Xenozid (Xenocide)

, Teil 3

(Tor 1991, 592 Seiten, 0-8125-0925-0)

Pflichtlektüre für Freunde anspruchsvoller Romane und tiefgründiger Gedanken.

Nachdem Ender Wiggin zwischen den Pequininos und den Menschen auf Lusitania vermitteln konnte und auch der letzten Königin der Bugger eine neue Heimat verschaffen konnte, stellt sich nun das Problem der Flotte, die der Kongress nach Lusitania geschickt hat, um den Planeten und den gefährlichen Virus darauf – die Descolada – zu vernichten. Mithilfe von Jane – einem unabhängigen Wesen, das in den Weiten des interstellaren „Internets“ lebt, gelingt es ihnen, die Flotte für den Kongress unsichtbar und unerreichbar zu machen, doch auf dem Planeten Path wird die hochintelligente Qing-Jao damit beauftragt, den Grund für das Verschwinden der Flotte herauszufinden. Doch die Menschen auf Lusitania haben noch ein weiteres Problem: Solange die Descolada aktiv ist, können sie den Planeten nicht verlassen, ohne jeden anzustecken, dem sie begegnen und alle planetaren Ökosysteme zu zerstören. Diese Konflikte führen schließlich auch fast zu einem Krieg zwischen den Menschen und den Pequininos.

Im Zentrum dieses dritten Romans über Ender Wiggin steht der Konflikt zwischen dem eigenen Überleben und der Zerstörung kompletter intelligenter Rassen. Wenn die Menschen den Descolada-Virus zerstören, vernichten sie damit zwangsläufig die Lebensgrundlage der Pequininos, die darauf für ihre Reproduktion angewiesen sind. Vernichten sie ihn nicht, droht dem gesamten Planeten das Aus. So drehen sich auch die meisten der umfangreichen Dialoge um das Thema Intelligenz, Selbsterkenntnis und das Recht auf Leben. Dabei beweist Card mal wieder sein gesamtes Talent, dem Leser mit komplexen ethisch-moralischen Dilemmata in die komplexe Handlung hineinzuziehen. Auch das Thema Religion und blinder Glaube spricht er auf seine unnachahmliche Weise an: Auf dem Planeten Path gibt es eine Gruppe, die sich als die von Gott Auserwählten sieht, und von ihnen zu zwanghaften Reinigungsritualen aufgefordert werden. Auch Qing-Jao gehört den Auserwählten an und wird von ihnen gezwungen, die Maserung im Holz ihres Fußbodens zu beobachten. Als es Ender mit Hilfe von Jane gelingt, mit ihrer Kammerdame Wang-mu und ihrem Vater Han Fei-tsu aufzunehmen, finden sie heraus, was hinter diesem unbändigen Zwang steckt und entwickeln eine Möglichkeit, ihn zu heilen.

Xenocide ist mal wieder ein unglaublich faszinierender Roman von Orson Scott Card. Durch seinen Stil, moralische Dilemmata zum Zentrum der Handlung zu machen, erzeugt er gleichzeitig eine unglaubliche Spannung und bringt den Leser auf jeder Seite erneut dazu, sich über die Frage nach der Natur des Menschen, seinem Verhältnis zur Natur und die Bewertung der Intelligenz fremder Rassen Gedanken zu machen.


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