Vendetta (A Venetian Reckoning)

, Teil 4

(Pan Books 1996, 326 Seiten, 0-330-34416-1)

Ich kann dieses Buch (und auch andere Bücher aus der Reihe) jedem empfehlen, der gerne Krimis mit gewissen Lokalkolorit liest.

Beim ersten Schneefall in den italienischen Dolomiten rutscht ein rumänischer LKW aus der Kurve, zwischen seiner im Schnee verstreuten Ladung finden sich Frauenleichen. Da auch der Fahrer tot ist, können die Umstände dieses Unfalls nicht aufgeklärt werden, und die Schlagzeilen über den „“Todeslaster““ verschwinden schnell wieder. Einige Wochen später versucht die Schaffnerin im Intercity nach Santa Lucia einen vermeintlichen Schwarzfahrer zu wecken – doch vergeblich, denn Rechtsanwalt Carlo Trevisan wurde in seinem Abteil erschossen. Commissario Guido Brunetti von der venezianischen Polizei wird am nächsten Morgen mit der Aufklärung dieses Verbrechens betraut, und stößt im Zuge seiner Ermittlungen auf eine düstere Bar, von der aus verdächtige Telephonate nach Osteuropa geführt wurden. Doch es muss erst noch der Schwager des Avvocato Trevisan den Tod finden, bevor Brunettis Frau Paola den Commissario auf einen Zusammenhang mit dem „Camione della Morte“stößt. Und auch Brunettis Tochter Ciara spielt für Guido Detektiv und bekommt dabei ein Video mehr zu Gesicht als Brunetti lieb ist…

A Venetian Reckoning ist ein gelungenes Buch aus Leons Reihe über den sympathischen venezianischen Kriminal-Kommissar Brunetti. Wie auch in ihren anderen Büchern hat sich die Autorin eine aktuelle Thematik ausgesucht. Hier macht sie deutlich, wie wenig man gegen skrupellose Menschenhändler tun kann, die Frauen mit Versprechungen nach Europa locken und die illegal Eingereisten dann zur Prostitution zwingen. Was die Hauptperson Brunetti so sympathisch macht, ist einerseits Leons Beschreibung der psychologischen Spielchen und Sticheleien, mit denen Brunetti mit seinen Mitmenschen allgemein und seinem Chef, Vice-Questore Patta, im Besonderen umgeht. Andererseits ist es seine Darstellung nicht als der strenge Vertreter von Gesetz und Ordnung, sondern als jemand, der auch schon mal Fünfe gerade sein oder auch belastendes Material verschwinden lässt, wenn er dafür wertvolle Informationen bekommen oder später einen Gefallen einfordern kann. Mit Venedig hat sich die Autorin einen schönen Schauplatz ihrer Romane ausgesucht, den sie so lebhaft verbildlicht, dass einige Passagen auch als Reiseführer gelesen werden könnten. Dabei zeigt sie – sicherlich nicht vorurteilsfrei – die Unzufriedenheit und auch Gleichgültigkeit der Italiener über ihre Behörden und ihre Regierung.

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