My life fell apart when I was sixteen. Papa died. He had such a strong heart, yet he died. Was it the heat and smoke from his blacksmithing shop? It’s true that nothing could take him from his work, his art. He loved to make the metal bend, to obey him. But his work only seemed to strengthen him; he was so happy in his shop. So what was it that killed him? To this day I can’t be sure. I hope it had nothing to do with me or what I did back then.

Who Fears Death?

(DAW 2010, 304 Seiten, 075640617X)

Ein äußerst innovatives, spannendes und auch lesenswertes Buch, das viele aktuelle Themen aufgreift, dem aber ein wenig die erzählerische Dichte und Atmosphäre fehlt.

Onyesonwu ist kein normales Mädchen. Sie ist eine Ewu – die Tochter einer Okeke und eines Nuru – und damit das Ergebnis einer Vergewaltigung. Die Nuru sind ein kriegerisches Volk und erfüllen eine im „großen Buch“ festgeschriebene Aufgabe: die Vernichtung der Okeke. Und so ziehen sie brandschatzend, mordend und vergewaltigend durch den Westen. Onyesonwus Mutter gelingt es nach der Vergewaltigung, in die Wüste zu fliehen und so wächst das Mädchen in der heißen und wasserlosen Einöde auf. Erst nach einigen Jahren ziehen die beiden nach Jwahir, einer Stadt im Osten, die bislang von den Nuru verschont wurde. Dort ist Onyesonwu jedoch durch ihre Hautfarbe als Ewu stigmatisiert, denen in den Köpfen der Menschen ein Leben voller Gewalt und Grausamkeit vorherbestimmt ist. So findet sie ihre ersten Freunde in Binta, Luyu und Diti, mit denen sie sich dem „Ritual des elften Geburtstags“ unterwirft – der weiblichen Beschneidung. In derselben Zeit lernt sie auch Mwita kennen, einen Ewu-Jungen, der sie von Anfang an fasziniert. Doch Onyesonwu ist nicht nur als Ewu anders als die Anderen. Noch vor ihrem elften Geburtstag stellt sie fest, dass sie sich in einen Geier verwandeln kann und auch in einen Spatz. Sie ist eine Gestaltwandlerin. Während ihrer Beschneidung zeigen ihr ihre magischen Kräfte zudem, dass sie von einem mächtigen Zauberer beobachtet wird, der ihr nach dem Leben trachtet. Um sich gegen den Angreifer verteidigen zu können, sucht sie den Zauberer Aro auf und bittet ihn, sie zu unterrichten. Er lehnt dies jedoch zuerst ab, weil er keine Mädchen unterrichtet. Erst später erklärt er sich dazu bereit, ihr dabei zu helfen, die Kontrolle über ihre Kräfte zu gewinnen. Als sie dann feststellt, dass der mächtige Zauberer, der ihr Leben bedroht, ihr leiblicher Vater ist, macht sie sich zusammen mit Luyu, Binta, Diti und Mwita auf den Weg durch die Wüste um ihm entgegenzutreten. Dabei lernt sie immer mehr über die Kräfte, ihre Geschichte und die Geschichte des „großen Buchs“, die nur sie neu schreiben kann.

Von Who Fears Death bin ich hin und her gerissen: Das Buch ähnelt keinem Fantasy- oder Science-Fiction-Buch, das ich bisher gelesen habe. Das Setting in einem dystopischen Afrika der unbestimmten Zukunft ist äußerst ungewöhnlich und Okorafor versteht es hervorragend, es mit einer Mischung aus Fantasy-Elementen und afrikanischer Mythologie zum Leben zu erwecken. Mit der weiblichen Beschneidung, der Stellung der Frau in der afrikanischen Gesellschaft und dem Genozid der Nuru an den Okeke spricht sie zudem drei äußerst aktuelle Themen an, die das Leben in Afrika nach wie vor prägen. Daher wird es nicht umsonst von der amerikanischen Kritik mit Lob überschüttet und ist unter anderem für den Nebula Award 2010 nominiert.

Auf der anderen Seite hat es Okorafor trotz aller Dramatik, Tragik, Aktualität und Brutalität nicht geschafft, mich wirklich in die Geschichte hineinzuziehen. Vielleicht lag es daran, dass 300 Seiten nicht gerade viel dafür sind, den Leser mit einer vollkommen fremden Welt vertraut zu machen, für die Hauptfiguren einzunehmen, drei wichtige aktuelle Probleme aufzugreifen und der Entwicklung der Charaktere und der Handlung genug Platz einzuräumen. Vielleicht aber auch daran, dass mir gerade im ersten Teil das Thema „Stellung der Frau“ ein wenig zu offensiv in den Mittelpunkt gerückt wurde. Auch fehlen mir Hinweise auf den weiteren Kontext und die Geschichte der Welt in der sich Onyesonwu und ihre Gefährten bewegen. Man erfährt wenig mehr, als dass es sich um eine Zukunft handelt, in der nur noch wenig Technik existiert.

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