Vielversprechender Anfang einer klassischen Reihe, aber noch mit Luft nach oben.

Ich war eigentlich der Meinung, den ersten Teil des Flusswelt-Zyklus vor ein paar Jahren schon in einer anderen Ausgabe gelesen zu haben. Und auch wenn ich es damals – zumindest in meiner Erinnerung – nicht sonderlich gut fand, konnte ich der schönen Ausgabe von Piper auf einem Remittendentisch in Flensburg nicht widerstehen.

Der Forscher Sir Richard Burton erwacht auf einmal in einer fremden Welt, die nur aus einem Fluss, weiten Ebenen, Wäldern und Gebirgen zu bestehen scheint, inmitten einer Horde anderer Menschen. Diese stammen jedoch aus allen möglichen Teilen der Welt und – noch seltsamer – allen Epochen. Jeder der Erwachten trägt einen Metallzylinder am Arm, der sich bald als Quelle für Nahrung und alles andere Nützliche und Angenehme erweist. So bilden sich erste Siedlungen, in denen mit den spärlichen Gütern gehandelt wird und in denen sich auch Machtstrukturen herausbilden. Burton nimmt die neue Situation jedoch nicht einfach hin und beginnt, die Welt zu hinterfragen. So macht er sich auf eine Odyssee und versucht, den Ursprung des zehntausende Meilen langen Flusses zu erreichen. Dabei entdeckt er eine etwas seltsame Art, diese fremde Welt zu durchreisen: den eigenen Tod. Denn wer in dieser Welt stirbt, erwacht an einem beliebigen anderen Punkt entlang des Flusses.

Erster Satz: Als könne sie damit den Tod von ihm fernhalten, hatte seine Frau die Arme um ihn geschlungen.

Ich frag mich immer noch, warum ich eigentlich angefangen, das Buch zu lesen. Ich dachte, ich es hätte mir schon mal nicht gefallen und eigentlich sind solche fantastischen Roadmovies allgemein nicht ganz meine Sache. Doch ich bin froh, mal wieder nicht auf meine Vorurteile gehört zu haben, denn es macht tatsächlich Spaß. Die Welt, in die Farmer seine Figuren bugsiert ist tatsächlich mysteriös und spannend, das Abenteuer glaubwürdig und vor allem nicht über zu viele Seiten mit zu vielen Wiederholungen gedehnt. Dabei mischt Farmer fiktive Figuren und historische Personen, die ebenfalls wiederauferstanden sind, so ist Burtons augenscheinlicher Erzrivale Joseph Goebbels. Die Figuren können dabei weitestgehend überzeugen, wirken jedoch manchmal ein wenig flach. Insbesondere fehlt der Bezug zu ihrem Leben vor der Flusswelt. Das ist ohnehin ein Potenzial, dass Farmer in diesem Band verschenkt: das Durcheinander der Kulturen und Epochen spielt leider immer nur am Rande eine Rolle und bietet nicht mehr als den notwendigen Hintergrund für Burtons Suche nach der Quelle des Flusses. Dadurch wirkt die Welt eher aus den einzelnen Schauplätzen zusammengestückelt und nicht als homogenes Ganzes und vor allem nicht als der Ort, an dem alle Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, wiedergeboren werden. Ich hoffe, dass da in den nächsten Büchern noch mehr passiert.

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