Tristopolis (Bone Song)

(Heyne 2007, 509 Seiten, 978-3-453-52295-4)

Ein lesenswerter Thriller in einer sehr spannenden Welt voller Ideen, die aber leider zu wenig ausgeführt werden.

Seit einiger Zeit bereits häufen sich merkwürdige Todesfälle von prominenten Künstlern, bei denen die Leichen danach spurlos verschwinden. Der Polizei-Inspektor Donal Riordan wird daher damit beauftragt, die eine berühmte Opernsängerin, die in Tristopolis ein Gastspiel gibt, zu beschützen und sicherzustellen, dass sie nicht das nächste Opfer der Leichendiebe wird. Und tatsächlich ereignet sich während eines ihrer Auftritte Seltsames im Opernhaus: Die Zuschauer stehen plötzlich unter einem Bann, der sie auf die Bühne zumarschieren lässt. Riordan kann sich aufgrund seiner Ausbildung jedoch aus dem Bann lösen und es gelingt ihm, mit der Sängerin in die Unterwelt der Stadt zu entkommen. Ihre Flucht endet jedoch in dem „Kraftwerk“ der Stadt, in dem aus den Knochen Verstorbener Energie gewonnen wird. Dort wird die Sängerin erschossen und Riordan verletzt. Als er erwacht, wird er von der Untoten Laura Steele für ein Spezialkommando angeworben, das kurz davor steht, eine gewaltige Verschwörung aufzudecken.

Auf der Rückseite des Buches verspricht der Guardian „eine furiose Mischung aus Mystery, Thriller und Science Fiction. Nervenzerreißend spannend und voll atemberaubender Ideen“. Der letzten Aussage kann ich dabei voll zustimmen: Meaney schafft in diesem Buch eine Welt, wie sie mir bislang noch nicht untergekommen ist. Sie wird vollkommen vom Tod definiert und alles steht irgendwie in einem morbiden Zusammenhang. So spielt die auf dem Cover zu sehende Autobahn, die in einen gigantischen Totenkopf hineinführt, in dem Roman tatsächlich eine wichtige Rolle. Auch die Handlung des Buchs ist durchaus solide: Ein Inspektor rutscht mehr oder weniger zufällig in die Ermittlungen zu einer gewaltigen Verschwörung. Nichts Neues, aber auch nichts, was man gerade in solch einer innovativen Welt nicht gut ausgestalten könnte.

Meaney begeht jedoch in Tristopolis einen Fehler: Er schildert die Geschichte so, als wäre dem Leser die Welt, in der sie spielt, gut bekannt. Er verzichtet weitestgehend darauf, dem Leser seine Welt zu erklären. Er sagt nichts dazu, warum es Untote gibt, wie genau aus Knochen Energie gewonnen wird und warum der Tod zum bestimmenden Element der Stadt geworden ist. Auf diese Weise bleibt es dem Leser überlassen, sich aus verschiedenen kleinen Fetzen das nötige Hintergrundwissen selber zusammenzureimen. Das reicht zwar, um die Handlung zu verstehen, es verhindert aber, dass man wirklich tief in die Welt eintauchen und sich mit den Charakteren identifizieren kann. Vielmehr ist man ständig damit beschäftigt, sich die Welt um die handelnden Personen herum zu erklären. Auch bleiben die Charaktere auf diese Weise ziemlich flach, weil der Leser die Figuren und die Handlung nicht gut genug in den gesamten Kontext einbetten kann. Meaney gibt hierfür einfach zu wenig Hilfestellung. Es bleibt ein lesenswerter Thriller in einer sehr spannenden Welt voller Ideen, die aber leider zu wenig ausgeführt werden.

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