The key to this transformation is not to standardize education but to personalize it, to build achievement on discovering the individual talents of each child, to put students in an environment where they want to learn and where they can naturally discover their true passion.

In meinem Element (The Element)

(Goldmann 2010, 352 Seiten, 978-3442338788)

Wichtige Ideen in einem Buch, das sich zwischen Analyse und Ratgeber leider nicht ganz entscheiden kann.

Ken Robinson ist aktuell einer der wichtigsten Kritiker des Modernen Verständnis‘ von Bildung. Die Schule, wie wir sie heute kennen, ist für ihn ein Relikt aus der Ära des Industriezeitalters und dementsprechend organisiert wie eine Fabrik: In kleinen Schritten wird Stück für Stück aus „ungebildeten“ Kindern „gebildete“ Erwachsene geformt. Für den Autor ist dieses System jedoch unserer Zeit nicht mehr angemessen: Es zerstört die Kreativität und verhindert systematisch, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihre wahre Leidenschaft finden und entwickeln können.

Mit diesem Buch liefert er ein Mittelding zwischen analytischer Kritik des modernen Bildungssystems und Motivationsgeber für Erwachsene, die bislang noch nicht die Gelegenheit hatten, ihr „Element“ zu entdecken und zu leben. Dabei beruft er sich in erster Linie auf zahlreiche Erfolgsgeschichten aus ganz unterschiedlichen kreativen Bereichen und zeigt anhand der Lebensgeschichten auf, wie auch Menschen, die im Bildungssystem weniger erfolgreich waren, zu Meistern ihres Fachs wurden. Dabei lässt sich das Buch locker lesen und bot mir immer wieder Gelegenheit, auch mein eigenes Leben zu reflektieren.

Dadurch, dass es sowohl objektiv als auch inspirierend sein will, kann es jedoch in beiden Bereichen nicht vollkommen überzeugen: Für eine analytische Betrachtung ist die empirische Fundierung durch einzelne Geschichten sehr erfolgreicher Menschen ein wenig zu einseitig und unbefriedigend. Gleichzeitig hindert die recht nüchterne Sprache und sachliche Perspektive das Buch daran, mich wirklich zu fesseln und ernsthaft zum Denken zu bringen. In der direkten Ansprache an den Leser fehlt Robinson in meinen Augen ein wenig die Leidenschaft, die er aufbringt, wenn er unser Bildungsverständnis im Allgemeinen kritisiert.

In meinem Element bleibt damit ein wirklich lesenswertes Buch, ist jedoch eher eine Kritik am Bildungssystem, als ein Ratgeber zur Persönlichkeitsentwicklung. Da Ken Robinson aber wichtige Dinge über Bildung und Kreativität zu sagen hat, sollte es trotzdem eine Pflichtlektüre für jeden sein, der mit Kindern oder Jugendlichen arbeitet. Wer sich dafür nicht durch ein ganzes Buch arbeiten will, kann sich auch mit den folgenden Vorträgen von ihm einen ersten Eindruck verschaffen:

Ken Robinson says schools kill creativity

Bring on the learning revolution!

Changing Education Paradigms

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Bisher 2 Kommentare zu In meinem Element von Ken Robinson

  1. Oxana Jad sagt:

    Ihre Kritik finde ich absolut auf dem Punkt! Ich bin gerade dabei, das Buch von Robinson „In meinem Element“ zu lesen und muss sagen – die Ansätze sind sehr interessant, aber jede These muss für mich nicht anhand von so vielen Beispielen erklärt werden. Wie Sie schon erwähnt haben, entweder ist das eine nüchterne wissenschaftliche Arbeit oder ein fesselndes Ratgeber.

  2. […] Mit Olivia Uffer habe ich ein bisschen gesprochen. Sie erzählte, dass sie eine neue Nähmaschine hat, weil die alte manchmal nach 20 Stunden Nähen am Stück den Geist aufgegeben hat. Ich: 20 Stunden nähen am Stück? Sie: Ja, wenn sie so richtig reinkommt, dann vergisst sie die Zeit. Was wie 45 Minuten erscheint, waren in Wirklichkeit 8 Stunden. (Da ist sie also so richtig in ihrem Element…) […]

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