Distress

(Heyne 1999, 557 Seiten)

Qual stellt eindeutig eine Pflichtlektüre für denjenigen dar, der sich für realistische Zukunftsvisionen interessiert oder sich für die Idee einer Universaltheorie erwärmen kann.

Im Jahr 2055 ist die Gentechnik auf der Erde viel weiter als heute. Das menschliche Erbgut ist so gut wie komplett entschlüsselt und aus Erbinformationen können ganze Inseln erschaffen werden. Auf einer solchen Insel steht nun ein denkwürdiges Ereignis bevor: Die Enthüllung einer Universaltheorie. Hier sollen die renommiertesten Wissenschaftler die Theorie veröffentlichen, die alle Phänomene des Universums seit dem Urknall erklärt. Sie beruht auf den Theorien Einsteins und Heisenbergs, die beide noch unvollkommen waren. Diese Veranstaltung ruft aber auch religiöse Fanatiker auf den Plan. Für manche stellt diese „“Alltheorie““ den Weltuntergang dar, für andere den Schöpfungsakt. Der Journalist Andrew gerät nun in eine komplizierte Lage zwischen allen Fronten. Die Physikerin, über die er ein Portrait drehen soll und einige der religiösen Gruppen interessieren sich für ihn. Auch die geheimnisvolle Krankheit „Qual“, die sich auf der gesamten Erde stark ausbreitet, scheint eine Rolle zu spielen.

Qual ist ein sehr guter Vertreter der ruhigen, wissenschaftlichen Science Fiction. Dabei wird das Buch niemals wirklich unverständlich auch wenn einige Passagen doch sehr wissenschaftlich geraten sind. Greg Egan gelingt es in seinem Roman eine spannende und gleichzeitig glaubwürdige Zukunftsvision zu entwerfen. Dabei zeigt er nicht nur eine mögliche Entwicklung der Gentechnologie auf, sondern erweitert auch die Anzahl der menschlichen Geschlechter auf drei (mit vier Variationen). So gibt es Männer und Frauen, in einer „normalen“ einer schwächeren und einer stärkeren Variante, so wie die Asexuellen, die sich bewusst zu diesem Schritt entschieden haben. Egan führt für diese Personen sogar ein eigenes Personalpronomen ein: „hie“ Dieses benutzt er auch konsequent im ganzen Buch. Dann beschreibt der Roman auch noch, wie eine anarchische Gesellschaft aussehen kann und das diese zwar ein fragiles Gebilde wäre, aber durchaus stabil bleiben könne. All das, was ich hier genannt habe, macht aber nur einen Bruchteil dessen aus, was der Roman bietet.

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