Die Päpstin (Pope Joan)

(Aufbau 2000, 544 Seiten, 3-7466-1400-7)

Der Roman ist spannend vom ersten Augenblick an, wie ein Kriminalroman. Faszinierend in der Schilderung der damaligen Welt.

Das Mädchen Johanna, im Jahre 814 als Tochter eines christlichen Dorfpfarrers geboren, wächst in tristen Verhältnissen an der Grenze zu den heidnischen Barbaren auf, und ihr Schicksal scheint bereits vorgezeichnet zu sein. Doch da sie sehr wißbegierig ist, lernt sie allein durchs Zuhören beim Lateinunterricht ihrer weniger begabten Brüder mehr als diese selbst. Ihre außerordentlichen Geistesgaben treten jedoch erst wirklich ganz zutage, als ein fremder Gelehrter aus dem fernen Byzanz auf der Durchreise in des Vaters Haus Station macht und ihren Brüdern und ihr Griechischunterricht erteilt. Eine neue Welt eröffnet sich für das junge Mädchen. Durch kriegerische Ereignisse gerät sie anstelle ihres getöteten älteren Bruders in eine Klosterschule und wird fortan für einen Mönch gehalten. Ein beispielloser Aufstieg über die Theologie und Medizin führt sie schließlich nach Rom, dem Nabel der christlichen Welt. Als Papst Johannes Angelicus besteigt sie den Heiligen Stuhl. Ihre wahre Natur wird erst wieder aufgedeckt als sie in der Öffentlichkeit während einer Niederkunft stirbt.

Die Autorin verwendet die Legende der Johanna von Ingelheim, die als Mönch verkleidet bis zum höchsten Amt der christlichen Welt aufsteigt. Sogar dem Großen Brockhaus ist diese eine eigene Eintragung wert. Die heutige katholischen Kirche leugnet diese Geschichte. Donna Woolfolk Cross ist eine Schreiberin, der es gelingt mit kurzen Sätzen den Leser direkt die Zeit des wilden Mittelalters zu versetzen. Es ist Geschichte des Kampfes, zuerst eines starken kleinen Mädchens, dann einer unbeugsamen Frau gegen die Welt der Macht, Dummheit und Ungerechtigkeit. Und es ist die höchst authentische Aufarbeitung einer Legende aufgrund von – doch (noch) – vorhandenen Dokumenten.

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