Sonea - Die Hüterin (The Ambassador's Mission)

, Teil 1

(Penhaligon 2010, 576 Seiten, 978-3-7645-3041-9)

Süffige Fantasykost ohne große Überraschungen.

Pünktlich zum Erscheinungstermin und gerade rechtzeitig zu meinem ersten 24-Stunden-Lesemarathon liegt er also vor mir: der erste Band der Nachfolgetrilogie zu Trudi Canavans viel umjubelter Reihe Die Gilde der schwarzen Magier. Und wieder geht es um Sonea, das Mädchen aus den Slums von Imardin, das sich in der ersten Reihe von einer Diebin zur mächtigsten Magierin von Kyralia entwickelt hat. Sie ist einer von zwei Magiern, denen die Gilde erlaubt hat, die ehemals verbotene Schwarze Magie zu erlernen, um einen weiteren Angriff der Schwarzmagier aus Sachaka abwehren zu können. Ihr Sohn Lorkin hat gerade sein Noviziat beendet und begibt sich als Assistent des neuen Botschafters in Sachaka auf eine gefährliche Reise, während sich Sonea und ihr Jugendfreund und Meisterdieb Cery auf die Suche nach einer wilden Magierin und dem Mörder von Cerys Familie machen.

Wie schon die erste Trilogie von Trudi Canavan verspricht auch der Sonea-Zyklus beste Fantasy-Unterhaltung. Wieder entführt die Autorin den Leser in die bekannte Welt, erlaubt es ihm diesmal aber auch, sich aus der Stadt zu entfernen und die Weiten des Landes zu erkunden. Dabei hat er mit Lorkin einen sympathischen Reisebegleiter, der in eine Intrige verwickelt wird, aus der er sich nur mit der Hilfe einer weiteren von Canavans starken Frauenfiguren befreien kann. Auf seiner Flucht Weg durch das fremde Sachaka entsteht vor den Augen des Lesers eine merkwürdige Gesellschaft mit einer starken Rolle von Grundbesitzern und einer selbstverständlichen Sklavenhaltung. Ein Land, in dem Frauen unterdrückt werden und Magie ein selbstverständlicher Teil des Alltags ist. Die detaillierte Schilderung der Hintergründe und Strukturen der Gesellschaft von Sachaka ist es dann auch, die Sonea – Die Hüterin von den Büchern der Debüt-Trilogie von Trudi Canavan unterscheidet. Auch die damit verbundene Handlung weitet den Blick auf die detailliert ausgearbeitete Welt, die mir schon in den Vorgängerromanen sehr gut gefallen hat.

Canavan hat jedoch auch die Stadt Imardin nicht vergessen, die noch vor kurzer Zeit das Zentrum der Kämpfe gegen die sachakanischen Schwarzmagier war. Hier jagen Sonea und Cery einen wilden Magier und schlagen sich mit einer neuen Droge – Feuel – rum, die seit einiger Zeit immer mehr Bewohner der Stadt in ihren Bann zieht. Auch dieser Handlungsstrang ist plausibel geschildert und fügt dem Wissen des Lesers über die Stadt viele interessante Details und spannende Geschichten hinzu. Es fehlt hier jedoch ein wenig die Verbindung zu einer übergreifenden Handlung, die den Zyklus über drei Bände tragen könnte, aber ich vermute, dass dazu ohnehin die Sachaka-Handlung auserkoren wurde.

Insgesamt ist Sonea – Die Hüterin ein durchaus würdiger Nachfolger der großartigen Reihe Die Gilde der schwarzen Magier. Er ist mir jedoch irgendwie zu glatt geraten und oftmals zu vorhersehbar. So versäumt die Autorin es, den Leser durch unerwartete Wendungen zu überraschen oder durch eine ambivalente Figur ein wenig mehr Spannung in den Roman einzubauen. Das Buch fließt wie ein unaufhaltsamer Strom vor sich hin und unterhält den Leser mit einem sehr gefälligen Schreibstil, guten Ideen und einer soliden Handlung. Da sich das Buch im besten Sinne des Wortes süffig liest, war es demnach auch die ideale Lektüre für den Lesemarathon und hat mich über neun der von mir gelesenen 15,5 Stunden sehr gut unterhalten. Überrascht hat es mich – im Positiven wie auch im Negativen – aber selten.

Ein herzlicher Dank geht an den Penhaligon-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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