Sperling (The Sparrow)

(Heyne 2000, 650 Seiten, 3-453-16180-7)

So, wie gute Science-Fiction sein soll: spannend, atmosphärisch und anspruchsvoll

Im Jahr 2019 werden auf der Erde erste extraterrestrische Radiosignale empfangen: Wunderschöne Gesänge. Zufälligerweise ist Pater Sandoz, ein jesuitischer Priester und Linguist, einer der ersten, der die Gesänge zu Gehör bekommt. Er ist fasziniert und zusammen mit einigen Freunden und mit Unterstützung seines Ordens gelingt es ihm, eine Expedition zu dem fernen Planeten auszurüsten. Nach achtmonatigem Flug erreicht die Gruppe den Planeten Rakhat. Nach einer eingehenden Phase der Untersuchung landen sie in einem unbewohnten Waldstück. Dort beginnen sie die Erforschung des Planeten. Nach einem Monat beschließen sie, ein verlassenes Dorf zu untersuchen. Während sie dies tun kehren die Einheimischen zurück und es kommt zu einer ersten Kontaktaufnahme. Da die Außerirdischen erheblich größer sind als die Menschen erkennen sie nur den größten von ihnen als Erwachsenen an. Da aber die Kontaktaufnahme mit Fremdlingen, die eine andere Sprachen sprechen, auf diesem Planeten immer über lernfähige Kinder erfolgt wundern sie sich nicht, als Sandoz mit ihnen in Kontakt zu treten versucht. Schnell lernen die Menschen die Sprache und kommen mit den Einwohnern der großen Stadt, aus der die Gesänge kommen, in Kontakt. Dabei entdecken sie, dass die Ruano (mit denen die Menschen als erstes Kontakt hatten) von den Stadtbewohnern nur als Aroma-Lieferanten ausgebeutet werden. Nach einigen Todesfällen ist Pater Sandoz bald als einziger Mensch auf dem Planten und kehrt als körperliches und geistige Wrack zurück zur Erde.

Nicht chronologisch, sondern in Rückblendungen erzählt Russell die Geschichte der Reise von Pater Emilio Sandoz. Sie beginnt damit, dass Sandoz als Wrack auf der Erde ankommt und lässt den Leser seine Qual durchleben als er Stück für Stück die Geschichte vor den obersten Geistlichen seines Ordens ausrollt. Dabei beschreibt Russell ihre Charaktere so detailliert und geheimnisvoll, dass man das Buch schon nach wenigen Seiten kaum mehr aus der Hand legen will. Nach dem sehr guten Anfang flaut das Buch ein wenig ab, gewinnt aber wieder an Fahrt, als die Menschen den Planten Rakhat erreichen. Ab da wird es bis zum Ende immer schwieriger Lesepausen einzulegen. Auch die Beschreibungen der außerirdischen Vegetation und Kultur sind äußerst detailliert und spannend. Russells Meisterstück ist allerdings die Entwicklung, die die Menschen auf dem fremden Planten durchmachen. Diese sind dermaßen nachvollziehbar und beeindruckend beschrieben, dass man meinen könnte, die Autorin hätte dies selbst erlebt. Als roten Faden durch das Buch hat die Autorin den Glauben an Gott gewählt, in dem sich Pater Sandoz geborgen fühlt. Er glaubt, Gott habe ihn auf diesen Planeten geschickt, um mit den Einheimischen Kontakt aufzunehmen. Doch als er am Ende alleine ist wird dieser Glaube in seinen Grundfesten erschüttert. Sperling ist also nicht nur spannend, sondern regt den Leser an einigen Stellen auch zum nachdenken an.

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