Rabenkind

(Bastei-Lübbe 1997, 284 Seiten, 3-404-13879-1)

Gäbe es einen Ostfriesland-Tatort wäre Rabenkind eine optimale Vorlage.

Gerold Heiken ist ein in der Stadt Geverensand bekannter Choleriker. Eines Tages wird er erschossen auf einem Hochsitz aufgefunden. Eine ersten Spur führt Kommissar Bäumer und seine beiden Assistenten zum Nachbar des Toten, dessen Hund Heiken an diesem Morgen erschießen wollte. Doch Hannecke, der neue Assistent Bäumers findet eine andere Spur. Diese macht den Sohn Heikens, einen Computerfreak und Anhänger einer Bruderschaft im Internet, Kord, verdächtig. Mit Hilfe eines befreundeten Informatikers findet er heraus, dass Kord über den Tod seines Vaters keineswegs traurig ist. Eine dritte Spur liefert der Dorfarzt Keulerz, der vermutet, dass Heiken seine Tochter Wiebke verprügelt hat. Unterdessen muss sich Bäumer, ein alteingesessener Geverensander Kripobeamter, erst an die Zusammenarbeit mit Hannecke, einem technikbegeisterten, kühlen Neuling aus Emden, gewöhnen.

Rabenkind ist der dritte Roman von Maeve Carels um den friesischen Kommissar Bäumer, seine Frau und die fiktive Stadt Geverensand. Ihr gelingt es sehr gut, die Stadt und ihre Bewohner für den Leser zum Leben zu erwecken. Die Figuren handeln glaubwürdig und stellen beileibe keine Stereotypen dar. Auch die Beziehung zwischen Bäumer und seinen beiden Assistenten, insbesondere die zum neuen, ist eindringlich geschildert und äußerst interessant zu lesen. Lokalkolorit bringt hauptsächlich die Tante Bäumers in den Roman. Sie spricht in Ansätzen einen ortstypischen Dialekt und ihre Auftritte sorgen immer für eine atmosphärische Auflockerung, ohne jedoch die Spannung zu schmälern. Die Atmosphäre Frieslands ist auch sonst gut eingefangen. Besonders die soziale Struktur in Geverensand wird dem Leser eindringlich vermittelt. Der Krimiplot ist ebenfalls sehr glaubwürdig. Carels schreibt spannend und vor Allem wendungsreich. Auch der überraschende Schluss weiß zu überzeugen.

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