Die Todgeweihte

(Aufbau 2005, 377 Seiten, 3-7466-2180-1)

Ein gefundenes Fressen für Freunde plastischer und leicht zu lesender historischer Romane.

Im Basel des 14 Jahrhunderts führt die Jüdin Saphira eine geheime Beziehung zu Tam von Bärenfels, dem Sohn des Bürgermeisters. Dieser ist bei Saphiras Vater hoch verschuldet und hat sich vorgenommen, die Juden aus der Stadt Basel zu vertreiben, um dadurch seine Schulden loszuwerden und seine Macht gegenüber seinem Erzrivalen zu festigen. Dessen Sohn Christian wiederum ist eng mit Tam befreundet und lässt sich zu einer Affäre mit Saphira hinreißen. Gerade als diese bemerkt, dass sie von Christian ein Kind erwartet, spitzt sich die Lage für die Basler Juden dramatisch zu.

Zu Beginn wirkt die Sprache des Romans noch recht einfach, doch schon bald merkt man, dass sie das Bildungsniveau der Protagonisten widerspiegelt und anspruchsvoller wird, sobald die gut gebildeten Adeligen die Bühne betreten. Dabei sind die Charaktere glaubhaft geschildert, bleiben jedoch ein wenig holzschnitthaft und auch die weitgreifenden Entscheidungen von Tam und Christian wirken sehr überstürzt. Die Stadt Basel schildert Müller jedoch unglaublich plastisch und es tut dem Roman sehr gut, dass sich der Autor auf eine kleine Geschichte konzentriert und diese liebevoll ausgestaltet, anstatt eine epische Zeitspanne im Schnelldurchlauf abzuhaken. So kann er sich die Zeit lassen, vor den Augen des Lesers, das Mittelalter auferstehen zu lassen.

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