und Nudge (Nudge)

(Penguin 2009, 306 Seiten, 978-0-141-04001-1)

Eine Idee, die die Welt verbessern könnte, verpackt in einem etwas zu langen Buch.

Wir haben gerne die Wahl. Viele Möglichkeiten und unterschiedliche Varianten verschaffen uns die Illusion eines freien Willens, denn nur so können wir wirklich die Dinge finden, die unseren Interessen und Bedürfnissen am besten entsprechen. Doch die Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahre sprechen hier eine andere Sprache. Das, was wir freien Willen nennen, ist allerdings wenig mehr als Wunschdenken (siehe dazu auch Denken hilft zwar, nützt aber nichts). Wir lassen uns von der Anordnung der Waren im Supermarkt beeinflussen, verpassen Zinsen, weil wir in die offensichtlich falschen Fonds investieren, und zerstören unsere Umwelt, ohne es zu merken und das nur aus einem Grund: Falsche Voreinstellungen.

Thaler und Sunstein argumentieren, dass wir Menschen stark dazu neigen, bei einmal getroffenen Entscheidungen zu bleiben und sie nur selten zu überdenken. So stellen sie am Beispiel des schwedischen und amerikanischen Rentenversicherungssystems, Organspendeausweisen und anderen Themen dar, wie geeignete Voreinstellungen in der Lage sind, uns zu besseren Entscheidungen zu helfen und unser Leben besser zu machen. Dabei plädieren sie nicht für eine Bevormundung und staatliche Planung, sondern für ein Konzept, das sie „libertärer Paternalismus“ nennen. So sollen die Standardwerte und Auswahlmöglichkeiten auf der oberflächlichsten Ebene so beschaffen sein, dass sie es der Mehrheit der Menschen ermöglichen, gute Entscheidungen zu treffen, auch ohne sich in dem spezifischen Bereich besonders gut auszukennen. Für die, die tatsächlich selbstständig komplexe Entscheidungen treffen möchte, solle dies jedoch weiterhin so einfach wie möglich möglich sein. So könnten bei Rentenanlagen drei Fonds mit den Eigenschaften „konservativ“, „ausgeglichen“ und „riskant“ vorgegeben sein, aber gleichzeitig die Möglichkeit bestehen aus 500 Anlagemöglichkeiten eine eigene Kombination auszuwählen. Diejenigen, die überhaupt keine Entscheidung treffen wollen, könnte dann der „ausgeglichene“ Fonds voreingestellt sein. Auf diese Weise bleibt jede Freiheit erhalten, denen, die nicht in der Lage oder Willens sind, eine eigene fundierte Entscheidung zu treffen, bestehen jedoch ebenfalls sinnvolle Auswahlmöglichkeiten.

Wie man vielleicht schon merkt, bin ich von nudge äußerst begeistert. Die Idee der beiden Autoren ist fundiert und überzeugend vorgebracht und spontan fällt mir kein Argument gegen ihren Vorschlag ein. Zudem schreiben sie unterhaltsam, wenn auch ab und an ein wenig trocken. Für den deutschen Leser ist es jedoch schade, dass sich die Beispiele der Autoren verständlicherweise auf die Vereinigten Staaten beziehen. So wird das Buch nach dem extrem spannenden ersten Teil etwas langweiliger, weil die Fallstudien nur illustrativen Charakter haben und sich nicht auf unseren Alltag beziehen. Es bleibt eine extrem gute und überzeugend vorgebrachte Idee, unser Leben besser zu machen.

Buch bei Amazon kaufen

Bisher ein Kommentar zu Nudge

  1. Ich bin inzwischen leider nicht mehr ganz so begeistert von der Idee, wie ich anfangs war.

    Ein Gegenbeispiel hat George Loewenstein: „Calorie labeling is a good thing; dieters should know more about the foods they are eating. But studies of New York City’s attempt at calorie posting have found that it has had little impact on dieters’ choices.“ http://www.nytimes.com/2010/07/15/opinion/15loewenstein.html?_r=3

    Interessant ist auch die Diskussion auf „Cato Unbound“. Da weisen Kritiker zu Recht darauf hin, dass die „Nudges“ von irgendjemandem bestimmt werden müssen – und da werden sich oft Lobbyisten durchsetzen: http://www.cato-unbound.org/archives/april-2010-slippery-slopes-and-the-new-paternalism/

Kommentar abgeben