Die Therapie

(Knaur 2006, 336 Seiten, 3-426-63309-4)

Sehr spannender Psychothriller, in dem die Ebenen von Realität und Wahnsinn immer mehr verschwimmen.

Vier Jahre nach dem spurlosen Verschwinden seiner Tocher Josy liegt der Psychiater Viktor Larenz in festgeschnallt in einem Bett der psychatrischen Klinik. Diesmal ist er der Patient und berichtet seinem Arzt von den Erlebnissen der letzten vier Tage: Um an den Antworten zu einem Interview zu arbeiten, zieht er sich in ein Ferienhaus auf der Nordsee-Insel Parkum zurück. Hier will der die notwendige Ruhe für die Bewältigung der Vergangenheit finden. Doch schon am ersten Abend erhält er Besuch von einer mysteriösen Unbekannten, die sich Anna Spiegel nennt. Sie berichtet ihm von Halluzinationen, in denen ihre Romanfiguren lebendig werden. Die neueste Geschichte, von der Anna ihm berichtet, hat erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem Verschwinden seiner Tochter. Immer tiefer verstrickt er sich in diese Geschichte und die Rolle, die Anna spielt wird immer undurchsichtiger. Realität und Wahnsinn vermischen sich immer mehr, bis alles am Ende in einem fulminanten Ende kulminiert.

Auch wenn ich dem Buch gegenüber am Anfang etwas skeptisch eingestellt war, haben mich die ersten Seiten bereits vom Gegenteil überzeugt: Alleine der gelungene Aufbau, den Psychater seine Geschichte aus einer Position nach dem Ende erzählen zu lassen, fesselt den Leser sofort an die Geschichte. Auch die Zeitangaben in der Form „X Tage vor der Wahrheit“ am Kapitelanfang tragen zum Spannungsaufbau bei. Aber neben diesen formalen Aspekten kann auch der Inhalt des Romans überzeugen. Nach wenigen Seiten ist man in die Welt des Viktor Laranz abgetaucht und kann sich nur noch schwer aus ihr lösen. Die anfänglich recht einfach erscheinende Geschichte wird von Seite zu Seite komplexer und zwischenzeitlich fragt man sich, wie der Autor die ganzen offenen Fragen schlüssig auflösen will. Und auch wenn man das Ende durchaus erahnen kann, so kommt es doch überraschend, denn selbst fünf Seiten vor Schluss baut der Autor noch eine weitere plötzliche, aber trotzdem glaubwürdige, Wendung ein.

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