Mit Sternenschatten gibt es auch den unmittelbaren Nachfolger von Lukianenkos Sternenspiel bei Audible als vollständige und ungekürzte Lesung. Die Handlung schließt unmittelbar an den Vorgänger an und beginnt nach der Rückkehr von Pjotr, seinem Großvater und Mascha auf die Erde. Nachdem sie im ersten Teil den Planeten der Geometer besucht hatten, in der Hoffnung, dort einen Verbündeten im Kampf gegen das Konklave zu finden, das die Menschen und einige andere Rassen unterdrückt, geht es nun auf eine Reise in den „Schatten“. Da die Geometer vor diesem vor langer Zeit geflohen waren, erscheint er den Menschen als ein weiterer potenzieller machtvoller Verbündeter. Als die Truppe nach einigen Hindernissen und einem gewagten Manöver dort eintrifft, landen sie auf einem Planeten, der als Verkehrsknotenpunkt des Schattens zu fungieren scheint. Als sie dann die Tore durchschreiten, von denen sie sich eine Passage erhoffen, werden sie getrennt und landen in unterschiedlichen Welten. So wird Pjotr für einige Zeit zu einem Kampfpiloten im Krieg gegen eine genetisch veränderte menschliche Rasse bevor er den Hintergrund der Tore und ihre Funktion kennenlernt.

Nachdem es in Sternenspiel wie beschrieben um „Glück ohne Freiheit“ ging, stellt der Schatten in gewisser Weise das Gegenmodell der Geometer dar. Hier gibt es kein geplantes Glück, keine zentrale Kontrolle, sondern größtmögliche Freiheit – „Freiheit ohne Glück“. Der Schatten ist deswegen so bedrohlich, weil er den Menschen, denen er beim Durchschreiten der Tore ihre tiefsten Wünsche erfüllt. Er macht sie zu Kämpfern, zu Opfern, zu Einsiedlern oder zu Händlern. Er gibt ihnen, was sie brauchen, ohne dass sie selbst dies verstehen oder steuern können. Waren die Geometer Gefangene ihres Systems, so sind die Menschen im Schatten Gefangene ihres Unterbewusstseins – auch wenn sie auf den ersten Blick frei erscheinen.

Lukianenko gelingt es auch in Sternenschatten wieder, seinen überzeugenden Weltentwurf zum Leben zu erwecken. Dabei rücken die Handlung und eine stringente und spannungsgeladene Erzählweise jedoch leider etwas zu häufig hinter seine intellektuellen Gedankenspiele zurück, wodurch das Hören von Zeit zu Zeit doch etwas zäh wurde. Auch das Ende konnte mich nicht vollkommen überzeugen, hier geht mir alles dann doch irgendwie ein wenig zu schnell und auch zu einfach. Ich bleibe jedoch dabei, dass Lukianenko spannende Geschichten erzählen und mit äußerst intelligenten und kritischen Gedanken verbinden kann. Auch seine spezifisch russische Erzählweise, seinen Fokus auf wenige Hauptfiguren, die er insgesamt ein wenig vernachlässigt, und seine lineare Erzählweise behält er in diesem Buch natürlich bei.

Zur Hörbuch-Umsetzung kann ich nichts Negatives sagen und daher allen, denen der erste Band gefallen hat, auch das zweite Buch ans Herz legen. Ansonsten auf jeden Fall mit Sternenspiel anfangen!

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