Extrem lesenswert und eine absolute Bereicherung für jedes Bücherregal.

Nachdem der Vorgänger Ender’s Game mich auf der knapp 30-stündigen Zugfahrt von Brisbane nach Melbourne bestens unterhalten hatte, habe ich jetzt endlich die Zeit gefunden, mit auch mit Speaker for the Dead etwas ausführlicher zu beschäftigen. Orson Scott Card setzt darin zwar die Geschichte von Ender Wiggins fort, verlegt seine Handlung jedoch immerhin 3000 Jahre in die Zukunft. Aus dem militärischen Genie ist mittlerweile ein Sprecher für die Toten geworden, der durch die Galaxis reist und die wahre Geschichte und den Charakter von Toten erkundet und der Öffentlichkeit präsentiert. Als er auf die Koloniewelt Lusitania gerufen wird, sieht er sich dort nicht nur mit einer komplizierten Familiengeschichte konfrontiert, sondern trifft auch auf die Piggies, die einzige außerirdische Rasse, mit der die Menschen Kontakt haben. Dieser Kontakt ist jedoch streng reglementiert und nur dem örtlichen Xenologen erlaubt. Im Laufe seiner Recherche dringt Ender immer weiter in das komplexe Geflecht aus Familiengeheimnissen und die Kultur der Piggies vor und entdeckt einiges, was den Menschen um ihn herum unbegreiflich scheint. Und natürlich wartet Card gegen Ende des Buches auch wieder mit einer Überraschung auf, auch wenn diese nicht ganz so groß ausfällt, wie in Ender’s Game

Wie auch der Vorgänger hat mir Speaker for the Dead ausnehmend gut gefallen. Mit Ender Wiggin hat Card eine Figur erschaffen, wie ich sie noch in keinem anderen Buch erlebt habe und auch die Welt ist extrem glaubwürdig und faszinierend geschildert. Mithilfe dieser beiden Bestandteile schneidet der Autor in diesem Buch mal wieder viele Themen an und gibt dem Leser unzählige Denkanstöße. Da geht es beispielsweise um Daten, die so geheim gehalten werden, dass dafür geliebte Menschen sterben, es geht darum, wie Religion und blinder Glaube unser Denken einschränken und um unseren Umgang mit dem Fremden. Was passiert mit uns, wenn andere voller Überzeugung in einer Gesellschaftsform leben, die für uns absolut unverständlich erscheint und in vielem unseren Moralvorstellungen widerspricht? Wie geht man damit um, wenn für die einen etwas höflich ist, was für uns abgrundtief böse ist? Card setzt sich mit diesen Themen auf eine sehr ernste aber sehr unterhaltsame Weise auseinander. Um solche Konflikte glaubwürdig auflösen zu können, braucht es dann wahrscheinlich auch einen so überragend guten Charakter wie Ender Wiggin, der mir aber an vielen Stellen schon fast zu perfekt erschien. Leider vernachlässigt Card an manchen Stellen die Handlung ein wenig und erzeugt soch doch leider einige Längen in diesem ansonsten nahezu perfekten Buch.

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