The Emperor of Ocean Park

(List 2004, 859 Seiten, 3-548-60398-X)

Überladener Thriller, der am Anfang zu viel will, sich am Ende aber als spannend und gut konstruiert erweist.

Talcott Garland ist Juraprofessor an einer Universität in den USA. Seine Frau, ebenfalls Juristin, steht mitten im Rennen um einen Richterposten am Bundesberufungsgericht, ein Rennen das vor vielen Jahren bereits sein Vater aufgenommen hatte, bevor er von einem Skandal geschüttelt zurückziehen musste. Eines Tage stirbt Talcotts Vater unerwartet. Alles sieht nach einem Herzstillstand aus, doch schon bei der Beerdigung seines Vaters wird Talcott von einem alten Bekannten seines Vaters, Jack Ziegler, danach gefragt, welche Vorkehrungen sein Vater denn getroffen habe. Als ihm kurze Zeit später auch noch einer der Bauern, die im Schachspiel des Richters nach seinem Tode gefehlt haben, zugeschickt wird, tut Talcott die Verschwörungstheorien, die seine Schwester zum Tode ihres Vaters entwickelt hat nicht mehr so einfach ab und als dann noch der Geistliche, der die Beerdigung seines Vaters durchgeführt hat brutal ermordet wird, beginnt, Talcott Nachforschungen über den Tod seines Vaters anzustellen.Dann bemerkt Talcott auch noch, dass er beobachtet wird und erhält immer wieder Anspielungen auf die mysteriösen Vorkehrungen, die er als einziger kennen soll, deren er sich aber in keiner Weise bewusst ist. Durch seine Nachforschungen vernachlässigt Talcott nach und nach seinen Job, entfremdet sich von seiner Frau und behindert sie auch in ihren Bemühungen um den prestigeträchtigen Richterposten.

(Dieser Roman) ist kein Schlüsselroman über die Jurisprudenz (..), über die Leiden der schwarzen Mittelschicht in unserem Land oder (..) die Geschichte meiner Familie So beginnt der Autor von Schachmatt sein Nachwort auf Seite 855 der vorliegenden Ausgabe. Auch wenn Carter es von sich weist, so wirkt der Roman gerade in der ersten Hälfte genau so, als die Schilderung des Schicksals einer schwarzen, amerikanischen Juristenfamilie mit all ihren Problemen und Familienanekdoten. Wenn er auch seine Charaktere extrem ausführlich und anekdotenreich vorstellt, vergisst er dabei leider die Handlung und auf den ersten 500 Seiten schleppt sich diese sehr mühsam vorwärts und es kommt selten wirkliche Spannung auf. Durch geschickt platzierte Andeutungen schafft es Carter aber, beim Leser so viel Neugier zu erwecken, dass man sich durch dieses Passagen mehr oder weniger durchbeißt, um die kurzen Abschnitte, die die Handlung voran bringen nicht zu verpassen. Dies zeugt zwar vom Geschick des Autors, macht diesen ersten Teil des Buches aber zu einer ziemlich zähen Lektüre. Was dabei noch mehr stört sind die ständigen Hinweise auf die Zugehörgkeit der Personen zur schwarzen Nation oder zur hellhäutigeren Nation. Ob hier nur die Übersetzer krampfhaft nach einer politisch korrekten deutschen Entsprechung gesucht haben oder der Autor selber auch diese umständliche Formulierung benutzt, bringt es der Atmosphäre des ersten Teils keinen Zugewinn, sondern macht die Lektüre recht holprig und manchmal richtiggehend nervig. Nachdem der Leser die ersten 500 Seiten überstanden hat, überrascht Carter auf einmal mit einer gefälligen und sehr gut konstruierten Thiller-Handlung in der die so mühsam eingeführten Figuren richtig in Bewegung kommen. Hier greift Carter auch einige der vielen Anektoden und Anspielungen aus dem ersten Teil wieder auf und zieht so den Leser tief in die Handlung hinein und auch die Auflösung der Rätsel weiß zu gefallen.

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