Die Wüstenfrau - An den Grenzen des Lebens

(National Geographic 2000, 281 Seiten, 3-442-71186-X)

Eine fesselnde Dokumentation über die Wüste, eine starke Frau, die menschlichen Grenzen und das, was wir für Grenzen halten.

Carla Perrotti kommt an ihre Grenzen. Nicht weil sie sich bewusst an diese Grenzen bringt, sondern, weil sie immer wieder den Einklang mit der Natur sucht, diese verstehen und erfahren möchte. Nicht zuletzt ist sie zugleich auf der Suche nach sich selbst. Die Wüstenfrau ist eine eindrucksvolle Dokumentation drei ihrer größten Abenteuer. Perrotti durchquert als erste Frau mit einer Salzkarawane die Ténéré, eine Wüste in Zentralafrika. Es ist ein Traum von ihr, der in Erfüllung geht, als sie sich dieser Gruppe, die ihr zunächst so fremd ist, anschließen darf. Zugleich ist die Realität härter als erwartet. Perrotti ist die Bedingungen nicht gewohnt, ihr Kamel ist nicht so bequem, wie sie sich das vorgestellt hatte, außerdem wird ein Großteil des Weges zu Fuß zurückgelegt, und ein Sandsturm erschwert die Unternehmung zusätzlich. Zwei Jahre später überquert sie den Salar de Uyuni in Bolivien, den größten Salzsee der Erde – allein. Ihre einzigen Gefährten sind Chico, ein Karren, in dem sie alles Überlebensnotwendige transportiert und der zugleich als Schutz vor dem allnächtlichen Sturm dient und Chica, eine kleine Handpuppe. Perrotti lernt hier absolute Stille und Isolation kennen. Schließlich wandert sie in Begleitung eines Eingeborenen durch die Kalahari, die als eine der trockensten Zonen der Erde gilt. Ihr Begleiter kennt sich in dieser riesigen Wüste aus, er soll Perrotti helfen, Wasser zu finden und so zu überleben, was noch kein anderer gewagt hat. Während die beiden doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen, lernt Perrotti zugleich eine Lebensform kennen, die unabhängig von der Zivilisation schon seit Menschengedenken so existiert hat…

Ein überaus spannendes und zugleich sehr authentisches Werk, das sich wie ein Tagebuch liest. Perrotti beschreibt eindringlich und überzeugend, was sie während ihrer Expeditionen erlebt hat. Der Leser taucht ein in ihre Welt, geht ihren Weg mit ihr und fiebert mit, ob sie es schaffen wird. Obwohl der Ausgang der Expeditionen ja eigentlich von Anfang an bekannt ist, fesseln die Beschreibungen jedes Mal aufs Neue. Beeindruckend ist auch, wie offen und ehrlich Carla Perrotti ihre Sorgen und Ängste schildert, und wie sie doch durch ihre innere Stärke überrascht und überzeugt. Sie beschreibt ihre Expeditionen ohne jegliche Überheblichkeit, sondern mit einer bescheidenen Selbstverständlichkeit. Dadurch lässt der Roman dem Leser genug Raum für Kritik. Die innere Ruhe und den Einklang mit der Natur, die sie sucht, mögen zwar wichtige Beweggründe sein, aber es wird auch deutlich, dass Perrotti in einen Strudel der Abenteuerlust gerät, immer neue und größere Herausforderungen sucht und sich ihnen stellen will. Dass ihr dies möglich ist, verdankt sie nicht zuletzt ihren Sponsoren und der Tatsache, dass sie es geschickt versteht, jede ihrer Expeditionen entsprechend zu vermarkten. Das Buch liest sich wie ein Abenteuerroman, und ist doch zugleich eine Dokumentation von der Natur und dem Leben unter extremsten Bedingungen, das den Mensch immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Es ist ein Buch über den Umgang der Menschen miteinander, über den der Menschen mit der Natur und letztendlich auch über den der Natur mit dem Menschen.

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