Kleine Schwestern [von Freunden] sind wie Masern, Mumps oder Scharlach. Im Frühstadium beachtet sie keiner und später muss man damit ins Bett. –Pascha

Kühlfach 4

, Teil 1

(dtv 2009, 256 Seiten, 9783423211291)

Buchgewordener Beweis dafür, dass eine sehr gute Idee noch keinen guten Krimi macht.

Als ersten Roman auf meinem neuen Sony-Reader habe ich mir gleich das vorinstallierte Kühlfach 4 von Jutta Profijt vorgenommen, weil der Klappentext eine Krimihandlung mit besonderem Pfiff versprach: Als der Gerichtsmediziner Martin ​Gänsewein die Leiche eines Kleinkriminellen unter​sucht, spricht der Tote plötzlich mit ihm. Wie man es von Nahtodberichten kennt, hat sich seine Seele von seinem Körper gelöst, konnte dann aber weder zurück noch voran ​und steckt so als Geist in unserer Welt fest. Er kann jedoch nicht mit der Welt interagieren oder kommunizieren, sondern sich nur mit eben Martin Gänsewein verständigen. Da ihm sein Tod seltsam vorkommt, hetzt er den Gerichtsmediziner​ auf eine Jagd nach seinem Mörder.

Die Idee mit dem Geist eines Toten, der den unfreiwilligen und unwilligen ​Ermittler bei seiner Arbeit unablässig vorantreibt macht sicherlich die größte Stärke dieses Romans aus, zumal der Kontrast zwischen den beiden Charakteren für viele komische Situationen sorgt. So zerstört das vulgäre Ungestüm des Toten ​das Date Gänseweins mit einer hübschen Frau und treibt ihn in Etablissement, die der gebildete und korrekte Mediziner sonst höchstens in seinen Albträumen aufsuchen würde. ​Auch ihre Sprache unterscheidet sich deutlich und so ​prollt der Geist munter rum, während G​änsewein sich eher ausgewählt ausdrückt. Das sorgt im Laufe des Romans doch für einige Schmunzler.

Profijt ​verlässt sich in diesem Roman jedoch in meinen Augen zu sehr ​auf die Zugkraft dieser Idee, denn die Krimihandlung ist dann doch sehr schwach und lieblos konstruiert. So dauert es bis in die zweite Hälfte des recht kurzen Buchs, bis sich die beiden ernsthaft auf die Suche nach den Hintergründen von Paschas Tod machen. Mit nur wenigen eingeführten Figuren wird dabei recht schnell klar, wie diese zusammenhängen. Auch der Showdown auf einer einsamen ​Industriebrache wirkt eher aufgesetzt und erzwungen.

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