Nachdem mich die Fantasy-Reihe über den Elfenbeinthron regelrecht umgehauen hatte, konnte mich Tad Williams mit Otherland nicht so wirklich überzeugen. Die (virtuelle) Welt, die er geschaffen hat, war zwar faszinierend, der Handlung fehlte es für mich aber leider an Tiefe und Spannung. In Singapur hat sich jetzt ein Spieleentwickler hingesetzt und versucht, diese vielschichtige Welt in ein Computerspiel – genau genommen ein Massive Multiplayer Online Roleplaying Game (MMORPG) – umzusetzen. Der erste Trailer scheint schonmal recht vielversprechend:

Vor einigen Wochen ist mit Booklamp eine amerikanische Webseite gestartet, die uns Lesern in den nächsten Jahren viel Freude machen könnte, von der ich aber auch hoffe, dass sie nicht zu einflussvoll wird. Die Rede ist von Booklamp, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Art, wie wir neue Bücher entdecken, zu verändern.

Es gibt im Netz schon einige Seiten, die einem Leser Buchempfehlungen anbieten, die auf seinen persönlichen Geschmack abgestimmt sind. Diese setzen in erster Linie auf das von Amazon bekannte Prinzip “Kunden, die X kauften, kauften auch Y” und damit auf einen sozialen Ansatz. Bei Amazon funktioniert das über das gerade angeschaute Buch oder im Rahmen der persönlichen Empfehlungen auf der Grundlage der eigenen Surf- und Kauf-Geschichte und auf Community-Seiten wie Lovelybooks oder Goodreads über die Übereinstimmung von Bücherregalen.

Booklamp setzt hier auf einen komplett anderen Ansatz, der eher dem des Musik-Empfehlungsdienstes Pandora (in Deutschland leider nicht mehr verfügbar, wie so oft) entspricht: Mithilfe umfassener Algorithmen analysiert das zugrundeliegende Book Genome Project den Inhalt von Romanen und berechnet daraus die sogenannte BookDNA. Diese besteht auf der einen Seite aus der StoryDNA, mit der Elemente der Geschichte erfasst werden. Also ob Medizin vorkommt, epische Schlachten oder Liebeskummer. Auf der anderen Seite steht die LanguageDNA, die sich mit sprachlichen Eigenschaften des Romans befasst: wie schnell die Handlung fortschreitet, wie dicht er geschrieben ist, wieviele Beschreibungen vorkommen und so weiter. Dabei unterscheidet die BookDNA beispielsweise knapp 550 unterschiedliche Elemente der StoryDNA und umfasst mittlerweile knapp 640 Millionen Datenpunkte von gut 20.000 Büchern, was 30.000 Datenpunkten pro Buch entspricht.

Aktuell kann man sich mit Booklamp nur anzeigen lassen, welche Bücher eine ähnliche StoryDNA haben, wie ein ausgewähltes Buch oder sich Bücher mit einem besonders hohen Anteil eines bestimmten Story-Elements heraussuchen. Außerdem ist die Datenbank bislang auf 20.000 englischsprachige Bücher beschränkt. Mehr Funktionalität und mehr Bücher sollen aber in den nächsten Wochen und Monaten folgen. Dabei hat Booklamp nicht den Anspruch, die perfekte Lese-Empfehlung zu geben, sondern will das Regal zur Auswahl mit Büchern bestücken, die einem gefallen werden, wenn man sie mit nach Hause nimmt. Es blendet dabei Popularitätswerte und andere soziale Faktoren bewusst aus und orientiert sich nur am Inhalt der Romane.

Booklamp ist (und bleibt) kostenlos, da es für die Macher in erster Linie als Demonstration der Fähigkeiten des zugrundeliegenden Book Genome Projects fungiert, das das Startup wiederum an Verlage lizensieren will, um die Marktfähigkeit von Büchern besser einschätzen zu können. Und genau hier kommen wir zu dem Punkt, wo ich hoffe, dass dieses ambitionierte Projekt nicht zuviel Erfolg hat: Falls sich die Verlage in einer fernen Zukunft bei ihren Entscheidungen, ob sie ein Buch veröffentlichen oder nicht, sehr stark an den entsprechenden marktgängigen Sory- oder Sprach-Elementen orientieren, würde dies den Buchmarkt noch weiter einengen und auf einen angenommenen Mainstream hin ausrichten. Aktuell wünsche ich den Machern in den USA aber noch viel Erfolg und freue mich über eine neue Art, spannenden Lesestoff zu entdecken.

Nachdem ich in der ersten Folge meines Podcasts erwähnt habe, dass ich auch als Fan mittlerweile zahlreiche äußerst gute Science-Fiction- und Fantasy-Podcasts regelmäßig auf meinem Handy habe, will ich euch natürlich nicht vorenthalten, welche das denn sind. Daher gibt es hier von mir jetzt in unregelmäßiger Folge Kurzvorstellungen der verschiedenen Podcasts.

Den Anfang macht meine Einstiegsdroge, also  der erste Feed, der es in meinen Podcatcher geschafft hat: Mit seinen mittlerweile sechs Jahren gehört Escape Pod zu den älteren Podcasts, die das Netz regelmäßig mit gelesenen Kurzgeschichten beglücken. Die erste der mittlerweile mehr als 300 Folgen veröffentlichte noch Stephen Eley, der das Zepter mittlerweile jedoch an Mur Lafferty übergeben hat, die jetzt jede Woche eine neue Geschichte von bekannten und unbekannten Autoren präsentiert. Die Geschichten bewegen sich innerhalb der engeren Grenzen der Science-Fiction, da Escape Pod Fantasy- und Horror-Stories in zwei weitere Podcasts ausgelagert hat (Podcastle, Pseudopod). Gelesen werden die Geschichten von verschiedenen englischsprachigen Podcastern, die ihre Sache durch die Bank extrem gut machen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sollte sich einfach in das Abenteuer Podcast stürzen. Escape Pod selbst empfielt zum Einstieg die Folgen:

Ein besonderes Schmankerl für alle Science-Fiction-Fans hat Ward Shelley geschaffen: Eine Karte der Geschichte der Science-Fiction als eigenständiges Kunstwerk:

historyofscifi (via Tor.com)

So langsam kommen sie auch in Deutschland aus den Löchern gekrochen: multimedial angereicherte Bücher, die mehr sind als lineare, in Textform gebrachte Geschichten. Ein neues derartiges Projekt aus Deutschland ist das iPhone/iPad-Buch Der Erbe der Zeit von Christoph Schneider. Der Fantasy-Roman handel von einem namenlosen Soldaten, der nach einer blutigen Schlacht das Geheimnis um seine Vergangenheit lüften muss und dabei nur Unterstützung von einer rätselhaften Stimme bekommt.

Besonderen Wert haben die Macher auf die musikalische Untermalung des Buchs gelegt, die auf der einen Seite aus Liedern bekannter Bands wie Xandria, Nightwish und L’Âme Immortelle und auf der anderen aus Soundeffekten wie dem Klang von Klingen in der Luft, Schreien oder Gemurmel. Wie genau das umgesetzt ist, kann ich dem Trailer nicht entnehmen, es scheint aber so, als müsse man jeden Effekt explizit durch Antippen aktivieren.

Ich war ja schon immer ein großer Freund von Hintergrund-Musik zu Büchern und bin daher mal sehr gespannt, ob mich Der Erbe der Zeit überzeugen kann. Ich werde mir auf der Buchmesse wohl mal die Vorstellung anschauen und dann entscheiden, ob ich es mir zuhause für die verlangten 6,99 auf meinen iPod ziehe.

Mehr Informationen findet ihr unter www.der-erbe-der-zeit.de und hier ist der Trailer für euch:

April 2010

Ein eBook Reader? Nein, so was kommt mir nicht in die Tüte. Ich verbring doch ohnehin schon den ganzen Tag vor einem Bildschirm und da sind Bücher, die auf echtem Papier gedruckt sind, echt entspannend. Außerdem: Ich sammle doch meine Bücher und es ist einfach zu befriedigend, nach ein paar Lesestunden, das Buch wieder zuklappen zu können und zu spüren, dass ich wieder ein Buch zu Ende gelesen habe. Auch die Titelbilder und die Gestaltung der gedruckten Bücher würden mir fehlen und das Gefühl, ein eingeschweißtes Buch zu öffnen und ersteinmal durchzublättern, den Klappentext zu lesen und nach Karten oder Ähnlichem Ausschau zu halten.

Mai 2010

Puh, meine übervollen Bücherregale bin ich ja mittlerweile schon irgendwie leid. Sie stehen hier einfach im Flur rum und sehen voll aus. Ich nehme einzelne Bücher mittlerweile ja kaum noch wahr und besonders schöne Ausgaben gehen in der Flut von Standardware unter. Und wenn ich erst an den nächsten Umzug denke: Wieder dreißig Bananenkartons mit Büchern vollpacken und durch die Gegend schleppen – vielleicht sogar noch in den vierten Stock? Nein danke!

Oh, von Asimov’s Science Fiction gibt es ja auch eine eBook-Version. Das ist in Deutschland ja sonst nur im Abo zu bekommen. Auch andere Bücher bekommt man aus den USA und England ja ganz einfach, wenn man sie als eBook runterladen kann. Und teilweise sogar richtig preiswert.

August 2010

Der Urlaub war ja mal echt toll, nur das ganze Geschleppe mit dem vollen Rucksack hat mich echt genervt. Da fährt man eigentlich nur eine Woche weg und muss trotzdem seinen halben Hausstand mitschleppen, nur um genug Lesestoff für die faule Zeit zu haben. Naja, lässt sich wohl nicht ändern.

September 2010

Hmm, die Rezensionen von dem neuen Sony-Reader lesen sich ja echt nicht schlecht. Soll wohl das erste wirklich ausgereifte Gerät sein und das aktuellste Display haben: mit starkem Kontrast und fast so wie auf Papier gedruckt; die Screenshots und Videos sehen ja auch verdammt gut aus. Und auch für PDF-Dateien soll es das beste Gerät auf dem Markt sein. Und davon hab ich ja schon so einige auf meinem Rechner rumfliegen…

Das Angebot an deutschen eBooks hält sich ja immer noch in Grenzen, aber immerhin werden viele Neuerscheinungen zeitgleich als eBook aufgelegt. Der Preis scheint ja auch vertretbar zu sein. Meist auf dem Niveau des entsprechenden gedruckten Buchs oder sogar ein wenig darunter. Wenn nur dieser ätzende Kopierschutz bei vielen Büchern nicht wäre…

Oktober 2010

Na gut. Bestellt.

Da ist das gute Teil ja. Ist ja doch ein wenig klein geraten. Jetzt muss ich es wohl erstmal an meinen Rechner hängen, um es aufzuladen. Ätz. Will ausprobieren! Oh, ist ja schon teilweise aufgeladen.

Die Reader Library von Sony macht ja nicht gerade den besten Eindruck. Naja, muss ich ja nur für die geschützten Bücher nutzen. Gab es da nicht so ein kostenloses Programm, das einem immer empfohlen wird? Ach ja: Calibre.

Das fühlt sich wirklich fast so an, wie in einem Buch zu lesen. Und ich brauche nur eine Hand, um das Ding zu halten und zu blättern. Sehr cool. Zu klein ist der Bildschirm auch nicht. Passt zwar weniger drauf als auf eine typische Taschenbuch-Seite, aber es stört nicht. PDFs bricht der ja auch halbwegs vernünftig um.

November 2010

Das macht ja immer mehr Spaß mit dem Teil. Aber wenn ich das immer mit mir rumtragen will, sollte ich mir aber mal was suchen, damit der klasse Bildschirm nicht leidet. Was ist denn mit dem Zubehör von Sony selbst? Sieht zwar ganz nett aus, ist mir aber zu teuer. 34€ für eine Hülle? Ok, aus Leder, aber trotzdem… Mal schauen, was es bei Dawanda gibt: Der Stoff ist ja cool. Und man kann ihn sich auch noch maßschneidern lassen. Für 16€. Her damit!

Jetzt will ich aber doch mal ausprobieren, wie das mit den englischen eBooks klappt. Mit den deutschen war das ja einfach. Schauen wir doch mal, was es da so gibt. Das klingt ja mal spannend: Seeing Further, herausgegeben von Bill Bryson. Also schnell anmelden und herunterladen.

Wie? “Cannot be sold outside the United States?” Was soll das denn? Beim zweiten Shop auch nicht. Und beim dritten. Was ist denn das für ein Scheiß? Die Papierbücher schicken sie mir doch auch gerne. Oh, beim vierten Shop klappt es dann doch. Na Gott sei Dank. Was ist das denn wieder für eine bekloppte Regelung? Naja, hab ja doch noch nen Weg gefunden, für das Buch zu bezahlen…

Dezember 2010

Hmm… Irgendwie fühlt sich das Lesen auf dem Reader anders an, als das in einem Buch. Irgendwie lese ich bewusster und langsamer. Kann das daran liegen, dass nicht so viel Text auf einer Seite ist? Dass ich auch beim langsamen Lesen häufiger das Erfolgserlebnis Umblättern habe? Interessant.

Aber dieser physische Aspekt an einem Buch, etwas in der Hand zu haben, etwas zu spüren und anfassen zu können, fehlt mir da doch ein wenig. Naja, sagt ja keiner, dass ich nur noch elektronisch lesen muss. Aber es wird ein Teil meines Lesealltags werden. Gerade unterwegs oder um immer ein Buch dabeihaben zu können.

Besonders schöne Bücher stelle ich mir aber weiter ins Regal.