Faszinierende "Social Fiction", die zu oft von langweiligen Exkursen in die Bewusstseinsforschung unterbrochen wird.

Mitte des 21. Jahrhunderts gelingt es den Menschen endlich, den Mars mit bemannten Expeditionen zu erreichen. Schon bald werden Forschungsstationen eingerichtet, von denen der Nachbarplanet erforscht werden soll. Auf der Erde wird unterdessen beschlossen, den Mars nicht in eine zweite Erde zu terraformen, sondern ihn, ähnlich wie die Antarktis, der Forschung vorzubehalten. So wird ein ausgeklügeltes System entwickelt, in dem die Teilnehmer der Marserforschungen ausgewählt werden. Auf dem Mars bildet sich schnell eine kleine Stadt mit einer eigenen Gesellschaftsform. Dann werden die Forscher aber von Erde abgeschnitten: Ein totaler Kollaps der Weltwirtschaft macht weitere Marsflüge für die Menschen unerschwinglich. Num müssen die Forscher auf dem vierten Planeten sich organisieren, um überleben zu können. Es gilt, eine eigene Gesellschaftsordnung zu finden, die den speziellen Umständen auf dem Mars angepasst ist. Eine solche Aufgabe ist natürlich nicht einfach zu lösen und schnell bilden sich unter den Forschern Missgunst und Rivalitäten.

Die Handlung von Weißer Mars dient eigentlich nur als Vehikel für zwei völlig verschiedene, andere Themenbereiche. Zum einen präsentiert Brian W. Aldiss einen faszinierenden Entwurf einer Gesellschaftsform, mit der sich 5000 Menschen, die auf engstem Raum zusammen leben müssen organisieren und zum anderen versucht Roger Penrose, ein weltberühmter Bewusstseinsforscher, den Leser für die neuesten Erkenntnisse und Fiktion der Bewusstseinsforschung zu erwärmen. Gerade diese Passagen wirken aber leider zumeist sehr aufgesetzt und zu wissenschaftlich, so dass es dem Leser oft schwer fällt, zu verstehen, was diese Teile denn nun eigentlich mit dem Roman zu tun haben. Es scheint kein wirklicher innerer Zusammenhang zu bestehen. Aldiss erweist sich in seinem Teil des Romans jedoch als Meister der „Social Fiction“. Seine Schilderungen zu der fiktiven Gesellschaft sind immer interessant und auch fesselnd beschrieben. Auch die Handlungsschilderung stammt von Aldiss und kann auf ganzer Linie überzeugen. Fesselnd und eindrucksvoll beschreibt er das Leben und die Menschen auf dem Mars.

Buch bei Amazon kaufen

Kommentar abgeben