Nach einer alten sachakanischen Tradition, an deren Ursprung sich niemand mehr erinnern konnte, galt der Aspekt des Sommers als männlich, der des Winters als weiblich.

Sonea – Die Heilerin (The Rogue)

, Teil 2

(Penhaligon 2011, 573 Seiten, 9783764530426)

  • Lebendige und gut ausgestaltete Welt
  • Schnell und schnörkellos, aber manchmal etwas oberflächlich
  • Für Kenner der Serie recht vorhersehbar und ohne große Überraschungen

Die Welt von Kyralia kennen wir aus den Büchern von Trudi Canavan schon seit einigen Jahren: Mit der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier, der Vorgeschichte in Magie und dem aktuellen Sonea-Zyklus hat die australische Autorin sicherlich eine der aktuell bekanntesten und beliebtesten Fantasy-Welten geschaffen. Auch ich habe mich dem Sog ihrer Bücher nicht verschließen können und mich dementsprechend gefreut, als ich das Rezensionsexemplar zu Sonea – Die Heilerin im Briefkasten hatte. Dann hatte ich letzte Woche auch noch die Gelegenheit, Trudi Canavan nicht nur auf einer Lesung live zu erleben, sondern auch ein ausführliches Interview mit ihr zu führen. Aber zu dem Interview komme ich später, jetzt geht es erstmal um ihr aktuelles Buch:

Keinen Leser des ersten Bandes wird es überraschen, dass Canavan die Handlung nahtlos fortsetzt. Sonea ist in Imardin immer noch auf der Jagd nach dem wilden Magier und Dieb Skellin und kämpft mit den Auswirkungen der beliebten Droge Fäule. Ihr Sohn Lorkin hält sich währenddessen in der geheimen Heimat der abtrünnigen Sachakaner in den Bergen auf und versucht, hinter das Geheimnis der magischen Steine zu kommen. Auch bei ihrem Erzähl- und Schreibstil bleibt sich Canavan treu: schnell und schnörkellos, ohne sich mit langen Erklärungen oder Beschreibungen aufzuhalten. Trotzdem habe ich die Welt schon immer als lebendig und glaubwürdig empfunden – wahrscheinlich ein Resultat der vielen Arbeit, die sich die Autorin hinter den Kulissen mit ihrem Weltenbau macht.

Trotzdem habe ich so langsam das Gefühl, dass sich die Welt Kyralia und der Stil Canavans in diesen Büchern so langsam ein wenig abnutzt. Man kennt die Figuren und die Welt mittlerweile so gut, dass viele Wendungen in der Handlung vorhersehbar werden. Auch reißt Canavan viele spannende Themen zwar an, arbeitet sie dann aber nicht wirklich auf. So böten beispielsweise die moralischen Ambiguitäten der Heilung mit Magie, das Spannungsverhältnis zwischen erlaubtem und verbotenen Wissen oder die in Kyralia anscheinend offen gelebte Homosexualität viele spannende Anknüpfungspunkte für Dialoge, Gedankenspiele oder Handlungsstränge, die die Autorin jedoch nicht weiter verfolgt.

Dabei ist gerade die extrem hohe Anzahl von Figuren mit zumindest homosexuellen Tendenzen oder Gedanken für einen Fantasy-Roman sehr ungewöhnlich: vielleicht ein Drittel der zentralen Charaktere lebt diese an irgendeiner Stelle des Buches auch aus. Nicht, dass es mich stören würde, es wird für mich damit jedoch zu einem wichtigen Element der Handlung, über dessen gesellschaftlichen Kontext man leider zu wenig erfährt. Natürlich habe ich die Autorin darauf in dem Interview auch angesprochen und sie wollte dies als Statement darüber verstanden wissen, dass Homosexualität in Kyralia eben nicht groß thematisiert, sondern einfach gelebt wird. Die hohe Konzentration in ihrer Geschichte ergab sich daraus, dass sie einen als schwul eingeführten Charakter in eine Dreiecksgeschichte laufen lassen wollte und sich einige Leser beschwert hätten, es gäbe nur schwule und keine lesbischen Figuren.

Wie dem auch sei, Sonea – Die Heilerin ist ein weiterer lesenswerter Roman aus Australien und erweitert das Panorama der Welt Kyralia um einige spannende Aspekte.

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