The White Russian (The White Russian)

(Corgi 2004, 551 Seiten, 0-552-14900-4)

Spannender Thriller an einem spannenden Ort zu einer spannenden Zeit.

Im St. Petersburg kurz vor der russischen Oktoberrevolution wird ein ermordetes Paar auf der Eisfläche der Neva in Sichtweite des Zarenpalastes gefunden. Chefermittler Sandro Ruzsky ist gerade von einer dreijährigen Strafversetzung nach Sibiren zurückgekehrt und wird gleich mit dem heiklen Fall konfrontiert. Schnell findet er heraus, dass in dem Fall eine Verbindung zum Zarenhaus besteht und bei seinen Ermittlungen gerät er mitten in die Machtspielchen zwischen den Zaren und der Geheimpolizei. Zudem steckt die Stadt gerade mitten in einer Hungersnot, die durch den harten Winter und den ersten Weltkrieg ausgelöst wurde. Auch gibt es die ersten Anzeichen der bevorstehenden Revolution. Mitten in diesem Gewirr ermittelt Ruzsky nun in alle Richtungen und legt sich bald mit mächtigen Männern und Frauen an. Seine Ermittlungen führen ihn aber auch in seine eigene Vergangenheit und zu Dingen die er lieber in den hintersten Winkeln seines Kopfes vergraben wüsste.

Es ist sicherlich ein sehr ungewöhnliches Szenario, dass Bradby hier für seinen Thriller ausgesucht hat. Das St. Petersburg dieser Zeit ist sicherlich einer der komplexesten und verworrensten Orte, die man sich für eine Romanhandlung aussuchen kann, zumal als Nicht-Russe. Und während die Handlung sehr spannend und intelligent konstruiert ist und Bradbys Charaktere zu fast jeder Zeit glaubwürdig wirken, so gelingt es ihm doch nicht ganz, den Leser in Zeit und Raum zu vesetzen und im Russland der vorrevolutionären Zeit versinken zu lassen. Es wird zwar jeder Aspekt mal ein wenig angesprochen und es gibt auch einige wirklich atmosphärische Szenen, aber irgendwie will der Funke nicht richtig überspringen. Dies könnte auch daran liegen, dass Bradby ein relativ großes Vorwissen über die Umstände der damaligen Zeit voraussetzt und den Leser bei dem Ausmaß der Bedeutung einiger Ereignisse mehr oder weniger im Unklaren lässt. Durch die wirklich gute Handlung, die glaubwürdigen Charaktere und den halt doch immer noch reichlich vorhandenen Lokalkolorit wird The White Russian aber auf jeden Fall zu einer empfehlenswerten Lektüre.

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