Genie und Wahnsinn (A Beautiful Mind)

(Piper 2002, 560 Seiten, 3-492-23674-X)

Faszinierende, teilweise aber etwas zu wissenschaftliche, Biographie eines Lebens zwischen Genie und Wahnsinn.

Als John Nash im Juni 1945 an das Carnegie Institute of Technology kommt, beginnt er eigentlich, Chemie zu studieren, ist sich aber im Klaren darüber, dass es eigentlich die Mathematik ist, die ihn fasziniert. So wechselt er das Fach und schließt sein Studium 1948 ab. Danach bekommt er ein Forschungsstipendium, das ihn an die Universität von Princeton, die berühmteste Mathematik-Fakultät der USA führt. Dort wird er schnell als exzentrischer, aber auch genialer Forscher bekannt. Hier trifft er auch auf John von Neumann, einen der Begründer der Spieltheorie. Nash selber ist an allen Feldern der Mathematik sehr interessiert und beginnt nun auch auf diesem Gebiet zu forschen. Schon bald veröffentlicht er hier sein revolutionäres „Verhandlungsproblem“(„Bargaining Problem“) und seine Beobachtungen zu Gleichgewichten in Spielen. Seine unbestrittenen fachlichen Fähigkeiten werden jedoch immer mehr von seinen psychischen Problemen und seinen Verhaltensauffälligkeiten überschattet und schon bald sehen viele seiner Kollegen ihn als psychisch krank. Aber erst viele Jahre später stellen Ärzte die richtige Diagnose: „paranoide Schizophrenie“ Für Nash beginnt ein langwieriger Heilungsprozess, der immer wieder von schweren Rückschlägen überschattet wird und kein wirkliches Ende zu finden scheint. Am Ende gelingt es Nash jedoch, seine Krankheit zu bezwingen und 1994 wird er für seine spieltheoretischen Forschungen mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

Nachdem der Oskar prämierte Film „A Beautiful Mind“jetzt auch in den deutschen Kinos gelaufen ist, bringt Piper nun die Buchvorlage wieder auf den Markt. Wer den Film gesehen hat, wird viele Elemente wieder erkennen, sich aber auch an vielen Stellen fragen: „War das im Film nicht anders?“Denn wie immer bei Verfilmungen wurde der komplexe Stoff, den Nasar in der Biographie des Mathematikers stark zurecht gebrochen, um auch kinoverträglich zu sein. Allerdings wurde dabei am Wesen der Handlung, und insbesondere dem von John Nash, nicht übermäßig herumgepfuscht. Wie schon der Film ist auch das Buch sehr eindringlich geschrieben. Die Autorin ermöglicht es dem Leser mit Nash und seiner Umgebung mitzuleiden, sich mit ihm zu freuen und seine Gefühle nachzuvollziehen. Im Gegensatz zum Film beschreibt Nasar die Forschungen, die Nash betreibt wesentlich detaillierter und erweckt so manchmal eher den Eindruck, den Forscher John Nash darstellen zu wollen. Dies scheitert bei dem mathematisch nur wenig vorgebildeten Leser dann aber oft an der Komplexität und Abstraktheit der Materie, der sich der Mathematiker gewidmet hat. Die Passagen, in denen die Autorin aber den Menschen und Patienten Nash beschreibt, sind wie oben schon erwähnt sehr eindringlich und schön geschrieben. Durch die Mischung von romanartigen Erzählsträngen und Interviews mit Bekannten und Freunden Nashs schafft sie ein breites und gleichzeitig tiefes Panorama seines außergewöhnlichen Lebens.

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