In der ersten Hälfte das faszinierende Psychogramm eines fanatischen Schachspielers, das danach atmosphärisch abflaut, ohne aber langweilig zu werden.

Der Wiener Geschäftsmann Dieter Frisch wird erschossen in seiner Wohnung aufgefunden. Einzige Auffälligkeit an dem Tatort ist ein aus Stofffetzen und Knöpfen gebasteltes Schachspiel, auf dem eine komplizierte Stellung aufgebaut ist. Dieses Detail wird von den Ermittlern übersehen, der Leser aber erfährt die wahre Geschichte, die sich um dieses Schachspiel und vor allem um den Mord rankt.

Zu Beginn weiß der Leser nur, dass ein Mord geschehen ist, und es scheint, als ob Die Lüneburg-Variante ein ganz normaler Kriminalroman ist. Doch dann erzählt Maurensig dem Leser die direkte Vorgeschichte des Mordes, und es wird schnell klar, welche Richtung der Autor einschlägt. Maurensig malt das düstere Gemälde einer Leidenschaft, die manche Menschen an den Rand ihrer Existenz führen kann: Schach. Dabei ist er sehr eindringlich, und an einigen Stellen verstört er den Leser regelrecht. Mit seiner Sprache gelingt es ihm, diesen Eindruck noch zu verstärken und schafft so ein intentsives Leseerlebnis. Als der Autor dann aber zu der eigentlichen Geschichte vordringt, verliert das Buch leider etwas an Atmosphäre und das, obwohl die Handlung immer interessanter wird. Maurensig gelingt es nicht so richtig, die Intensität in der Beschreibung der Psyche der Figuren auf die Beschreibung der Handlung zu übertragen. Jedoch bleibt die Handlung alleine auch so interessant, dass das Buch niemals langweilig wird. Am Ende verzichtet Maurensig zwar auf eine Aufklärung des Mordes, diese ist aber auch gar nicht nötig, da der Leser weiß, was passiert ist. Trotzdem kommt das Ende m.E. zu abrupt und überrascht den Leser über Gebühr. Ich musste mich als erstes vergewissern, dass in meinem Buch am Ende nicht ein paar Seiten fehlen.

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