Düstere Dokumentation eines sozialen Abstiegs und eines zugrundegehenden Systems.

Lola Hart ist zwölf Jahre alt und lebt mit ihrer jüngeren Schwester Boob und ihren Eltern im bürgerlichen Mittelklasse-Milieu New Yorks. Ihr Vater schreibt Drehbücher und verdient so das Geld für die Familie. Als die Aufträge ausbleiben und die Filmindustrie aufgrund der im ganzen Land ausbrechenden Unruhen in absehbarer Zukunft keine Projekte mehr durchführen kann, muss die Familie ihre Wohnung verlassen und in eine kleinere in einem der ärmsten Viertel der Stadt ziehen. Zusätzlich dazu beginnen in vielen amerikanischen Städten Aufstände von Armen, die ihr Situation nicht länger hinnehmen wollen und gegen das System aufbegehren. Während die Aufstände auch nach New York überschwappen, beginnt für die beiden Kinder nun eine Zeit der Anpassung und der Umstellungen. Während Boob nicht über den Umzug hinwegkommt und in tiefe Depressionen stürzt, lernt Lola schnell neue Freundinnen kennen, die sie in das Leben auf der Straße einführen. Aus der braven Lola wird mit der Zeit Crazy Lola, Mitglied einer Straßengang.

In Zufällige Akte sinnloser Gewalt zeichnet Jack Womack das Bild eines Amerikas, das in seiner eigenen Armut erstickt. In diese Zeit fällt nun der soziale Abstieg von Lola Hart und ihrer Familie. Lola schildert dem Leser in Tagebuchform die Ereignisse, ihre Gefühle und Gedanken. Diese Form ist von Womack geschickt gewählt, da der Leser sich so direkt in die Lage der Zwölfjährigen versetzt wird und mit ihr durch alle Höhen und Tiefen dieses einen Jahres gehen kann. Dabei stellt man z.B. an der Sprache Lolas fest, wie die neue Umgebung sie schon nach kurzer Zeit verändert. Zu Beginn schreibt sie noch in einer gewählten Sprache und man merkt ihr die Erziehung einer Privatschule an. Aber bereits kurz nach dem Umzug schleichen sich Slang-Ausdrücke ein, und bald verrohen auch sonstige Wortwahl und Satzbau. In seinem Buch stürzt Womack sich nie auf unglaubwürdige Klischees. Der Niedergang der Harts erfolgt dermaßen zwingend und unabwendbar, dass den Leser am manchen Stellen die pure Angst packen kann. Die Übergänge sind fließend und man fragt sich oft, wo eigentlich der Anfang der ganzen Entwicklungen lag. Lange Zeit passiert eigentlich nicht viel, außer dass Lola sich immer mehr an ihre Umgebung anpasst. Dann plötzlich geschieht alles auf einmal, und sie gerät endgültig aus der Bahn.

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