Vor dem Frost (Innan frosten)

, Teil 1

(Zsolnay 2003, 540 Seiten, 3-552-05219-4)

Die Hauptfigur ist zwar sympathischer geworden, das ist aber auch die einzige Verbesserung gegenüber früheren "Mankells".

Über einem See werden nachts brennende Schwäne beobachtet, kurz darauf brennt eine Tierhandlung völlig aus. Was zunächst aussieht wie das Werk planloser Tierquäler, stellt sich bald als die sehr wohl geplanten Taten einiger religiöser Fanatiker heraus. Linda Wallander, Tochter des Kriminalkommissars Kurt Wallander in Ystad, ist mit der Polizeischule fertig und soll bald ihre erste Stelle bei der Polizei in Ystad antreten, hätte also mit diesen Ermittlungen eigentlich nichts zu tun, wenn nicht eine ihrer Freundinnen, Anna Westin, plötzlich und unerklärlich verschwunden wäre. Linda macht sich auf die Suche nach ihrer Freundin, und recht bald stellt sich heraus, dass zwischen deren Verschwinden und den Ermittlungen ihres Vaters ein Zusammenhang besteht.

Das ist er nun – der erste „Mankell“ mit Linda Wallander statt ihres Vaters in der Hauptrolle. Linda ist zwar auch noch etwas komisch, aber schonmal deutlich sympathischer als ihr Vater. Aber das war es auch an deutlichen Veränderungen – insgesamt hat mir Vor dem Frost auch nicht besser gefallen als frühere Bücher aus Mankells Wallander-Reihe. Die Idee, etwas über eine Gruppe religiöser Fanatiker zu schreiben, ist recht gut, auch der Bezug zu Schweden ist diesmal glaubwürdig, aber nicht nur deren Taten sondern der ganze Roman ist etwas wirr. Dass Linda und ihr Vater sich in der Konstellation als Polizeianwärterin und Kriminalkommissar in die Quere kommen werden, ist ziemlich klar, und so sind die auftretenden Konflikte ganz nett zu lesen, aber auch recht vorhersehbar. Das Ende dieses Romans (und insbesondere, dass die Handlung genau am 11. September 2001 endet) wirkt reichlich platt. Den Autor sei übrigens Dank dafür, dass er im Nachwort den Leser aufklärt: „Dies ist ein Roman“ – wer hätte das gedacht? Wie auch in Die Brandmauer ist auch diesmal wieder ein Wort zur Übersetzung nötig: Der Übersetzer hat auch diesmal wieder das im Schwedischen übliche „Du“ durch das im Deutschen gewohnte „Sie“ ersetzt, um den dummen Leser bloß nicht zu überfordern – warum allerdings Linda dann die Mutter ihrer Freundin duzt, leuchtet nicht ganz ein. Zuletzt fällt noch die veraltete Rechtschreibung dieses 2003 erschienenen Buches auf, deren Effekt noch durch einen nicht hundertprozentig lesefreundlichen Schriftsatz unterstrichen wird.

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