Mars

, Teil 1

(Heyne 1999, 781 Seiten, 3-453-16174-2)

Klasse Buch, das einen altbekannten Plot neu variiert und das Beste aus ihm heraus holt.

Nach neun monatigem Flug erreichen die ersten beiden menschlichen Raumschiffe den Mars. Finanziert von allen großen Industrienationen, mit der Konstruktion der Russen, der Software der Amerikaner und der Technologie der Japaner erreichen 25 Astronauten den Marsorbit. Unter den ersten, die die Marsoberfläche betreten, ist auch der Navajo Jamie Waterman. Er ist als Ersatz für den erkrankten Geologen DiNardo an Bord gekommen und zerstört das numerische Geleichgewicht von Amerikanern und Russen. Als er dann als erster Amerikaner auf dem Marsboden nicht die vorbereitete kurze Ansprache hält, sondern in die Sprache seiner Vorfahren zurückfällt, wird er auf der Erde endgültig zum Politikum. Auch eine Teilnehmerin steht von Beginn an im Rampenlicht der Öffentlichkeit: Joanna Burmado, die Tochter des Initiators der Marsmission. Auf dem Mars angekommen, beginnen die neun Wissenschaftler auf dem Boden mit seiner Erkundung. Bei einer Expedition zum „Grand Canyon des Mars“entdeckt Jamie Nebelschleier und eine seltsame Gesteinsformation in einer Felsspalte, die ihm wie eine Siedlung vorkommt. Doch bevor er sie näher untersuchen kann, müssen sie zur Basisstation zurückkehren. Es gelingt ihm jedoch eine weitere Expedition zu diesem Gebirge genehmigen zu lassen. Gegen Ende ihrer Mission begibt er sich mit Joanna und zwei weiteren Wissenschaftlern wieder dorthin. Sie machen eine sensationelle Entdeckung. Gleichzeitig bricht aber unter den Astronauten eine seltsame Krankheit aus.

Hier liefert jetzt auch Ben Bova seine Vision der Mars-Erforschung ab. Die Thematik ist zwar nicht gerade innvoativ, aber Bova holt das Beste aus der Idee heraus. Er spielt mit verschiedenen Zeitebenen und läßt den Leser an den Vorbereitungen der Mission, dem Flug, der Erkundung und auch dem Geschehen auf der Erde teilhaben und erzählt so eine sehr glaubwürdige Geschichte. Manchmal hatte ich das Gefühl, nicht einen Roman, sondern eine Tatsachenbeschreibung zu lesen. Dass Bova sich dabei auf wenige Hauptpersonen beschränkt und sich in seinen Charakterisierungen auf diese konzentriert, tut dem Roman gut. So kann er seine Geschichte kontinuierlich voran treiben. Alle anderen Teilnehmer der Expedition bleiben keineswegs blass, sind aber zumeist etwas schablonenhaft. Mit Jamie hat Bova sich zudem einen hoch interessanten Charakter als Identifikationsfigur ausgedacht. Er schildert glaubwürdig, wie der Navajo unfreiwillig zum Politikum und praktisch zum wissenschaftlichen Leiter der Mission wird. Zudem baut der Autor noch eine kleine, unaufdringliche Liebesgeschichte zwischen Jamie und Joanna ein. Auch seine Beschreibungen des Mars sind faszinierend. Er zeigt dem Lesen die karge Schroffheit und fremdartige Schönheit unseres Nachbarplaneten. Dabei verliert er sich nicht in trockene Beschreibungen, sondern streut wie nebenbei einige wissenschaftliche Fakten ein.

Buch bei Amazon kaufen

Kommentar abgeben