Killing Time

(Heyne 2003, 333 Seiten, 3-453-86512-X)

Schneller, einfallsreicher und kritischer High-Tech Thriller der Spitzenklasse.

Die Welt im Jahre 2020: Die Kontinente sind durch gewaltige Kriege zerstört, große Flächen sind wegen atomaren Fallouts unbewohnbar und Umweltschutz ist seit Jahren kein Thema mehr. In dieser Welt sind Informationen extrem wichtig. Das neue schnelle Internet, geschaffen von der Tressalian Corporation, spielt hierbei eine wichtige Rolle. Der Sohn des Firmengründers ist jedoch verbittert und sieht in der Abhängigkeit der Menschen von Informationen und ihrer Manipulierbarkeit die große Geißel der Menschheit. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, allen zu zeigen, wie leicht Informationen und vermeintliches „Wissen“manipuliert werden können. Deshalb platziert er mit Hilfe seines Teams und unter Einsatz von Hightech gezielt falsche Informationen und hofft durch deren Aufdeckung den Menschen den Spiegel vorhalten zu können. Zu diesem Zweck rekrutiert er u.a. auch den Kriminalpsychologen Dr. Gideon Wolfe von dem er sich effektivere Missionen erhofft. Wolfe stößt auf die Gruppe, weil die Frau eines ermordeten Special-Effects Spezialisten ist aufsucht und um seine Hilfe bittet. Auf der Disk, die sie Wolfe präsentiert findet sich brisantes Material…

Nachdem Carrs erste Bücher (Die Einkreisung und Engel der Finsternis) Psychothrilller vor historischem Hintergrung waren, präsentiert der New Yorker mit Die Täuschung einen waschechten Hightech-Thriller der in der nahen Zukunft angesiedelt ist. Allerdings kommt auch hier die Psychologie nicht zu kurz, auch wenn Carr diesmal insbesondere die Gesellschaft aufs Korn nimmt. Mit seinem Szenario der Informationsgesellschaft, die durch gezielt eingestreute Fehlinformationen getäuscht werden kann ist verstörend, zumal die Realität das Buch bereits in einiges Passagen eingeholt hat und Carrs Buch im Rahmen der aktuellen Ereignisse (Irak-Krieg 2003) auch als unbewusste Kritik an der aktuellen Politik der amerikanischen Regierung verstanden werden kann. Carr legt in seinem Roman ein unglaubliches Tempo vor. Nach 40 Seiten hat der Leser schon zwei Morde, eine Verschwörung, einen Gefängnisausbruch und eine Flucht durch den afrikanischen Dschungel miterlebt. Dabei schreibt Carr keineswegs oberflächlich, aber er deutet viele Dinge einfach an und überlässt es dem Leser, sie sich im Detail auszumalen. Hier liegt aber auch der wichtigste Schwanchpunkt des Romans. Carrs Zukunft scheint im Hintergrund sehr gut ausgearbeitet zu sein, der Autor zeigt es dem Leser aber nicht. Man erfährt immer gerade so viel über den Ort der Handlung, wie zum Verständnis nötig und nichts darüber hinaus. Dadurch wirkt die Welt wie ein zusammengesetzter Flickenteppich. Beim Leser kann so das Gefühl „so könnte unsere Zunkunft aussehen“ nicht entstehen, was aber gerade bei einem kritischen Roman der Fall sein sollte.

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