zwei stürzen. Und, so viel kann ich vorweg verraten, es hat sich gelohnt.

Die Erwartungen waren hoch, nachdem Rothfuss mich in seinem ersten Roman so intensiv an das Leben von Kvothe fesseln konnte: seine Zeit bei den Edema Ruh, das Leiden im Wald und auf den Straßen Tarbeans. Seine Freundschaft mit Denna und schließlich die Aufnahme in die Universität. Und wie nicht anders zu erwarten war, schließt Wise Men’s Fear unmittelbar an die Ereignisse im ersten Band an: Am zweiten Tag seiner Erzählung nimmt Kvothe uns wieder mit in die Universität, die er aber schon nach kurzer Zeit verlässt, um sich in den Dienst des Maer von Vintas zu stellen. Von dort treiben ihn seine Abenteuer schließlich in das Land der Fae und schließlich zu den rätselhaften Adem.

Meine Hoffnung, dass Rothfuss sich noch mehr auf seine Stärken besinnt, die Charaktere sowie die Welt weiter in den Mittelpunkt rückt und sich nicht zu sehr auf Action und Abenteuer konzentriert, hat sich glücklicherweise erfüllt. Er bleibt seinem Stil treu und lässt sich viel Zeit, um die Figuren und die Ereignisse zu entwickeln. Ein besonderes Highlight ist für mich die fein gezeichnete Kultur der Adem, die eine ganz eigene Art entwickelt haben, mit Gefühlen umzugehen und zu kommunizieren. Rothfuss beschreibt sehr einfühlsam, wie sich Kvothe dieser Kultur anzunähern versucht und sich auch von ständigen Rückschlägen nicht beirren lässt. Doch als er an dem Punkt ist, dass er sie zumindest grundlegend versteht, verlässt er ihre Lande und kehrt an die Universität zurück.

Neben diesem absoluten Höhepunkt des Weltenbaus fällt Kvothes Zeit im Land der Fae bei Felurian ein wenig ab. Ich kann einfach nichts anfangen mit so mythischen Welten voller bewusstseinsverändernder Ereignisse und dem Wandel zwischen Realität und Traum. Aber Rothfuss schafft es mit seinem Erzähltalent immerhin diese Passagen nicht zu langweilig werden zu lassen.

Irgendwie ist es merkwürdig, dass man nach den mehr als 1000 Seiten nicht das Gefühl hat, von der Handlung überwältigt worden zu sein. Wenn man die Bücher von Patrick Rothfuss beispielsweise mit denen eines George R R Martin vergleicht, entspricht die Komplexität der Handlung eher einem Kinderbuch. Durch die unglaubliche Detailfülle und den absoluten Fokus auf Kvothe entsteht jedoch eine derart dichte Atmosphäre, dass ich überhaupt nicht mehr Handlung brauche. Es genügt mir, mich in diese stringente Erzählung fallen zu lassen, zu beobachten, wie Kvothe sich an der Universität durchschlägt, wie er in Severen einen Kriminalfall löst, eine Hochzeit einleitet, Banditen bekämpft und schließlich die Kultur der Adem kennenlernt. Genial.

Etwas irritiert hat mich in diesem Buch jedoch die gegenwärtige Handlungsebene, in der Kvothe seinem Schüler Bast und dem Chronisten seine Geschichte erzählt. Diese entwickelt sich kaum weiter und besteht nur aus eher beliebig scheinenden Einsprengseln. Dadurch fehlt dem Buch auch so ein wenig der übergreifende Rahmen, das große Thema und der zentrale Konflikt. Klar, da ist Kvothes Suche nach den Chandrian, aber es bleibt nur ein sehr leises Gefühl einer akuten Gefahr oder eines großen Ganzen. Man folgt halt Kvothe bei seiner spannenden und intensiv erzählten Geschichte, ab und an tauchen jedoch Fragen auf wie “Warum ist das gerade wichtig?” oder “Wieso erzählt er das gerade?”. Schade, hier könne ein bisschen mehr Zug das Buch wirklich perfekt machen.

Einen großen Nachteil hat das Buch jedoch: Jetzt bin ich durch und muss nun ein paar Jahre auf den Abschluss der Trilogie warten…

So langsam kommen sie auch in Deutschland aus den Löchern gekrochen: multimedial angereicherte Bücher, die mehr sind als lineare, in Textform gebrachte Geschichten. Ein neues derartiges Projekt aus Deutschland ist das iPhone/iPad-Buch Der Erbe der Zeit von Christoph Schneider. Der Fantasy-Roman handel von einem namenlosen Soldaten, der nach einer blutigen Schlacht das Geheimnis um seine Vergangenheit lüften muss und dabei nur Unterstützung von einer rätselhaften Stimme bekommt.

Besonderen Wert haben die Macher auf die musikalische Untermalung des Buchs gelegt, die auf der einen Seite aus Liedern bekannter Bands wie Xandria, Nightwish und L’Âme Immortelle und auf der anderen aus Soundeffekten wie dem Klang von Klingen in der Luft, Schreien oder Gemurmel. Wie genau das umgesetzt ist, kann ich dem Trailer nicht entnehmen, es scheint aber so, als müsse man jeden Effekt explizit durch Antippen aktivieren.

Ich war ja schon immer ein großer Freund von Hintergrund-Musik zu Büchern und bin daher mal sehr gespannt, ob mich Der Erbe der Zeit überzeugen kann. Ich werde mir auf der Buchmesse wohl mal die Vorstellung anschauen und dann entscheiden, ob ich es mir zuhause für die verlangten 6,99 auf meinen iPod ziehe.

Mehr Informationen findet ihr unter www.der-erbe-der-zeit.de und hier ist der Trailer für euch:

Spannende Charaktere und eine unglaublich dichte Atmosphäre in einem Fantasy-Roman, der für mich locker an die Großen des Genres heranreicht oder diese sogar übertrifft.

Er stand zwar schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste, aber erst das nahende Erscheinen des Nachfolgebands und eine nette Leserunde bei Fantasy-Faction haben mich dazu gebracht, mir den hochgelobten Erstling von Patrick Rothfuss auf meinen Reader zu ziehen. Und jetzt ärgere ich mich schon, dass ich das nicht viel früher gemacht habe, denn Der Name des Windes hat mich voll und ganz überzeugt.

Newarre ist ein kleiner Ort an einer Handelsstraße, die jedoch wegen eines Kriegs immer seltener benutzt wird. Der zentrale Treffpunkt der Bürger des Orts ist ein kleines Gasthaus, das unter dem Fehlen von Durchreisenden besonders leidet. Eines Tages gelangt jedoch ein Chronist in den Ort, der im Inhaber der Taverne, der sich selbst Kote nennt, den verschollen Magier Kvothe, den Blutlosen, erkennt. Der Chronist ist natürlich an der Geschichte von Kvothe interessiert und nach einigem Hin und Her erklärt dieser sich bereit, seine Geschichte zu erzählen. Sie führt von seiner Kindheit als Mitglied einer reisenden Schauspieltruppe über ein Leben auf den Straßen der Stadt Tarbean bis hin zu seinem Studium der Magie an der Universität und dem Arcanum. Getrieben wird er dabei von dem Rätsel um den Tod seiner Eltern, die zusammen mit der gesamten Schaustellertruppe eines Abends brutal niedergemetzelt wurden. Dabei scheint es eine Verbindung zu den mythischen Chandrian zu geben, deren Anwesenheit sich durch eine blaue Flamme ankündigt.

Diese Geschichte klingt sonderlich komplex, aber natürlich beschränkt sich Rothfuss nicht darauf einfach routiniert die unterschiedlichen Stationen von Kvothes Leben abzuspulen. Vielmehr nimmt er den Leser mit auf eine spannende Reise durch das Leben des jungen Kvothe, bei dem von Beginn an klar ist, dass in ihm mehr steckt, als nur ein talentierter Schausteller. Da ist der Unterricht bei einem Mitreisenden, der ihn in die Grundlagen der Magie, in dieser Welt “Sympathie” genannt, einführt. Der rätselhafte Tod seiner Eltern, sein anschließendes Leben im Wald, bei dem ihm nur seine Laute den Lebensmut erhält. Seine Jahre als Bettler und Taschendieb auf den Straßen der großen Stadt Tarbean und schließlich seine Reise zu und Zeit an der Universität, wo er als hochbegabter Schüler auch die erfahrenen Meister überrascht. Und, wie könnte es anders sein, natürlich schafft er sich hier nicht nur einen Todfeind, sondern trifft auch eine ganz spezielle Frau…

Dadurch, dass Rothfuss seine Hauptfigur die Geschichte selbst erzählen lässt, schafft er es, Kvothe extrem plastisch und glaubwürdig aufzubauen. Als Lesen hatte ich noch nie das Gefühl, so nah an einer Figur dran zu sein, sie so detailliert vor mir zu sehen und manchmal sogar die Welt durch ihre Augen zu sehen. Dabei legt er großen Wert auf den Alltag Kvothes, nicht seine Verstrickung in große Gefahren oder seine Rolle als Retter der Welt stehen im Mittelpunkt, sondern sein täglicher Überlebenskampf in Tarbean oder seine Probleme, das Studium an der Universität zu finanzieren. Und kaum gelingt es ihm, eines dieser Probleme scheinbar dauerhaft zu lösen, bricht die Lösung in sich zusammen und er ist schließlich wieder auf sich alleine gestellt. Dabei ist Kvothe weder der Außenseiter, der sich der ganzen Welt erwehren muss, noch ein Superheld, der alle Probleme mit einer Hand hinweg wischen kann. Er ist einfach ein Mensch, der damit kämpft, sein Leben auf die Reihe zu bekommen und dann vielleicht noch das Rätsel um den Tod seiner Eltern zu lösen.

Die Menschen um ihn herum sind meistens keine gemeinen Fieslinge, sondern Menschen mit eigenen Leidenschaften und Ängsten, die Kvothe jedoch grundsätzlich positiv gegenübertreten. Das ist ohnehin ein Punkt, der mir besonders aufgefallen ist: Auch wenn ein leichter Schatten über der Welt liegt, ist es keineswegs eine verzweifelte Welt voller Tod und Leiden, sondern eine Welt voller Leben, aktiven Menschen und Leidenschaften. Es gibt in diesem Buch also keine große Bedrohung, keine offensichtliche Gefahr für die Welt, sondern nur leise Andeutungen und erste Indizien dafür, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Seine schwächste Phase hat das Buch kurz vor dem Ende von Kvothes Erzählung, bei der Rothfuss ein wenig Action in den Roman zu bringen versucht, die etwas näher an dem ist, was man klassischerweise von Fantasy erwartet. Daher hoffe ich einfach mal, dass der zweite Band der Königsmörder-Chroniken sich auf die Stärken des ersten Bandes besinnt und Rothfuss seine Fähigkeiten bei der Charakter-Entwicklung und der Erzeugung einer intensiven Atmosphäre weiterhin so meisterhaft einsetzt.