Mystic River (Mystic River)

(Bantam 2002, 526 Seiten, 0-553-81616-0)

Wendungsreicher und psychologisch sehr tiefgehender Krimi.

Dave, Jimmy und Sean sind gute Freunde, obwohl ihre Eltern aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen. Sie verbringen ihre Tage gemeinsam in ihren Stadtvierteln und tun das, was Kinder nun einmal gerne machen. Eines Tages ritzen sie ihre Namen in noch feuchten Beton und werden dabei von einem Polizeibeamten erwischt. Dieser fordert allerdings nur den sehr zurückhaltenden und schüchternen Dave auf, mit ihm zu fahren, damit er sich mit seinen Eltern unterhalten könne. Dave steigt in den schwarzen Wagen ein und verschwindet, bis er nach vier Tagen völlig aufgelöst seinen Entführern entkommen kann. Dieses Ereignis zerstört die Freundschaft zwischen den drei und ihr Kontakt reduziert sich auf das Nötigste. 25 Jahre später treffen sie aber durch ein schreckliches Ereignis wieder aufeinander: Die Tochter von Jimmy, der nach einigen Jahren Gefängnisaufenthalt nun einen kleinen Eckladen besitzt, wird auf brutale Weise ermordet und Sean, mittlerweile Polizeiinspektor wird auf den Fall angesetzt. Und auch Dave scheint etwas mit dem Fall zu tun zu haben: In der Nacht des Mordes kommt er über und über mit Blut bespritzt nach Hause…

Die eigentliche Geschichte ist aber weniger die Aufklärung des Mordes sondern insbesondere der Umgang von Dave und Jimmy mit ihm und ihrem Leben. Dabei gelingt es Lehane hervorragend, die Gefühle der beiden zu vermitteln. Noch nie habe ich so intensive und plastische Schilderungen von Gefühlen wie Liebe und Verlust gelesen. In der Handlung konzentriert sich der Autor vor allem darauf, den Leser möglichst lange im Unklaren zu lassen, was ihm auch vorzüglich gelingt. Bis zur letzten Seite bleibt völlig unklar, wer nun eigentlich das Mädchen aus welchem Grund getötet hat und die Auflösung ist auf jeden Fall überraschend. Dadurch wirkt das Ende aber auch leider ein wenig aufgesetzt und hat eigentlich nur geringen Bezug zur vorhergehenden Handlung, es ist aber nichtsdestotrotz durchaus glaubwürdig. Eine weitere Schwäche des Romans ergibt sich ebenfalls direkt aus dem sehr wendungsreichen Handlungsaufbau: Die Such nach dem Mörder ist weniger eine mühselige, spannende Schnitzeljagd, sondern wird eher in kurzen Einsprengseln zwischen den emotionalen Szenen abgehandelt. Der Leser kann auch kaum miträsteln, da alle 50 – 100 Seiten eine vollkommen neue Information alles über den Haufen wirft.

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