Ljod - Das Eis (Ljod)

(Berlin Verlag 2003, 349 Seiten, 3-8333-0298-4)

Etwas eigener, aber sehr guter gesellschaftskritischer Polit-Thriller aus Russland.

In Russland geschehen merkwürdige Dinge: Immer wieder werden blonde, blauäugige Menschen entführt und mit Hämmern aus Eis zu Tode geschlagen. Bei einigen von ihnen beginnt aber kurz vor dem Tod das Herz „zu sprechen“ und nennt den Herzensnamen des Menschen. Diese werden dann von einer Geheimorganisation gerretet und gelten von nun an als „erwacht“ und erlernen „die Sprache des Herzens“. Die Fühler der Organisation erstrecken sich weit in alle Lebens- und Politikbereiche und ihr Ziel ist die Vernichtung der Erde.

Eigen, aber sehr gut, so lässt sich das neueste Werk des in Russland umstrittenen Autors zusammenfassen. Sorokin erzählt keine durchgehende Geschichte, sondern reiht kurze und lange Lebens- bzw. Initiatonsgeschichten aneinander und erlaubt dem Leser so einen Einblick ins Innere der Geheimorganisation. Auch verwendet Sorokin einige sehr eigentümliche Stilmittel, so führt er z.B. neue Charaktere durch eine kurze Stichwortliste mitten im Text ein. Bei allen künstlerischen Freiheiten, die sich Sorokin nimmt, wird Ljod – Das Eis aber nie unbequem zu lesen. Im Gegenteil: Insbesondere im ersten Teil verwendet der Autor eine stakkatoartige Umgangssprache die nach kurzer Eingewöhnung sehr angenehm zu lesen ist. Die Lektüre des Buches macht auch verständlich, warum Sorokin in seiner Heimat stark umstritten ist. Sorokins Schreibstil erlaubt viele verschiedene Interpretationen, darunter auch massiv gesellschaftskritische.

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