Intensiver historischer Roman, der nur vordergründig die Suche nach einem Buch beschreibt.

Baldassare Embriaco ist eigentlich Genuese, doch im Jahr 1665 lebt seine Familie schon seit langer Zeit in Gibelet und lebt dort vom Handel mit Antiquitäten und alten Büchern. Unruhe schleicht sich in das Leben des Antiquars, als sich das „Jahr des Tieres“ 1666 ankündigt und ein russischer Pilger mysteriöse Andeutungen über die Zukunft macht.

Gleichzeitig taucht ein rätselumwobenes Buch auf, das den „wahren Namen Gottes“ beinhalten soll, dessen Kenntnis auch Noah vor der Sintflut bewahrte. Baldassare bekommt dieses Buch in die Hände, hält es jedoch für ein Fälschung und verkauft es an einen französischen Gesandten. Schnell beschleichen ihn jedoch Zweifel, und er beschließt, dem Franzosen nach Konstantinopel zu folgen. Zusammen mit seinen zwei Neffen und seinem Diener bricht er zu einer Suche auf, die ihn bis nach London führen wird.

Die Reisen des Herrn Baldassare ist ein Tagebuch einer Suche. Vordergründig geht es um ein Buch und die Rettung vor dem gefürchteten Weltuntergang, doch eigentlich ist Baldassare auf der Suche nach sich selber, seiner Identität und seiner Heimat. Was mit einer bewussten Entscheidung beginnt, nach Konstantinopel zu reisen, wird zu einer Irrfahrt auf der der Protagonist sich von den Umständen treiben lässt und erst im letzten Moment seinen weiteren Weg festlegt.

Der Tagebuch-Stil und die direkte Sprache machen es dem Leser leicht, sich von dem Buch gefangennehmen zu lassen. Schnell identifiziert man sich mit dem Mann, der auf der Suche nach einem Buch ist, an dessen Authentizität und Inhalt er zweifelt und der trotzdem bereit ist, sein Heim zu verlassen, um diesem Buch nachzuspüren.

Er reist durch das Osmanische Reich, Italien, Frankreich und England und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch ein Europa, das von einer Mischung aus religiösem Wahn und erwachender Vernunft geprägt und in dem sich jeder eine entscheidende Frage stellt: Ist das Ende der Welt gekommen?

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