Jeder der gerne isst, sollte dieses Buch lesen.

Essen. Obwohl wir Menschen uns noch zu keiner Zeit so viele Gedanken über unser Essen gemacht haben wie heute, gab es noch nie so viele Krankheiten aufgrund falscher und ungesunder Ernährung. Wegweiser und Ratgeber, wie wir uns richtig zu ernähren haben, gibt es heute an jeder Ecke und es gibt wohl kaum eine Zutat oder einen Nährstoff, der noch nicht in den Verdacht geraten ist, krebserregend, fett machend oder entschlackend zu wirken. Michael Pollan schlägt in seinem In Defence of Food einen anderen Weg ein und verspricht einfache Regeln, die unsere Ernährung von dem Problem, das sie für uns aktuell darstellt, wieder zu einer Freunde und einem Genuss zu machen, bei dem Wir uns über Nährstoffe, Vitamine, Kohlenhydrate und Fette keine Gedanken machen müssen und trotzdem unserem Körper genau das geben, was er braucht.

Dabei geht Pollan von einer Beobachtung aus, die dem aktuellen Stand der Ernährungswissenschaft zu widersprechen scheint: Es gibt keine eine perfekte Ernährung. Vielmehr zeigen Untersuchungen der Essensgewohnheiten traditionalen Gesellschaften und von Naturvölkern, dass es eine Unzahl vollkommen verschiedener Ernährungsweisen gibt, die den menschlichen Köper mit allem Notwendigen versorgen: Sei es eine nur auf Fleisch und Tierblut basierende Ernährung oder eine rein pflanzliche. Nur das typisch amerikanische Essen scheint für den Menschen nicht wirklich geeignet zu sein. Er stellt dann auch eine glaubwürdige Argumentation auf, warum wir trotz einer fortschreitenden Wissenschaft und eines immer größeren Ernährungsbewusstseins nicht in der Lage sind, uns vernünftig zu ernähren: So führt der wissenschaftliche Fokus auf einzelne Nährstoffe dazu, dass wir den Blick auf das große Ganze unserer Essgewohnheiten verlieren: Wir ignorieren das komplexe Zusammenwirken verschiedener Stoffe innerhalb der Pflanzen und Früchte, lassen das Zusammenwirken unterschiedlicher Komponenten einer Mahlzeit außer Acht und haben schließlich auch vergessen, dass Ernährung keineswegs ein Problem darstellt, das gelöst werden muss, sondern vielmehr ein Ausdruck von Kultur und Lebensfreude sein kann.

Dabei bringt er einige erschreckende Beispiele, die sich zwar nur auf die USA beziehen, die sich in abgeschwächter Form aber sicher auch auf Europa und Deutschland übertragen lassen. Am meisten beeindruckt hat mich dabei seine Beschreibung, dass heutzutage in den USA von den täglich konsumierten Kalorien mehr als 1500 auf drei Grundstoffe entfallen: Mais, Soja und Weizen. Diese werden in ihre chemischen Bestandteile zerlegt, mit anderen Nährstoffen angereichert und schließlich als vollwertige Lebensmittel verkauft. (Fleisch ist dabei für Pollan durch Tiere weiter verarbeitetes Getreide.) Diese einseitige Ernährung, die das komplexe Zusammenspiel unzähliger – vielleicht sogar noch unbekannter – Nährstoffe in natürlich gewachsenen Lebensmitteln zerstört ist für ihn die zentrale Ursache der Ernährungsmisere in den USA, die mittlerweile auch zunehmend in Deutschland und Europa um sich greift.

In Defence of Food ist für mich ein äußerst wichtiges Buch, weil es eine Perspektive auf unsere Essgewohnheiten aufzeigt, die auf den ersten Blick selbstverständlich scheint, mir aber bislang noch nicht untergekommen ist. Dabei schreibt der Autor sehr unterhaltsam aber gleichzeitig fundiert. Er nimmt den Leser mit auf eine kurze Rundreise durch die Ernährungswissenschaft und die Lebensmittelfabriken und zeigt schließlich auf, wie wir uns wieder enger an den Ernährungsgewohnheiten unserer Urahnen bzw. der Naturvölker orientieren können, ohne dabei zu sehr auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten zu müssen. Die Quintessenz seines Buches fasst er selbst in folgenden „Richtlinien“ für gutes Essen zusammen: „Eat food. Mostly Plants. Not too much.“ Was es mit den einzelnen Komponenten dieser Regel genau auf sich hat, könnt ihr in diesem äußerst empfehlenswerten Buch selbst herausfinden.

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