He told me to leave his class, calling me an irreverent dennerling with no respect for authority. I called him a pompous slipstick who had missed his true calling as a counting-house scribe. In all fairness, we both had some valid points.

The Wise Man's Fear

, Teil 2

(DAW Books 2011, 1008 Seiten, 9780756404734)

Rothfuss zeigt auch hier wieder, dass er ein großer Erzähler ist, der es versteht, eine Figur und eine Welt zu entwickeln. Aber unbedingt vorher den ersten Band lesen!

Manchmal hat es doch seine Vorteile, den neuesten Hit nicht gleich beim Erscheinen zu lesen. Denn so musste ich nach dem genialen Der Name des Windes nicht ein paar Jahre darauf warten, endlich den Nachfolger The Wise Man’s Fear in den Händen zu halten. Ich konnte mich einfach zwei Wochen, nachdem ich durch Rothfuss‘ Erstling durch war, voller Vorfreude und Erinnerungen an den ersten Band auf Buch Nummer zwei stürzen. Und, so viel kann ich vorweg verraten, es hat sich gelohnt.

Die Erwartungen waren hoch, nachdem Rothfuss mich in seinem ersten Roman so intensiv an das Leben von Kvothe fesseln konnte: seine Zeit bei den Edema Ruh, das Leiden im Wald und auf den Straßen Tarbeans. Seine Freundschaft mit Denna und schließlich die Aufnahme in die Universität. Und wie nicht anders zu erwarten war, schließt Wise Men’s Fear unmittelbar an die Ereignisse im ersten Band an: Am zweiten Tag seiner Erzählung nimmt Kvothe uns wieder mit in die Universität, die er aber schon nach kurzer Zeit verlässt, um sich in den Dienst des Maer von Vintas zu stellen. Von dort treiben ihn seine Abenteuer schließlich in das Land der Fae und schließlich zu den rätselhaften Adem.

Meine Hoffnung, dass Rothfuss sich noch mehr auf seine Stärken besinnt, die Charaktere sowie die Welt weiter in den Mittelpunkt rückt und sich nicht zu sehr auf Action und Abenteuer konzentriert, hat sich glücklicherweise erfüllt. Er bleibt seinem Stil treu und lässt sich viel Zeit, um die Figuren und die Ereignisse zu entwickeln. Ein besonderes Highlight ist für mich die fein gezeichnete Kultur der Adem, die eine ganz eigene Art entwickelt haben, mit Gefühlen umzugehen und zu kommunizieren. Rothfuss beschreibt sehr einfühlsam, wie sich Kvothe dieser Kultur anzunähern versucht und sich auch von ständigen Rückschlägen nicht beirren lässt. Doch als er an dem Punkt ist, dass er sie zumindest grundlegend versteht, verlässt er ihre Lande und kehrt an die Universität zurück.

Neben diesem absoluten Höhepunkt des Weltenbaus fällt Kvothes Zeit im Land der Fae bei Felurian ein wenig ab. Ich kann einfach nichts anfangen mit so mythischen Welten voller bewusstseinsverändernder Ereignisse und dem Wandel zwischen Realität und Traum. Aber Rothfuss schafft es mit seinem Erzähltalent immerhin diese Passagen nicht zu langweilig werden zu lassen.

Irgendwie ist es merkwürdig, dass man nach den mehr als 1000 Seiten nicht das Gefühl hat, von der Handlung überwältigt worden zu sein. Wenn man die Bücher von Patrick Rothfuss beispielsweise mit denen eines George R R Martin vergleicht, entspricht die Komplexität der Handlung eher einem Kinderbuch. Durch die unglaubliche Detailfülle und den absoluten Fokus auf Kvothe entsteht jedoch eine derart dichte Atmosphäre, dass ich überhaupt nicht mehr Handlung brauche. Es genügt mir, mich in diese stringente Erzählung fallen zu lassen, zu beobachten, wie Kvothe sich an der Universität durchschlägt, wie er in Severen einen Kriminalfall löst, eine Hochzeit einleitet, Banditen bekämpft und schließlich die Kultur der Adem kennenlernt. Genial.

Etwas irritiert hat mich in diesem Buch jedoch die gegenwärtige Handlungsebene, in der Kvothe seinem Schüler Bast und dem Chronisten seine Geschichte erzählt. Diese entwickelt sich kaum weiter und besteht nur aus eher beliebig scheinenden Einsprengseln. Dadurch fehlt dem Buch auch so ein wenig der übergreifende Rahmen, das große Thema und der zentrale Konflikt. Klar, da ist Kvothes Suche nach den Chandrian, aber es bleibt nur ein sehr leises Gefühl einer akuten Gefahr oder eines großen Ganzen. Man folgt halt Kvothe bei seiner spannenden und intensiv erzählten Geschichte, ab und an tauchen jedoch Fragen auf wie „Warum ist das gerade wichtig?“ oder „Wieso erzählt er das gerade?“. Schade, hier könne ein bisschen mehr Zug das Buch wirklich perfekt machen.

Einen großen Nachteil hat das Buch jedoch: Jetzt bin ich durch und muss nun ein paar Jahre auf den Abschluss der Trilogie warten…

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Bisher ein Kommentar zu The Wise Man’s Fear von Patrick Rothfuss

  1. pwain sagt:

    Ich habe das Buch gerade in der Originalausgabe gelesen und teile die Kritik. Es ist wirklich ein tolles Buch und genau wie der erste Teil sehr fesselnd. Aber wenn man auf die ersten Buecher zurueckblickt, frage ich mich doch, wie will der Patrick Rothfuss in einem Buch es zu Ende bringen. Es gibt scheinbar noch so viel zu erzaehlen und dann noch so viel zu tun. Ich bin wirklich gespannt.

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