Guter post-apokalyptischer Roman, der zwar zeitlose Fragen aufwirft, aber ein Kind seiner Zeit bleibt.

Auf die Empfehlung eines Antiquars in Hamburg hab ich mir dieses Buch aus dem Jahr 1957 (Übersetzung 1959) vorgenommen. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: In irgendeiner Zukunft ist die Welt in die drei Blöcke der Totalisten, der Dems und der Asiaten unterteilt. Die Totalisten unterscheiden zwischen dem Volk und den Hütern, einer elitären Klasse, deren Kinder in Heimen aufgezogen werden und keinerlei Kontakt zu ihren Familien haben. In einem solchen Heim findet sich der Leser zu Beginn dieses Romans wieder, als eine merkwürdige Krankheit ausbricht, die schnell nahezu die gesamte totalistische Bevölkerung tötet. Unter denen, die überleben, ist eine kleine Gruppe von Kindern aus besagtem Heim, die sich nun auf die Suche nach Marys Land macht, einem Land von dem das Mädchen Mary den Kindern schon lange erzählt und das hinter den Bergen liegen soll. Auf ihrer Suche finden sie sich in einer feindseligen Welt wieder und müssen sogar lernen, zu töten. Dann ist da auch noch der „Wacher“, ein Götzenbild, das den Kindern auf ihrer Suche eine Orientierung bietet.

Dass Marys Land noch aus der heißen Phase des Kalten Kriegs stammt, ist schon in dieser kurzen Zusammenfassung deutlich geworden. Vor diesem Hintergrund überrascht es jedoch, dass Mead nicht auf eine nukleare Zerstörung setzt, sondern eine Krankheit dazu benutzt, die Kinder in eine feindliche Welt zu werfen. Dabei können sich diese erstaunlich schnell an die neuen Begebenheiten anpassen und entwickeln schnell eine kompromisslose Art, ihr Ziel zu erreichen. Dieser Aspekt des Buchs hat mich ein wenig an Goldings Herr der Fliegen erinnert, in dem sich innerhalb einer Gruppe von Kindern ebenfalls schnell ein sehr brutaler Umgang miteinander entwickelt. Meads Buch bleibt an dieser Stelle jedoch hinter Goldings zurück, da die Spannungen und inneren Konflikte in der Gruppe in Marys Land weniger deutlich dargestellt werden. Gut gefallen hat mir aber die Idee, den Kindern mit dem „Wacher“ ein Götzenbild an die Hand zu geben, an dem sie sich moralisch orientieren. Sie projizieren alles, was ihnen in der Welt zustößt auf diese Figur und stellen sich in ihren Dienst, auf dass sie sie bei der Suche nach Marys Land unterstütze. Aber auch hier fehlt mir in dem Buch wieder ein wenig die psychologische Tiefe, mit der dieses – soziologisch natürlich sehr spannende – Thema noch hätte vertieft werden können.

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