The Mystery of Capital

(rowohlt 2002, 280 Seiten, 3-87134-449-4)

Super Buch, das neue Blickwinkel in der Entwicklungspolitik anmahnt und diese durch eine gut fundierte Theorie untermauert.

1Nach den Zusammenbruch des Ostblocks schien der Kapitalismus die einzige überlebende Wirtschaftsideologie zu sein. Jedoch zeigte sich bald, dass er in den Transformationsstaaten Lateinamerikas, Mittel- und Osteuropas nicht die Kraft zu besitzen schien, mit der er seit der Industrialisierung die westlichen Industriestaaten zu erheblichem Wohlstand geführt hatte. De Soto stellt nun in diesem viel beachteten Buch eine neue Theorie auf, warum es so schwer fällt den Kapitalismus in armen bzw. postsozialistischen Staaten zu etablieren. Dabei verwirft er zu Beginn Argumente wie „genetische Unfähigkeit“, „mangelnde Erfahrung“ oder „fehlende Innovation“. Sein Kernargument ist, dass in den Staaten vorhandenes Besitztum nicht in investitionsfähiges Kapital umgewandelt werden kann. Es existiere dort kein durchsetzungsfäiges Besitzrecht und ausufernde Bürokratie verhindere, dass Besitz amtlich dokumentiert wird und somit zu einem verlässlichen Handelsgut werden kann.

Mit diesem Buch führt de Soto, einer der führenden wirtschaftswissenschaflter Lateinamerikas, ein neues, schlagkräftiges Argument in die entwicklungspolitische Diskussion ein und eröffnet so neue Perspektiven. An dem Verlauf der Argumentation lässt sich nicht viel aussetzen und die Argumente, die er anführt, wirken allesamt einleuchtend und auch seine Schlussfolgerungen sind logisch. Formal hätte de Soto seine Argumente aber auch auf deutlich weniger Seiten mit gleicher Validität entwickeln können. Auf über 50 Seiten führt er das Beispiel des postkolonialen Amerikas an um dort an verschiedenen Punkten immer wieder die gleichen seiner Argumente zu bestätigen. Hier wird das Buch für den Leser ein wenig eintönig und langweilig, was aber an de Sotos brilliantem und scharfem Blick auf die Transformationsstaaten nichts ändert.

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